Stand: 14.06.2018 10:18 Uhr

Cebit: Wie die Zukunft der Mobilität aussieht

von Alexander Nortrup

Von rasend schnell elektrisch fahrend bis hin zu langsam unter Wasser schwimmend: Das Thema "Mobilität" begegnet Besuchern der Cebit an vielen Stellen. Es reicht von der Idee eines Flugtaxis über neue Entwicklungen beim autonomen Fahren und der Elektromobilität bis hin zu neuen Anwendungen für Fahrräder und Boote. NDR.de hat sich einige Produkte genauer angeschaut.

Ladestation: Die Langstrecke ist das Problem

Elektroautos sind bislang vor allem Stadtfahrzeuge. Michael Hajesch würde das gern ändern. "Wir wollen das Problem der Langstrecke lösen", sagt der CEO von Ionity im Gespräch mit NDR.de. Das Gemeinschaftsunternehmen des Volkswagen-Konzerns mit Ford, Daimler und BMW will ein europaweites Netz von Ladestationen für Elektrofahrzeuge aufbauen. 2020 soll es bereits 400 Hochleistungs-Ladesäulen geben. Dabei geht es dem in München beheimateten Unternehmen vor allem um die strombetriebenen Autos, die ab Ende 2018 mit deutlich höherer Reichweite auf den Markt kommen sollen. Wenn dann auch Urlaubsfahrten und andere längere Trips mit dem Stromer das Ziel sind, soll dank Ionity die passende Infrastruktur bereitstehen. Doch obwohl Ionity ein Zusammenschluss großer und finanzstarker Konzerne ist, bedeutet die konkrete Umsetzung des Projekts viel Mühe: "400 Stationen in 25 Ländern aufbauen, bei komplett unterschiedlichen Rahmenbedingungen, ist ein Problem." An jedem Ladepunkt sollen 350 Kilowatt zur Verfügung stehen, damit der Ladevorgang zügig geht. An den meisten aktuellen Stationen sind es bislang nur bis zu 50 Kilowatt.

Design mit "Heiligenschein"

Bald in ganz Europa: Ionity will mit der ganzen Power von vier Autokonzernen 400 Ladestationen für Elektroautos bauen.

Bereits fertig und auf der Cebit zu besichtigen ist der Prototyp der Ladesäulen. Schneeweiß und schmal ist das Designobjekt, obenauf thront ein Lichtkranz, den die Marketing-Profis von Ionity "Halo" getauft haben, zu Deutsch: Heiligenschein. Damit dieser hohe Anspruch auch ökologisch stimmt, kommt aus den deutschen Ladestationen ausschließlich Ökostrom. "Halo", die Lichtinstallation, ist keine Spielerei. Sie soll der Sichtbarkeit dienen: "Unsere Nutzer sollen die Station im Idealfall schon von der Autobahn aus sehen", sagte Hajesch. "Und dort, wo die Ladestation in einer eher schlecht beleuchteten Umgebung positioniert wird, soll sie für Licht sorgen." Auf die Standorte der bereits vorhandenen Tesla-"Supercharger" nehme man indes keine Rücksicht: "Die bauen einen eigenen Standard nur für ihre Fahrzeuge. Wir dagegen erstellen ein für alle offenes System."

Sminno baut smarte Fahrradhalterung

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Bei Sminno soll das Smartphone nicht mehr von der Fahrradfahrt ablenken.

Ganz ohne Motor, sondern nur mit Muskelkraft betrieben wird das Fortbewegungsmittel, für das Khesrau und Sohrab Noorzaie ein spannendes Produkt entwickelt haben. Ihr Start-Up Sminno widmet sich dem guten, alten Fahrrad. Wie kann man während der Fahrt sicher per Smartphone navigieren und telefonieren, ohne Kopfhörer und vor allem: ohne den Bildschirm zu berühren? "Unserer Schwester ist bei einer Fahrradfahrt vor einigen Jahren ein Telefon runtergefallen", erzählt Khesrau Noorzaie NDR.de. "Seitdem wollten wir unbedingt eine smarte Halterung bauen und zudem die Sprachsteuerung aufs Rad bringen." Als Maschinenbaustudenten hatten die beiden Kasseler Unternehmensgründer mit familiären Wurzeln in Afghanistan für ein solches Projekt beste Voraussetzungen. Inzwischen ist das Produkt am Markt zu kaufen.

Ohne Hightech und ohne störendes Rauschen

Die Halterung verstärkt den Lautsprecher-Ton ganz ohne Hightech, sondern nur durch den akustisch cleveren Aufbau des Plastikgehäuses. So sind die Kommandos der Navigation auch bei Verkehrslärm gut verständlich. Zugleich versteckt das Gehäuse das Smartphone-Mikrofon. Das eliminiere Windgeräusche bei einem Telefonat während der Fahrt, sagt Khesrau Noorzaie. Die Navigation über Google Maps ist mit einfachen Pfeilen in die zugehörige App integriert, nichts Überflüssiges soll den Blick von der Straße lenken. Hinzu kommen eine virtuelle Hupe und das Blitzlicht des Telefons für zusätzliche Sicherheit. Das Land Hessen hat das Produkt mit dem "Innovationspreis" ausgezeichnet.

Exo-Skelett hilft Menschen nach Schlaganfall

Mobilität hat auf der Cebit noch deutlich mehr Facetten: Mehr als drei Jahre arbeitete etwa ein interdisziplinäres Forscherteam des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) an einem Exo-Skelett, das der äußeren Unterstützung des menschlichen Bewegungsapparates dient. Auf der Cebit, am DFKI-Stand in Halle 27, ist es nun zu sehen. Das Exo-Skelett erfasst nach Angaben des DFKI annähernd alle Bewegungen des menschlichen Körpers. Dazu misst es Elektromyografie-Signale (EMG), aus denen das System die Bewegungsabsicht des Menschen erkennt und ihn in seinen Bewegungsabläufen intuitiv unterstützen kann. Schlaganfall-Patienten können damit verlorengegangene motorische Fähigkeiten neu trainieren. Und so mit moderner Technik einen Teil ihrer ganz persönlichen Mobilität zurückgewinnen.

Die wichtigsten Infos zur Cebit 2018

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.06.2018 | 19:30 Uhr

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