Stand: 22.09.2020 11:55 Uhr

Existenzängste im Eishockey: Ruf nach staatlicher Hilfe

Fans der Grizzlys Wolfsburg im Heimspiel gegen die Fischtown Pinguins © picture alliance/CITYPRESS24 Foto: Michael Taeger/CITYPRESS24
Wann wird es im Eishockey auf den Rängen wieder so aussehen?

Freude und Erleichterung gab es anderswo. Als vor einer Woche von den Bundesländern beschlossen wurde, dass für eine Testphase bis Ende Oktober nun bundesweit 20 Prozent der Plätze in den Stadien und Hallen besetzt werden dürfen, blieb die Stimmung im deutschen Eishockey unterkühlt bis frostig.

Nichts war von dort zu hören, dass es "eine großartige Entscheidung" sei, die "glücklich und dankbar" mache (DFB-Präsident Fritz Keller). Die Kernaussage von Gernot Tripcke, Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), lautete: "Wir müssen diese Entscheidung der Politik erst einmal sacken lassen." Für eine gemeinsame Position müsse noch Rücksprache mit den Clubs, zu denen auch die Grizzlys Wolfsburg und die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven zählen, gehalten werden.

Das Meinungsbild ist inzwischen eingeholt. Der Tenor lautet: Nur mit den Einnahmen aus der begrenzten Zuschauerzahl geht es nicht, weitere Staatshilfen seien dringend nötig.

"Es fehlen rund 60 Millionen Euro"

Die 14 DEL-Clubs nehmen daher die Politik in die Pflicht, fordern Hilfe ein: Nur wenn bis zum 2. Oktober verbindliche Zusagen für staatliche Unterstützung der klammen Clubs vorliegen, wird die Saison wie geplant am 13. November beginnen können. Ohne Zuschüsse sei ein Spielbetrieb nicht möglich, erklärte die DEL nach der Gesellschafterversammlung am Montag. "Alle Clubs wollen unbedingt spielen", sagte Jürgen Arnold, Aufsichtsratsvorsitzender der DEL. Doch unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei es "wirtschaftlich nicht seriös darstellbar", am anvisierten Termin festzuhalten. "Uns fehlen für einen verantwortungsvollen Saisonstart rund 60 Millionen Euro, die wir ohne Hilfe Dritter alleine nicht aufbringen können", so Arnold. Die Gespräche mit der Politik müssten folglich "nochmals dringend intensiviert" werden: "Wir können und wollen kein Harakiri begehen."

60 Prozent des Etats durch Zuschauereinnahmen

Es sei die Pflicht der DEL, "wirtschaftlich verantwortungsbewusst mit dieser schwierigen Situation umzugehen", sagte Arnold weiter. Schließlich gehe es "um die gesamte Liga, unsere Nationalspieler, unsere Nachwuchs- und Jugendteams, unsere Fans sowie um tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Clubs und im direkten Umfeld".

Die DEL, die bereits die Vorsaison vor den Play-offs abgebrochen hatte, steckt wirtschaftlich in einer existenziellen Krise. Anders als die Fußball-Bundesliga kann sie sich Geisterspiele nicht leisten: Die Zuschauereinnahmen machen bei den Clubs rund 60 Prozent des Etats aus.

Grizzlys-Manager: "Wir schaffen es alleine nicht"

"Das ist auch aufgrund der aktuellen Situation noch mal ein Hilferuf. Wir schaffen es alleine nicht", sagte Charly Fliegauf, Manager der Grizzlys Wolfsburg, dem "Sportbuzzer". "Es geht auch um die Verantwortung den Fans und den Mitarbeitern gegebenüber. Wir dürfen nicht sehenden Auges gegen die Wand fahren."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 22.09.2020 | 07:25 Uhr

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