Stand: 06.01.2018 09:17 Uhr  | Archiv

Manfred Kaltz: Der stille Rekordmann

von Johannes Freytag, NDR.de
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WM 1978: Manfred Kaltz (l.) kommt zu spät gegen Hans Krankl (r.). Der schießt Österreich 3:2 in Front, die "Schmach von Cordoba" ist perfekt.

Auch in der Nationalelf erfährt Kaltz nicht immer die Wertschätzung, die ihm gebührt. Sein erstes Länderspiel macht er am 3. September 1975 in Wien gegen Österreich. 69 Einsätze im DFB-Trikot sind es am Ende. Mehr werden es nicht, weil sich Kaltz mit Bundestrainer Jupp Derwall überwirft. Kaltz wird Europameister 1980 und Vizeweltmeister 1982. Aber es gibt auch Tiefpunkte: 1978 hat der Hamburger beim WM-Turnier in Argentinien die undankbare Aufgabe, erster Libero nach dem Ende der DFB-Karriere Franz Beckenbauers zu sein. Das Experiment misslingt. Beim 2:3 gegen Österreich, der "Schmach von Cordoba" macht Kaltz zudem beim Siegtreffer Hans Krankls keine gute Figur. Vier Jahre später, bei der WM in Spanien, wirkt Kaltz beim 1:0-Sieg gegen die Österreicher mit, der als "Schande von Gijon" in die Geschichtsbücher des Fußballs eingeht: Nach dem Führungstreffer durch Hrubesch schließen die Mannschaften quasi einen Nichtangriffspakt, weil das Ergebnis beiden Teams zum Weiterkommen reicht. Ein weiterer negativer Aspekt von Kaltz‘ Länderspielkarriere: Sein Eigentor (!) in der 85. Minute leitet am 1. Januar 1981 die 1:2-Niederlage gegen Argentinien ein, die Derwalls beeindruckende Rekordserie von 23 ungeschlagenen Länderspielen beendet.

Kaltz' Karriere in Zahlen

  • 69 Länderspiele (9 Tore)
  • 581 Bundesligaspiele (76 Tore)
  • 13 Spiele Ligue 1/Frankreich (1 Tor)
  • Deutscher Pokalsieger 1976 und 1987 (Hamburger SV)
  • Deutscher Meister 1979, 1982 und 1983 (Hamburger SV)
  • Europapokal der Landesmeister 1983 (Hamburger SV)
  • Europapokal der Pokalsieger 1977 (Hamburger SV)
  • Europameister 1980 (Deutschland)
  • Vize-Weltmeister 1982 (Deutschland)
  • Bundesliga-Debüt: 20. August 1971 für Hamburger SV gegen Dortmund (1:1)
  • Letztes Bundesligaspiel: 17. April 1991 für Hamburger SV gegen Dortmund (4:0)

Hin und Her auch nach der Karriere

Zwar ist Kaltz im Besitz einer Fußballlehrerlizenz, doch seine Anstellung an der Seite von Felix Magath als Co-Trainer von Eintracht Frankfurt (2000/2001) erweist sich bisher als einziger Ausflug in den Profibereich. Anfragen, beim Hamburger SV in irgendeiner Form tätig zu werden, gibt es nicht. Dabei könnte er, der sozusagen als "Mister HSV" gilt, seinem Verein viel zurückgeben. Aber: "Es hat sich nie ergeben, ich war in der freien Wirtschaft, und immer wieder gab es im Verein Leute mit vielen Ideen und Plänen. Das ist im Grunde bis heute so geblieben. Von Konzepten und Strategien wird kaum was umgesetzt", spart Kaltz nicht mit Kritik an "seinem" Club. Kaltz ist lange Jahre als Vertriebsdirektor eines italienischen Mineralwasser-Konzerns tätig, als Immobilienmakler, als Vermögensberater und er engagiert sich in einem Rehabilitationszentrum. Seit 2002 gibt er seine Erfahrungen in einer Fußballschule an den Nachwuchs weiter. Das Rampenlicht meidet er noch immer. Auf eine Interviewanfrage reagierte er einmal mit den Worten: "Ein Bericht über mich? Wer will das denn lesen?"

Kaltz - HSV-Rekordspieler und Titelsammler

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.04.2014 | 03:15 Uhr

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