Stand: 18.12.2017 11:21 Uhr

Wilbert Olinde: Aus einer Saison wurde für immer

von Andreas Bellinger, NDR.de

Die Geschichte ist noch immer spannend, obwohl er sie bestimmt schon tausendfach erzählt hat. Wie er vor 40 Jahren frisch von der Universität in Los Angeles (UCLA) nach Deutschland kam und eigentlich nur eine Saison in Göttingen Basketball spielen wollte. Es hatte nicht gereicht für einen Profivertrag in der NBA - und so verdingte sich der damals 22-jährige Wilbert Olinde schließlich in der Bundesliga, die im Jahr 1977 noch alles andere als professionell war.

Er wurde dreimal deutscher Meister, zweimal Pokalsieger und sesshaft in einem Land, das er zunächst so gar nicht verstehen konnte. Wegen der Sprache, aber auch wegen der unbekannten Freizügigkeit ("Wahnsinn, diese Sexshops schon am Frankfurter Flughafen") und der offenbar durch die Bank gut verdienenden Taxifahrer: "Alle fahren Mercedes." Olinde ist inzwischen 62 Jahre alt, hat einen 19-jährigen Sohn, Louis, der bei Meister Bamberg spielt, und seine Biografie vorgelegt, die vom Sport gleichermaßen erzählt wie vom Leben diesseits und jenseits des Atlantiks.

"Sie wollen doch nur die Krankenversicherung"

Die von Christoph Ribbat, einem Amerikanistik-Professor aus Paderborn, kundig, kritisch aber auch augenzwinkernd aufgeschriebene Geschichte ("Deutschland für eine Saison") beschreibt den täglichen Rassismus in Deutschland wie in den USA. "Als ich mich damals an der Uni einschreiben wollte", erinnert sich Olinde bei seinem Besuch im Sportclub, "hieß es: Sie wollen doch gar nicht studieren, Sie wollen doch nur die Krankenversicherung."

Über Nacht ein Star in Göttingen

Am 23. Juli 1955 in New Orleans/Louisiana geboren, wuchs Olinde in San Diego im Süden Kaliforniens auf. Das Buch zeigt den damals semi-professionellen deutschen Sport mit "Zigaretten rauchenden Basketballspielern, sektbeschwipsten Damen-Mannschaften und im 'Kraftwerk'-Sound singenden Fans", wie es vom Verlag (Suhrkamp) heißt. Es zeichnet aber auch das Porträt eines nachdenklichen US-Sportlers, der als mannschaftsdienlicher Spieler vom College kam und über Nacht den Star des SSC Göttingen geben sollte. Erfahrungen, die dem heute in Hamburg lebenden dreifachen Familienvater als Unternehmensberater und Inspirationscoach noch immer helfen und bisweilen spezielle Eingebungen bringen.

Rassismus kontert er locker

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Wilbert Olinde arbeitet heute als Unternehmensberater und Inspirationscoach.

Seine Firma hat Olinde "Black Pearl Inspiration" genannt. "Schwarze Perle" hatten sie ihn in Göttingen schon nach den ersten Siegen getauft. Niemand störte sich an dem Namen, der heute als rassistisch gebrandmarkt würde. Der mit seinem Gardemaß von 2,02 Metern auf allen Positionen beeindruckend agierende Olinde auch nicht. "Ich habe nachgeschlagen, was 'Schwarze Perle' bedeutet. Als ich gesehen habe, dass es etwas Besonderes, etwas Kostbares, Einzigartiges eben ist, habe ich mir gesagt: Das passt schon." Aber es gab auch andere Seiten im Leben der "Black Pearl". Eine Wohnung bekam er wegen der Hautfarbe nicht. Pöbeleien musste er ertragen: "Du bist dümmer wie ich." Was der studierte Volkswirt Olinde allerdings mit dem lockeren Spruch konterte: "Aber ich kann wenigstens Deutsch!"

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 17.12.2017 | 22:50 Uhr

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