Stand: 23.01.2018 09:03 Uhr

Baskets-Ikone Paulding: Verliebt in Oldenburg

von Hanno Bode, NDR.de
Rickey Paulding - hier ein Foto aus dem Jahr 2012 - ist bereits seit 2007 für die Baskets Oldenburg aktiv.

Rickey Paulding ist im schnelllebigen Profi-Basketball eine Ausnahmeerscheinung. Während andere Spieler vierteljährlich oder in noch kürzeren Abständen den Club wechseln, hält der 35 Jahre alte US-Amerikaner den Baskets Oldenburg bereits seit 2007 die Treue.

Das Leben vieler Basketball-Profis ist geprägt vom ständigen Wechsel ihres Arbeitsplatzes. Kurzzeit-Verträge sind in ihrem Business Normalität. Etliche Vereine verfahren nach dem Motto "Hire and Fire". Selbst Kontrakte über lediglich zwei Wochen sind inzwischen keine Ausnahme mehr. Der eine oder andere Spieler dreht den Spieß allerdings auch um. So verschwand der US-Amerikaner Chris Jones im Oktober 2015 nach nur einem Einsatz für die BG Göttingen wieder aus Deutschland. Seine nächste Destination war Frankreich. Ein solches Leben aus dem Koffer - für Rickey Paulding undenkbar. Bereits seit 2007 steht "der alte Mann und der Ball" ("Nordwest-Zeitung") bei den Baskets Oldenburg unter Vertrag.

"Fühle mich immer willkommen in Oldenburg"

Ein ewig langer Zeitraum im schnelllebigen Basketball-Geschäft, der die besondere Beziehung des 35-Jährigen zu Verein und Stadt ausdrückt. "Ich bin einfach dankbar, dass wir hier sein können - mit den Leuten, unseren Freunden. Die Fans sind toll, ich fühle mich immer willkommen in Oldenburg. Deswegen sind wir immer noch hier", erklärte Paulding bei seinem Besuch im Sportclub. Und dann gibt es da ja noch ein kulinarisches Geheimnis seines langen Verbleibs in der Huntestadt. Was er denn besonders an Oldenburg möge, fragte Moderator Martin Roschitz den aus Detroit stammenden Korbjäger. "Grünkohl natürlich", antwortete Paulding und brachte das Publikum damit zum Lachen.

Oldenburgs Basketball-Star Rickey Paulding im Sportclub

Paulding: "Ich will als Beispiel vorangehen"

Sportclub -

Abseits des Basketball-Parketts ist Rickey Paulding ein zurückhaltender Mann, aber auf dem Court ein Leader. Seit über zehn Jahren führt er die Baskets Oldenburg an. Im Sportclub sprach er darüber.

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"Stabilität" wichtiger als ein dickes Konto

Doch selbstverständlich ist es nicht das grüne Gemüse alleine, das den US-Amerikaner in der niedersächsischen Stadt sesshaft hat werden lassen. "Für mich war es wichtig, Stabilität zu haben. Ich wollte für meine Kinder da sein und wollte, dass sie mich spielen sehen können. Und dafür muss man eben an einem Ort bleiben", sagte der Vater einer Tochter und zweier Söhne. Für seine Familie hat Paulding wohl auf viel Geld und eine Karriere im Dress absoluter europäischer Topclubs verzichtet. Angebote erhielt der Flügelspieler während seiner langen Zeit bei den "Donnervögeln" genug. Doch mit der Vorstellung, ein Leben als Basketball-Nomade zu führen, konnte sich der 35-Jährige nicht anfreunden. Wohl auch, weil ihn die Erfahrung, ohne Vater aufgewachsen zu sein, nachhaltig prägte. Dieses Schicksal wollte Paulding seinen Kindern ersparen.

Erfolgreichster Bundesliga-Schütze der Baskets

So also wurde aus dem Mann aus dem fernen Detroit ein echtes Nordlicht. Oder wie er es selbst nach seiner bis dato letzten Vertragsverlängerung bis 2019 bei den Baskets sagte: "Ich bin ein Oldenburger." 423 Bundesliga-Einsätze hat der Routinier inzwischen absolviert und dabei mehr als 5.500 Punkte erzielt - Bestwert für einen Oldenburger in der Bundesliga. "Wenn es am Ende hart auf hart kommt, ist auf Rickey immer Verlass", lobt Coach Mladen Drijencic seinen Kapitän. Der auf dem Parkett stets faire und abseits des Feldes sehr uneitel und zurückhaltend auftretende Paulding genießt weit über Oldenburgs Stadtgrenzen hinaus hohe Anerkennung. 2009 und 2017 wurde er mit dem "Pascal Roller Award" als "Most Likeable Player" (beliebtester Bundesliga-Spieler) ausgezeichnet. "Es ist eine große Ehre für mich, dass die Basketball-Fans in Deutschland mir diese Auszeichnung zukommen lassen", erklärte Paulding anschließend.

"Habe eine gute Karriere in Europa hingelegt"

Doch der Flügelspieler hat in seiner BBL-Zeit nicht nur Fanwahlen gewonnen. 2009 feierte der US-Amerikaner mit den Baskets die bisher einzige Meisterschaft in der Vereinshistorie, 2015 wurde er mit den Niedersachsen Pokalsieger. Sein Name wird immer mit diesen Triumphen in Verbindung stehen. Auch deswegen hat der 35-Jährige den Sprung über den großen Teich nie bereut: "Ich habe eine gute Karriere in Europa hingelegt. Und mein Traum war immer, Profi-Basketball zu spielen." Er habe es "akzeptiert", es nicht in die nordamerikanische Profiliga NBA geschafft zu haben. Das sei "in Ordnung", sagte Paulding, der nach Stationen in Israel (Hapoel Jerusalem) und Frankreich (ASVEL Lyon-Villeurbanne, BCM Gravelines) 2007 in Oldenburg landete.

35 und kein bisschen müde

Irgendwann - dessen ist sich der 35-Jährige bewusst - wird er seinem Alter Tribut zollen müssen. Noch aber fühlt sich der Routinier fit genug, um einige Jahre auf höchstem Niveau Körbe zu werfen. "Solange sie mich wollen, will ich da spielen", erklärte er. Gut möglich also, dass der Baskets-Kapitän sein Arbeitspapier ein weiteres Mal verlängern wird. Ob Paulding den Huntestädtern auch nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn treu bleiben wird, steht derweil noch in den Sternen. Stand jetzt wird er dann mit seiner Familie in die USA zurückkehren und das Eigenheim in Kansas City beziehen. "Aber wer weiß, was die Zukunft so für uns bringt. Ich möchte nicht ausschließen, in Oldenburg zu bleiben, wenn meine Basketball-Karriere zu Ende ist", sagte der Flügelspieler. Argumente für einen Verbleib an der Hunte gibt es einige. Sein hohes Ansehen bei den "Donnervögeln" und in der Stadt, die bestens in der Schule und dem privaten Umfeld integrierten Kinder und natürlich auch sein geliebter Grünkohl...

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 21.01.2018 | 22:50 Uhr

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