Ein Mann mit Maske desinfiziert eine Eckfahne im Fußballstadion © imago images/PA Images

Corona-Quarantäne: Sonderrolle für den Fußball?

Stand: 12.02.2021 15:55 Uhr

Trotz des positiven Corona-Tests von Thomas Müller durften die Fußballer des FC Bayern das Finale der Klub-WM spielen. Bei anderen Ballsportarten gingen hingegen in solchen Fällen ganze Teams in Quarantäne. Wird mit zweierlei Maß gemessen?

Die Bayern-Profis müssen auch bei ihrer Rückkehr nach Deutschland nicht in Quarantäne, sondern stehen am Montag gegen Arminia Bielefeld wieder auf dem Bundesliga-Rasen. Für sie gilt wie für andere auch eine Ausnahme, obwohl sie aus einem Risikogebiet nach Hause reisen. Sie haben sich "zwingend notwendig zum Zweck ihrer Berufsausübung" in ein Risikogebiet begeben, besagt die Einreise-Quarantäneverordnung.

THW Kiel sitzt in Quarantäne

Verzichten müssen sie gegen Bielefeld lediglich auf Müller, dessen Rückreise aus Katar mit einem Sanitäts-Flugzeug erfolgt. Das stößt anderen Sportarten sauer auf. Die Handballer des THW Kiel zum Beispiel warten seit dem Positiv-Test eines Spielers vor fast einer Woche in ihrer häuslichen Isolation darauf, dass sie wieder gemeinsam trainieren dürfen. Zudem sind bereits vier Partien der "Zebras" abgesagt worden. Selbst innerhalb des Fußballs gibt es Unterschiede, wie im Oktober die Corona-Fälle beim Zweitligisten VfL Osnabrück im Vergleich zu denen des FC Bayern zeigten.

BBL-Chef Holz: "Vielleicht ist die Beißhemmung eine andere"

Der unterschiedliche Umgang bei den Quarantänemaßnahmen sorgt bei den Verantwortlichen der anderen Mannschaftssportarten für Verwunderung. "Ich erwarte durch die Gesundheitsämter eine Gleichbehandlung aller Berufssportler", sagte Frank Bohmann, Chef der Handball-Bundesliga (HBL).

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Auch Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL), sieht die Situation kritisch. "Vielleicht ist da bei einem Gesundheitsamt die Beißhemmung eine andere", sagte er: "Da hängt mehr dran. Da kommen 150 TV-Leute, bei uns eine Handvoll." Die Ämter würden es sich "vielleicht dreimal mehr" überlegen, "eine Mannschaft in Quarantäne zu schicken und damit ein Fußball-Bundesligaspiel abzusagen als ein Handball-, Drittliga- oder Basketballspiel", ergänzte Holz.

Noch keine Spielverlegung in der Fußball-Bundesliga

In der Fußball-Bundesliga wurde trotz zahlreicher Corona-Fälle (allein beim VfL Wolfsburg gab es schon neun positiv getestete Profis) noch keine Partie verlegt, in anderen Sportarten wurden regelmäßig Spiele abgesagt und verschoben. Basketball-Bundesligist Löwen Braunschweig befand sich bereits mehrfach in Isolation. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) konnten die Grizzlys Wolfsburg zwei Partien nicht wie geplant austragen. Nach zwei Fällen in der vergangenen Woche wurde das Team direkt vom zuständigen Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt. Auch die Volleyballerinnen des SSC Schwerin waren wochenlang zum Zuschauen verdammt.

HBL-Chef Bohmann: Kein höheres Risiko im Hallensport

Die Annahme, dass bei Hallensportarten ein anderer Maßstab bei der Risikobetrachtung anzulegen ist, sei "wissenschaftlich widerlegt", so HBL-Chef Bohmann. Es gebe keine unterschiedlichen Risiken zwischen Freiluft- und professionell durchgeführten Indoorveranstaltungen: "Von daher fordern wir nicht eine Quarantäne für den FC Bayern, wenden uns aber an die Politik und Behörden, bei ihrer Risiko-Einschätzung dies zu berücksichtigen."

Holz sieht das ähnlich. Auch ihn ärgere "überhaupt nicht", dass es in der höchsten deutschen Fußball-Liga noch keine Verlegung gab. "Ich freue mich, wenn in anderen Mannschaftssportarten keine Quarantänemaßnahmen ausgesprochen werden", sagte der BBL-Boss. Trotzdem stellt er sich die Frage, warum die Gesundheitsämter bei der Fußball-Bundesliga seltener einschreiten.

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Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 12.02.2021 | 16:25 Uhr

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