Stand: 26.04.2017 15:30 Uhr  | Archiv

Woher stammen die Facebook-Bilder der AfD?

Auf Facebook ist die AfD enorm erfolgreich: Täglich werden neue Parteibotschaften auf Fotos gestanzt, bei denen dann Tausende Nutzer auf "Gefällt mir" klicken und sie weiterverbreiten. Für die Bebilderung bedient sich die Partei unter anderem bei ausländischen Fotografen, bei Wikipedia und auch mal bei der Deutschen Presseagentur (dpa). Einige dieser Fotografen sind verärgert und prüfen nach Hinweisen von ZAPP nun juristische Schritte.

Mehr als 320.000 Nutzern gefällt sie: Was die Zahl ihrer Fans angeht, liegt die Seite der Alternative für Deutschland (AfD) bei Facebook weit vor denen aller im Bundestag vertretenen Parteien. Die CSU hat laut dem Dienst Pluragraph gerade einmal halb so viele Fans, SPD und CDU noch weniger. Und die AfD-Fans sind alles andere als Karteileichen, sondern höchst aktiv: Zu Tausenden klicken sie bei den politischen Botschaften, die die AfD bei Facebook postet, auf "Teilen" oder "Gefällt mir".

Täglich Fotos zum Teilen

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Baby mit Bart: Aus zwei Stockfotos von Jahanzaib Naiyyer und Gerain hat die AfD diese Montage erstellt.

Aus Social-Media-Sicht macht die AfD alles richtig. Täglich versorgt sie ihre Anhänger mit Botschaften - oft in Form eines Bildes mit markigen Sätzen, weil es sich so bei Facebook besser verteilt. Manchmal sind es auch mehrere solcher "Sharepics" an einem Tag. Wie andere Organisationen oder Firmen bedient sich auch die AfD in ihrem Social-Media-Auftritt zur Illustration vor allem in kommerziellen, für Kunden relativ kostengünstigen Stock-Foto-Datenbanken. Die heißen zum Beispiel Shutterstock, Dreamstime oder iStockphoto und bieten vor allem allgemeine Motive an: glückliche Familien, Landschaftsbilder oder eifrige Menschen am Computer, die in allen möglichen Zusammenhängen zur Illustration verwendet werden können. Fotografen stellen dort ihre Fotos ein und werden am Verkaufserlös beteiligt.

Ein Model aus Pakistan als betrügerischer Flüchtling

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So sieht das Originalfoto des Models von Jahanzaib Naiyyer aus.

So verdient auch Jahanzaib Naiyyer aus Pakistan sein Geld. Der Fotograf ist verärgert, als ZAPP ihn kontaktiert: In einer ungelenken Bildmontage hat die AfD eines seiner Fotos mit einem anderen Stockfoto kombiniert, um Stimmung gegen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu machen: Häufig würden sich Flüchtlinge jünger machen als sie sind, um in Deutschland bleiben zu können, so die AfD. Illustriert wird das mit einer Mutter, deren Baby den Kopf eines bärtigen jungen Mannes hat. Doch der ist keineswegs ein Flüchtling, geschweige denn ein Betrüger. "Das ist einfach ein junger Mann aus Pakistan, ein Freund von mir", sagt Naiyyer. "Ursprünglich sollte es gar kein Stock-Foto werden, aber weil es so natürlich wirkte, habe ich es dann doch hochgeladen. Mehrere Publikationen haben es verwendet, zum Beispiel auf Seiten über Austauschstudenten." Der Freund habe zugestimmt, sogar eine sogenannte Model-Freigabe unterschrieben.

Welche Verwendung ist erlaubt?

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Ein Freund des Fotografen hat sich als Model für das Foto zur Verfügung gestellt.

Aber darf die AfD dann mit einem so angebotenen Foto alles machen, was sie will? Naiyyer hat sein Bild nach eigenen Angaben bei drei Foto-Datenbanken hochgeladen. Zwei davon schließen im Kleingedruckten ausdrücklich die Nutzung für politische Zwecke aus. Die dritte formuliert vage, dass abgebildete Models nicht in unvorteilhafte Zusammenhänge gebracht werden dürften. "Dass jemand mein Stock-Foto für negative Propaganda missbraucht und mein Model in einen negativen Kontext stellt - das ist auf jeden Fall kein gutes Gefühl", sagt Naiyyer. "Es gibt Geschäftsbedingungen und die sollten sie schon achten."

Betroffen ist auch der ungarische Fotograf Istvan Csak. Die AfD hat zwei seiner Reportagefotos von Flüchtlingen in Ungarn verwendet. Er hat diese zwar auf Stock-Foto-Websites eingestellt. Die Bilder sind dort aber - soweit für ZAPP ersichtlich - als Fotos "nur zur redaktionellen Verwendung" markiert. Mit dieser Kennzeichnung dürfen sie nur für journalistische Zwecke verwendet werden.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 26.04.2017 | 23:20 Uhr

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