Eitrige Pferdeschnauze © Imago Images

Herpes-Infektionen: Acht Pferde deutscher Reiter gestorben

Stand: 17.03.2021 13:17 Uhr

Deutsche Reiter und Pferdebesitzer sind von dem in Valencia ausgebrochenen Equinen Herpesvirus 1 (EHV-1) besonders betroffen. Bereits acht Pferde sind an dem aggressiven Erreger gestorben.

Das teilte die Deutschen Reiterliche Vereinigung (FN) mit. Demnach erlagen vier Tiere der Viruserkrankung in Spanien oder mussten eingeschläfert werden, vier weitere starben nach der Rückkehr in Deutschland. Zu den Opfern zählen zudem sechs Fohlen, die vor oder kurz nach der Geburt starben. Insgesamt sei die Anzahl der toten Pferde auf 17 gestiegen, so der Reitsport-Weltverband FEI.

Das aggressive Virus war bei der CES Valencia Tour im vergangenen Monat ausgebrochen. Das Turnier wurde deshalb abgebrochen.

Hof von Schlüsselburg besonders hart getroffen

Am stärksten betroffen ist Sven Schlüsselburg. Der aus Nürtingen stammende Springreiter war bis Mitte Februar in Valencia am Start und brachte das Virus unwissentlich mit auf seinen Hof ins baden-württembergische Ilsfeld. Zwei seiner Pferde sind tot, sechs seiner Stuten verfohlten, wie es in der Fachsprache heißt.

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"Wir haben uns immer über Corona beschwert. Aber es geht definitiv noch schlechter", sagte dessen Frau Romina Schlüsselburg der "Heilbronner Stimme". Die Existenz ihres Hofs sei in Gefahr. Alle Stallungen seien betroffen, von ihren 60 Pferden in der vergangenen Woche 21 positiv auf EHV-1 getestet worden. "Wir haben sechs tote Fohlen, zwei tote Pferde, eins hängt in den Seilen. Wir sind alle komplett an der Grenze", so Romina Schlüsselburg.

Hoffmann verliert Spitzenpferd Casta Lee FRH

Auch Springreiter Tim-Uwe Hoffmann (Rhade) aus dem PSV Hannover verlor zwei Pferde. Sein langjähriges Erfolgspferd Casta Lee FRH und Call me Cinderella starben. "Mach's gut, unsere beste Freundin. Keine Worte können beschreiben, wie dankbar wir für zehn wundervolle Jahre sind, unsere Herzen sind gebrochen. Wir lieben dich, für immer und jeden Tag. RIP Casta Lee FRH - once in a lifetime horse", schrieb der 25-Jährige auf seinem Instagram-Account.

Weltverband sagt Turniere und Weltcup-Finale ab

Der Weltverband hat wegen des in Europa grassierenden Herpes-Virus' in den elf am meisten betroffenen Ländern alle Turniere bis zum 11. April abgesagt. Auch das ursprünglich vom 31. März bis 4. April angesetzte Weltcup-Finale in Schwedens Metropole Göteborg findet nicht statt. Im vergangenen Jahr war der Höhepunkt der Hallensaison der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hatte bereits am 2. März beschlossen, alle nationalen Pferdesport- und Zuchtveranstaltungen bis zum 28. März abzusagen.

Bundestrainer Becker glaubt an Wiederbeginn Mitte April

Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter, denkt trotz der Tragödie positiv. Auch die zweite Vollbremsung innerhalb eines Jahres soll, daran glaubt er ganz fest, den Reitsport nicht aus dem Tritt bringen. "Ich bin guter Dinge, dass wir Mitte April wieder loslegen können", sagte Becker: "Alle Pferde sind jetzt zu Hause, es gibt keine Vermischung mehr. Ich hoffe, diese Tragödie ist in ein paar Wochen überstanden."

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Sportreport | 16.03.2021 | 19:25 Uhr

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