Stand: 18.09.2020 11:44 Uhr

Fan-Rückkehr: Handball und Co. hadern mit der Politik

Die Mannschaft des THW Kiel bekommt in der eigenen Halle die Meisterschale und wahrt den Corona-Abstand. © imago images / Poolfoto
Auch die Handballer dürfen wieder vor Zuschauern spielen - aber nicht so vielen, wie gehofft.

Sie hatten auf mehr gehofft, doch nun müssen sie sich mit 20 oder im besten Fall 25 Prozent begnügen: Abseits des Fußballs, der auf die Zuschauereinnahmen längst nicht in dem Maß angewiesen ist wie die Handball-, Basketball- oder auch Eishockey-Bundesligisten, wird mit der von der Politik beschlossenen maßvollen Fan-Rückkehr in die Arenen gehadert. "Dieser erste Schritt war für uns überlebenswichtig. Das ist ein Anfang, aber nicht das, was wir uns erhofft haben", sagte Frank Bohmann.

Zumal der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga zu bedenken gab, dass es bei keinem deutschen Club überhaupt eine Halle gebe, "die bei einem Abstand von 1,5 m zu allen Seiten eine Auslastung von 20 Prozent erreichen kann". Deshalb appellierte Bohmann an die Länder, "hier noch mal drüberzuschauen und diese Diskrepanz auszumerzen".

Handball: "Alle Erst- und Zweitligisten bedroht"

In der HBL finanzieren sich die Vereine bis zu 80 Prozent über Eintrittskarten. Weil die Einnahmen seit Anfang März wegbrechen und die Ausgaben weiterlaufen, seien laut Bohmann aktuell "ausnahmslos alle Erst- und Zweitligisten bedroht". Im Gegensatz zu den anderen großen Hallen-Sportarten wie Eishockey (Saisonstart am 13. November) und Basketball (6. November) ist der Handball direkt von der Entscheidung zur "Fan-Rückkehr auf Bewährung" betroffen.

"Jede Veranstaltung ein Zuschussgeschäft"

Der Startschuss für die Bundesliga-Saison fällt am 1. Oktober, unter anderem mit dem Heimspiel der TSV Hannover-Burgdorf gegen Minden. Die "Recken" spielen in der Arena in Hannover, in der bei Sportveranstaltungen bis zu 10.500 Menschen Platz finden. 20 Prozent würden eine Maximalbelegung von 2.100 Zuschauern bedeuten. "Jede Veranstaltung mit 20 Prozent Zuschauern ist ein Zuschussgeschäft, was wir auf Dauer nicht durchführen können", sagte Bohmann.

In Schleswig-Holstein sind 25 Prozent Belegung erlaubt. Nach dieser Rechnung kann der THW Kiel am kommenden Donnerstag im Champions-League-Heimspiel gegen Nantes gut 2.500 Zuschauer in seiner Arena begrüßen, die SG Flensburg-Handewitt (zuletzt gegen Kielce noch vor leeren Rängen) am 30. September gegen Porto circa 1.500 in der Campus-Halle.

BBL und DEL in der Schwebe

Nicht viel für die Verhältnisse bei den Topclubs aus dem hohen Norden, aber immerhin eine Art von Planungssicherheit. Die haben die Basketball-Bundesligisten und auch die Eishockeyclubs der DEL derzeit nicht. Die BBL-Saison beginnt am 6. November, die DEL erst am 13. November. Also erst nach der von den Ländern beschlossenen sechswöchigen Testphase. "Eine positive Entscheidung ist generell erst mal gut", sagte Oliver Braun, Geschäftsführer der Löwen Braunschweig, dem NDR. "Trotz allem hätte man ja erst mal sagen können: 'Wir machen acht Wochen Testphase.' Das wäre vielleicht eine noch sinnvollere Entscheidung gewesen."

"Kosten sind bei 3.000 Zuschauern eher tragbar"

Stefan Niemeyer, Geschäftsführer bei Rasta Vechta, gibt zu bedenken, dass es für seinen Club stark darauf ankommt, wie viele Zuschauer genau in die Halle kommen dürfen: "Wir rechnen mit höheren Kosten was die Hygienemaßnahmen angeht und müssen, egal wie viele Zuschauer kommen, die Security bereitstellen. Das sind Kosten, die bei 3.000 Zuschauern eher tragbar sind, als bei 500 oder 1.000." Und Niemeyer sieht noch ein ganz anderes, größeres Problem: "Wahrscheinlich müssen wir die Einnahmen auch gegen die Zuschüsse aus dem Fördertopf gegenrechnen. Das ist dann doppelt schlimm."

Handball-Chef Bohmann hofft, dass die Auslastung ab Anfang November, dem Ende der sechswöchigen Testphase, weiter gesteigert werden kann. Wenn es gut läuft, auf "40 oder 50 Prozent". Dagegen hätten wohl auch die BBL-Clubs nichts einzuwenden, auch wenn Hermann Schüller warnt: "Ich halte es für gut abzuwarten und nicht gleich den vollen Schluck zu nehmen und das Risiko einzugehen, dass es dann wieder schiefgehen kann", sagte der Geschäftsführer der Baskets Oldenburg.

Alle sind sich bewusst, dass ein Superspreader-Event alle Pläne über den Haufen werfen würde. "Dann werden wir uns neue Wege überlegen müssen", sagte Bohmann: "Aber klar ist dann auch, dass es den Profisport, wie wir ihn kennen, so nicht weiter geben wird."

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 17.09.2020 | 15:25 Uhr

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