Stand: 11.06.2018 20:18 Uhr

Was ist neu an der neuen Cebit?

Die Cebit im Juni - da reibt sich mancher Computerfan verwundert die Augen. Schließlich wurde das Digitalevent in Hannover jahrelang im März ausgerichtet. Aber die Messe hat sich immer wieder neu erfinden müssen, um mit der rasanten Entwicklung der Technik Schritt halten zu können. 2018 sind nun noch einmal deutlich mehr Dinge anders als in den Vorjahren - allen voran der Termin (11. bis 15. Juni), aber auch Konzerte, Catering und Konferenzen. Was verbirgt sich hinter dem neuen Konzept? NDR.de gibt einen Überblick.

Cebit 2018: Neustart mit Neuausrichtung

Umzug in den Sommer: Neuer Cebit-Termin im Juni

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Cebit - Digitale Zukunft im Norden

15.06.2018 13:30 Uhr
NDR Fernsehen

Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, die Welt der Influencer - das sind die Themen der Cebit 2018. Ein neues Erlebnis- und Business-Festival soll junge Kreative locken. mehr

Mit dem neuen Termin im Sommer hofft der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, vor allem auf eines: gute Laune. "Wir wollen Geschäft und Spaß verbinden, Business und Emotionen", sagte Vorstand Oliver Frese bei der Präsentation des Konzepts Mitte Mai. Zwar war das Wetter im März bislang kein großes Thema, weil das Messegeschehen eben vor allem in den Hallen stattfand. Drohnenrennen und andere Vorführungen waren bislang ganz überwiegend "indoor"-Veranstaltungen. 2018 finden dagegen nicht nur einige Events, sondern ganze Bereiche draußen statt. Vor allem ist da der "d!campus" mit mehr als 200 Ständen und Attraktionen. Auf der Freifläche unter dem großen Expo-Holzdach soll den Machern zufolge eine Art Jahrmarkt der Digitalisierung entstehen. Bei dann hoffentlich sommerlichen Temperaturen sollen Besucher zwischen Open-Air-Unternehmensständen und "Street Food"-Buden schlendern und abends gemeinsam feiern. Dafür gibt es zwei Bühnen, auf denen tagsüber getalkt wird. Abends treten dann Stars wie Jan Delay, Mando Diao und Digitalism auf.

Frischer Wind aus Texas: Wird aus der Fachmesse ein Festival?

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Bei Softwaregigant SAP können die Messegäste die beste Aussicht über das Gelände genießen.

Eines der erklärten Vorbilder der Cebit-Planer findet in Texas statt: Das "South by Southwest" (kurz: SXSW), ein Festival für Musik, Film und digitale Medien in Austin nannte Messe-Vorstand Oliver Frese mehrfach im Gespräch mit NDR.de. Frese schwärmte von der Atmosphäre, die dort alljährlich eine ganze Stadt für beinahe zwei Wochen förmlich in ein Mekka der Digitalisierung verwandele. 2007 wurde beim SXSW etwa Twitter einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, Start-ups erlangen durch eine Prämierung in Austin Kultstatus. "Tagsüber Business machen und abends die Digitalisierung feiern", so beschreibt Frese das Credo der Texaner. Ob es gelingt, aus Hannover eine "pulsierende Cebit-City" zu machen, wie der Messevorstand es sich wünscht, bleibt abzuwarten.

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Die erklärte Zielgruppe der Cebit - junge und hippe IT-Freaks - trägt offenbar bevorzugt Bart.
Aus Konferenzen zum Extratarif werden all-inclusive-Debatten

Vorträge und Podiumsdiskussionen gab es natürlich auch schon in der Vergangenheit auf der Cebit. Neu in diesem Jahr ist, dass diese nicht zentral, sondern an vielen Orten stattfinden und zudem bereits im Eintrittspreis enthalten sind. Früher mussten eigene, teure Tickets dafür erworben werden. Nun sind beinahe 500 Vorträge und Keynotes in leicht erhöhten Eintrittspreisen inklusive. Die Themen reichen von Sicherheit beim Online-Banking über die Blockchain bis hin zu Karrieretipps in der IT-Branche. Sie sollen der neuen Cebit deutlich mehr den Charakter eines Ortes für digitale Vordenker geben, wie es heißt. "Es muss hier auch um Dinge gehen können, die nicht gezeigt, aber dennoch dringend diskutiert werden müssen", sagte der Chef des Branchenverbands Bitcom, Achim Berg, bei der Cebit-Präsentation. Man brauche keine weitere Messe, die nur Produkte zeige. "Werte und Ethik im Zeitalter der Digitalisierung", darüber wolle man auf der Cebit diskutieren.

Abkehr von der Fachbesucher-Fixierung

Die sogenannten Beutelratten waren einstmals die unbeliebtesten Besucher der Cebit: Privatleute, die sich auf den Messeständen gierig alles unter den Nagel rissen, was kostenlos zu haben war. Diese Zeiten sind schon lange vorbei: Erst gab es kaum noch Kostenloses, dann auch immer weniger Privatbesucher. Die Messe möchte diese Entwicklung gern umkehren, zumindest, was die Privatleute angeht. Und das nicht nur, um höhere Besucherzahlen zu erzielen: "Die Unterscheidung zwischen Privatbesuchern und Fachpublikum gibt es nirgendwo sonst auf der Welt", sagte Frese. Man wolle mit der neuen Cebit insbesondere junge, digital affine Zielgruppen erreichen, sagte er - als IT-Fachleute der Zukunft, aber auch als Kunden und Mitdenker der technischen Entwicklung. Ein günstiges Abendticket und das bunte Programm auf dem Freigelände sollen zur Verjüngung beitragen. Und wie zum Beweis, dass man weniger förmlich sein will, kann man auf dem Gelände in diesem Jahr tatsächlich auch campen - und darf bis 23 Uhr bleiben.

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Der Cebit-Abend: Vom Geheimtipp zum offiziellen Programmpunkt

Cebit-Abende galten in der Vergangenheit als besonders geheimnisumwoben: Wenn alle gewöhnlichen Besucher durch die Tore des Geländes entschwunden waren, knallten auf vielen Ständen die Sektkorken. Auf Standpartys feierten Aussteller und Gäste bei mehr oder weniger exquisitem Catering, und manches Großunternehmen ließ eigens Weltstars einfliegen, um auf exklusiven Gigs die Messegäste zu unterhalten. 2008 holte etwa die Deutsche Telekom Sängerin Pink zu einem Geheimkonzert in den Deutschen Pavillon. Möglicherweise wird es auch 2018 ähnliche Dinge geben - aber die Messe hat in ihrem neuen Konzept nun den Abend ausdrücklich mit eingeplant. Dazu gehören besagte Konzerte auf der Freifläche, DJ-Gigs und eine Clubnacht in Hannovers Innenstadt. Auf dem Außengelände wird es zudem jeden Abend eine farbenfrohe fünfminütige Drohnen-Show geben. Dann soll ein Schwarm von bis zu 500 Drohnen des von Intel übernommenen deutschen Entwicklers Ascending Technology eine Lichtshow in den Himmel zeichnen.

Weniger Aussteller, mehr belegte Fläche

Vieles ist neu an der neuen Cebit: Altbekannte Hallen bleiben ungenutzt, im Bereich rund um das Holzdach konzentriert sich nun das Geschehen. Gleich ist, dass viele Aussteller ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren. Es ist und bleibt eben eine Messe. Die Veranstalter rechneten im Vorfeld mit 2.500 bis 2.800 Ausstellern aus 70 Ländern, weniger als in den Vorjahren. Allerdings werde es einschließlich der Freiflächen erheblich mehr belegte Fläche geben, sagte Frese. Die Fassade der Digitalschau, ihre Werbung und Website, sind neu angepinselt worden. Überall strahlt der Messename nun in Großbuchstaben und knallgelber Farbe. Neu ist, dass es kein Partnerland mehr gibt und auch, dass die Kanzlerin nicht mehr zum Rundgang kommt. Sie schickt stattdessen Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) - aus Termingründen, heißt es. Ein Ritterschlag für das neue Konzept sieht dennoch sicher anders aus.

Gespanntes Warten auf die Bilanz

Gelingt es mit dem neuen Konzept, neue Zielgruppen anzusprechen und zugleich traditionelle Aussteller zu halten? Man sei gemeinsam mit der Branche angetreten, ein neues Konzept zu entwickeln, sagte Frese im Gespräch mit NDR.de. Alle seien davon vollkommen überzeugt. Den Erfolg messe man an der Zufriedenheit der Aussteller, ergänzte er. In einer Woche weiß man dazu mehr.

Die wichtigsten Infos zur Cebit 2018

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.06.2018 | 19:30 Uhr

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