Stand: 13.06.2019 13:29 Uhr

Zeitungen im Norden: Erfahrungen mit Digitalabos

von Daniel Bouhs

Als Ende der Neunziger Jahre das Internet aufkam, haben Zeitungen ihre Inhalte frei auf ihre Portale gestellt. Die Hoffnung war, dass Werbung den Journalismus im Digitalen finanziert, jedoch reichte das nicht aus. Deshalb finden sich auf immer mehr Zeitungsseiten hinter vielen Texten Euro- oder ein Pluszeichen: Die Texte kosten Geld. Der Springer-Verlag hat als Vorreiter für "Bild" und "Welt" bereits mehr als eine halbe Million digitale Abonnenten gewonnen. Und die Zeitungen in Norddeutschland? Auch sie arbeiten an "Plus-Modellen". Jüngste Ergebnisse zeigen: mitunter zunehmend mit Erfolg.

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"Abendblatt"-Chefredakteur Lars Haider hat recht gute Erfahrungen mit Digital-Abos gemacht.

30.000 - so viele Leserinnen und Leser haben das "Hamburger Abendblatt" inzwischen digital abonniert. Chefredakteur Lars Haider macht das Mut: "Es kommen jeden Tag 60 bis 100 dazu, die ein Abo abschließen. Und diese Digitalabonnenten zahlen im Schnitt 15,20 Euro." Mit diesen Zahlen habe man vor ein, zwei Jahren noch gar nicht gerechnet.

Mediengrupppe Madsack arbeitet an Plus-Modell

Über seinen Erfolg mit dem Modell "Abendblatt plus" berichtete Haider auch auf dem Digitalkongress der deutschen Zeitungsverleger. Die Ohren gespitzt hat Hannah Suppa, Chefredakteurin "Digitale Transformation" für die Regionaltitel der Mediengruppe Madsack: "Wir fangen jetzt erst richtig an. Auch wir werden im Sommer starten mit einem ‚Plus‘-Modell."

"Lübecker Nachrichten" und "Ostsee-Zeitung" sind dabei

"Wir" das sind allein im Norden zehn Titel, darunter die "Lübecker Nachrichten" und die "Ostsee-Zeitung". Die Mediengruppe hat schon in der Vergangenheit bei einigen ihrer Portalen Geld verlangt, etwa bei der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Aber das habe nicht gut funktioniert, weil es auch technisch nicht gut genug gewesen sei.
Künftig soll beispielsweise das Login deutlich einfacher werden, damit das Publikum leichter hinter die "Bezahlschranke" kommt.

Schwierig, medienerfahrene Entwickler aufs Land zu holen

Auch die eigenständige "Ostfriesen-Zeitung" verlangt für ihren Journalismus im Netz Geld. "Es ist per se mal alles hinter der ‚Paywall‘. Nur Unfallmeldungen und gewisse Sache, die man überall kriegt, haben wir frei gestellt", erklärt Chefredakteur Joachim Braun. Die "Ostfriesen-Zeitung" tut sich aber noch schwer damit, diesen Markt zu erobern. "Die Technologieentwicklung ist nun eines der größten Probleme, die wir haben, weil es auch schwer ist, nach Ostfriesland medienerfahrene Entwickler zu holen. Da haben sicherlich die Großstädter einen Vorteil."

Treiber beim "Hamburger Abendblatt": Die Kultur

Eine Internetseite auf dem der Hinweis zu lesen ist, ein Abo abzuschließen um weitere Inhalte lesen zu können. © HAZ.de

Zeitungen im Norden: Erfahrungen mit Digitalabos

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Ende der Neunziger Jahre haben Zeitungen ihre Inhalte frei auf ihre Portale gestellt. Werbung sollte so Journalismus finanzieren. Inzwischen setzen viele auf Digitalabos.

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Wie Haider vom "Hamburger Abendblatt". Seine Zeitung gehört zudem zur Funke-Mediengruppe, die - wie Madsack - den Digitalausbau über mehrere Regionalzeitungen hinweg bündelt. So wurde schon früh eine Software eingesetzt, die exakt aufzeichnet, bei welchen Texten das Publikum Abos abschließt. Ein überraschend starker Treiber beim städtischen "Abendblatt" ist die Kultur. "Wir machen so unglaublich viele Abos - nicht nur mit Konzertkritiken, sondern auch mit Theaterkritiken. Wann immer in Hamburg was aufgeführt wird und wir machen eine Kritik dazu - am besten möglichst schnell, also zwei, drei Stunden nach der Aufführung - haben wir da Abos," berichtet Haider. Dabei habe das journalistische Bauchgefühl lange gesagt: Kultur interessiere praktisch niemanden - offenbar ein Fehler.

HSV interessiert offenbar mehr als FC St. Pauli

Auch im Sport sieht Haider nun klarer: "Das Verhältnis FC St. Pauli zum HSV ist, wenn man 100 Abos nimmt, die man mit den beiden abschließt, 95 für den HSV und fünf für den FC St. Pauli." Darüber müsse man nachdenken: "Ist es nicht sinnvoller über den HSV sehr viel zu berichten, weil wir wissen, jede HSV-Geschichte schließt ein Abo ab?"

Haider betont aber auch: Gerade beim politischen Geschehen werde das "Abendblatt" immer selbst Themen setzen. Berichte über Sozialpolitik müssten sein, auch wenn sie kaum Abos brächten.

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NDR Info | Netzwelt | 13.06.2019 | 08:12 Uhr