Stand: 04.10.2019 14:16 Uhr  - NDR Info

Leichtathletik-WM wird zum Publikumsmagneten

Die heftig umstrittene Leichtathletik-WM in Katar geht zu Ende. Aber dank der deutschen Goldmedaille im Zehnkampf kommt jetzt noch einmal richtig Stimmung auf.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Bild vergrößern
Auch diese Herren zeigen im fernen Doha Begeisterung für die Leichtathletik.

Es ist ja bemerkenswert, wie einen der eigene Mikrozensus, also die Beobachtung des ganz persönlichen Umfelds, in die Irre führen kann. Wäre das meine repräsentativ, dann würde ich behaupten: Ob Astrid Rübenkämper, die grundsympathische Polizeimeisterin aus Groschenried, im dritten Versuch über 5,32 Meter an ihrer Konkurrentin aus Paraguay scheitert, hinterlässt keinerlei Spuren im Alltagsgespräch, was den Schluss zuließe: Astrids Konkurrenz besteht hauptsächlich aus dem berühmten geplatzten Sack Reis im Reich der Mitte, und für ihren sehr respektablen achten Platz interessiert sich maximal ihre Familie, die Freunde, die nächsten Nachbarn, ihre Dienststelle und der Vorstand vom TuS Groschenried.

Zehnkämpfer Niklas Kaul bei der WM in Doha 2019. © dpa picture alliance

Es muss nicht immer Fußball sein

NDR Info - Auf ein Wort -

Detlev Gröning, eigentlich Fußballfan, konnte sich lange nicht für Leichtathletik begeistern. Inzwischen sitzt aber auch er gebannt vor dem Fernseher. Für eine Glosse bleibt kaum Zeit.

4,4 bei 5 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Dasselbe beim demnächst drohenden Winterthema "Biathlon", wo ich mich auch wieder fragen werde, was es mich angeht, ob ein Unteroffizier aus Oberhof in die Strafrunde muss. Vielleicht liegt es daran, dass ich zwei Dutzend Fußballer persönlich kenne, dagegen jedoch niemanden, der sich mit seinem Speer in den Bus setzt oder auf Skiern durch unseren Stadtwald ballert.

Trotzdem: Es darf nicht immer Fußball sein, sagt mir mein Arbeitgeber im weitesten Sinne, der drei Stunden nach Abpfiff der Champions League ein erstes Standbild vom Spielgeschehen zeigen darf. Leichtathletik sei ein Publikumsmagnet, auch wenn mir die Kamera am Sonntagabend, als ich mich gerade auf ein bisschen politischen Budenzauber bei Anne Will gefreut hatte, stattdessen auf der ökosensibel heruntergekühlten Tribüne einen Herrenabend aus Tausend und einer Nacht präsentierte, der mit einer Hirnhälfte in den Kassensturz vertieft war - und mit der anderen Hälfte in erhabener Gleichgültigkeit den 100-Meter-Sprint zur Kenntnis nahm. Da fühlte ich mich in meiner Einschätzung schon aufs Perfekteste bestätigt.

Bis mir die deutschen Einschaltquoten vom Dienstag vor die Augen kamen, als die Sachsenklinik sämtliche Operationen wegen Stabhochsprung absagen musste: Satte 4,1 Millionen Zuschauer, und was ich bis dato nicht für möglich gehalten hätte: Ich war einer von ihnen. Es dauerte nicht mal 15 Minuten, bevor ich mich dafür zu interessieren begann, ob die beiden Chinesinnen ihren Speer im letzten Versuch noch an der Australierin vorbei werfen und ob der Schwede letztlich höher springt als der Ami. Faszinierend! Vielleicht muss man sich einfach mal drauf einlassen. Noch im Bett habe ich zum Einschlafen Stabhochspringer statt der üblichen Schafe gezählt. So, wenn das auch mit Biathlon funktioniert, hat der kommende Winter jetzt schon vieles von seinem Schrecken verloren.

Links
Link

Deutsche Athleten überzeugen bei WM der Extreme

Die deutschen Leichtathleten haben bei den Weltmeisterschaften in Doha mit sechs Medaillen überzeugt. Die Titelkämpfe sorgten allerdings für viele Diskussionen. Alle Infos bei sportschau.de/doha. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 04.10.2019 | 18:25 Uhr