Stand: 06.04.2020 09:37 Uhr

Das Phantomtor - Ein Bremer Missverständnis

von Florian Neuhauss, NDR.de

Thomas Helmer erzielte am 23. April 1994 für die Bayern gegen Nürnberg den berühmtesten Treffer der Bundesliga-Geschichte. Zwei Bremer Schiedsrichter gaben das Phantomtor.

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Thomas Helmer (M.) steht vor dem Tor, Nürnbergs Keeper Andreas Köpke (l.) liegt hinter der Linie - der Ball fliegt aber ins Aus.

Das Wörterbuch definiert den Begriff "Phantom" als Trugbild. Und genau das war es, was Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers und sein Assistent Jörg Jablonski aus Bremen am 23. April 1994 im Münchner Olympiastadion sahen. Verteidiger Thomas Helmer von Bayern München versuchte einen halben Meter vor dem Tor der Nürnberger, den Ball über die Linie zu drücken. Doch dem Nationalspieler sprang das Spielgerät von der rechten Wade an die linke, von dort gegen die Hacke und ins Tor-Aus. Jablonski zeigte mit seiner Fahne Tor an und machte sich auf den Weg zur Mittellinie. Schiedsrichter Osmers sah das Signal, gab das vermeintliche 1:0 und so fand das "Phantomtor" Eingang in die Bundesliga-Historie.

Jablonski: "99 Prozent hätten die Fahne gehoben"

Das Dilemma: Beide beurteilten unterschiedliche Szenen, denn natürlich sah der Referee, dass der Ball ins Aus trudelte. Als Helmer - praktisch auf der Torlinie stehend - noch mit dem Ball hantierte, dachte Osmers allerdings, das Leder könnte schon drin gewesen sein. Jablonski wiederum hob die Fahne, als er sah, dass der Ball die Linie überquerte.

Thomas Helmer (M.) stochert den Ball am Tor vorbei. © picture alliance / Sven Simon Foto: Sven Simon

Das Phantomtor von Thomas Helmer

In der langen Bundesliga-Historie gab es viele schöne, legendäre Treffer. Es gab aber auch ein Tor, das gar keins war. Und genau deswegen ist es in die Geschichte eingegangen...

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"Ich habe mir die Szene noch sehr oft auf Video angesehen und Tausende Fans hinter mir haben die Arme zum Jubel hochgerissen, weil es von der Seite eindeutig nach Tor aussah. 99 Prozent hätten die Fahne gehoben", sagt Jablonski NDR.de. Dass der Ball einen Moment später gegen die Bande kullerte, nahm er nicht mehr wahr.

Mit dem 1:0 ging es in die Pause. "Ich habe Jörg dann noch mal gefragt, ob er sich bei dem Treffer sicher sei", erinnert sich Osmers. "Aber Jörg meinte nur, ich müsse mir keine Sorgen machen, der sei auf jeden Fall drin gewesen." Doch schon als das Schiedsrichtergespann zur zweiten Halbzeit wieder aufs Feld wollte, sah es auf den Bildschirmen der Journalisten, was ihm da für ein Fehler unterlaufen war. Osmers: "Das war eine Hypothek für die zweiten 45 Minuten."

Osmers war der Ohnmacht nahe

In der zweiten Hälfte kamen die Nürnberger zwar zum zwischenzeitlichen Ausgleich, aber Helmer legte - diesmal regulär - mit einem schönen Treffer aus 16 Metern nach. Kurz vor dem Ende gab es Elfmeter für die Gäste - Verursacher ausgerechnet Helmer. Manni Schwabl legte sich den Ball zurecht. Für Osmers war der fällige Strafstoß "ein Geschenk des Himmels". Der Unparteiische macht keinen Hehl daraus, dass "ich gehofft habe, dass er den Ball reinhaut". Bei einem Remis wäre das "Phantomgegentor" für die Franken sicher zu verkraften gewesen. Doch Bayern-Keeper Raimond Aumann parierte den Elfmeter und der Schiedsrichter war "der Ohnmacht nahe". Der Rekordmeister siegte 2:1 und die Nürnberger legten Protest ein.

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 06.04.2020 | 08:25 Uhr