Stand: 23.09.2015 16:57 Uhr  | Archiv

Politisch, funkig, jung - sucht Publikum

von Daniel Bouhs & Daniel Schmidthäussler

Zwei Jugendportale, beide inzwischen mit jeweils einem Jahr Erfahrung: "Bento“und "Zett" - die jungen Ableger von "Spiegel Online" und "Zeit Online" haben ein Gespür für ihre Zielgruppe gefunden, die 18- bis 30-jährigen Nutzer. "Soziale Gerechtigkeit funktioniert besonders gut", sagt "Bento"-Leiter Ole Reißmann und spricht von "Sachen, über die man sich aufregen kann, die oft auch vor der eigenen Haustüre passieren", wie dem Umgang mit Migranten. Marieke Reimann, die stellvertretende Leiterin von "Zett", benennt wiederum "viele feministische Inhalte, LGBT [Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender – d. Red.], Reise und Geschichten zur Selbstfindung".

"Du bist nicht doof!"

Gemein haben die Portale auch: Politisches klickt sehr wohl. "Eine gute politische Geschichte geht dann schon über die 100.000 Zugriffe", sagt Reimann gegenüber ZAPP, "und das ist durchaus auch mit härteren politischen Fakten machbar." Allein: Junge Portale müssten Politisches oft ganz anders präsentieren als ihre Kollegen der etablierten Angebote. "Ich möchte fast sagen: Wir stellen dümmere Fragen", sagt Reißmann - und präzisiert dann: "einfachere Fragen". Auch bei "Zett", sagt wiederum Reimann, ist der Ansatz: "Hey, Du weißt nicht, warum die Wahl in Berlin Abgeordnetenhaus heißt? Du bist nicht doof!" - und liefert den politischen Zugang inzwischen verstärkt über kleine Erklärfilme, dazu kleinteilige Portraitreihen von Wählern, die in sozialen Netzwerken viral gehen sollen.

Zwischen langen Stories und Quizformaten

Vor allem "Bento" setzt auf eine besonders große Spannbreite an Formaten. Die Redaktion produziert einerseits Texte, die genauso gut ganze Seiten in Zeitungen oder Magazinen füllen könnten, und dokumentiert dabei etwa die Suche nach Burka-Trägerinnen in Deutschland. Gleichzeitig setzt die Redaktion - deutlich inflationärer als "Zett"- auch auf Quizformate wie "Wer hat es gesagt - Erdogan oder ein Bond-Bösewicht?", um jungen Nutzern einen leichtgängigen Zugang zu politischen Stoffen zu bieten. Zu banal für eine "Spiegel"“-Tochter? Reißmann kontert: "Ich hoffe, wir übertreiben es auch manchmal, denn wir sind ja auch dazu da, um uns einzumischen und auszuprobieren."

Vielzahl neuer und alter Formate

Junge Erwachsene sind inzwischen eine heftig umworbene Zielgruppe - auch, weil Verlage unter den neuen Marken umstrittene Werbeformen wie Native Advertising testen können. Mit "Jetzt" hat allerdings die "Süddeutsche Zeitung" schon seit Jahren einen eigenen, wenn auch deutlich ausgeruhteren Ableger. Das "Handelsblatt" will mit "Orange" junge Wirtschafts-Freaks erreichen. Und auch der deutsche Ableger des US-Portals "Buzzfeed" buhlt um dieses Publikum - allerdings nicht zuletzt mit klamaukigen Inhalten.

ARD & ZDF "funken" in den Markt

Zu sehen ist das Logo des neuen jungen Angebots von ARD und ZDF "Funk" auf einem grauen Hintergrund. © NDR Foto: NDR
Neu dabei: Funk von ARD und ZDF.

Erst im Oktober ist zudem mit Funk auch das junge Angebot von ARD und ZDF gestartet. "Der Markt ist schon ziemlich voll", sagt "Zett"-Macherin Reimann und scherzt: "Es können auch gerne wieder welche gehen!"“ Gerade mit "diesem Funk", so Reimann, habe die Szene eine "Größe und Dichte erreicht, die - glaube ich - kaum noch Platz für andere Mitbewerber lässt“. "Bento"-Macher Reißmann gibt sich entspannter. Der Markt habe "Platz für viele Angebote"“, sagt er gegenüber ZAPP und betont: "Je mehr Redaktionen da draußen existieren, je mehr Projekte es da draußen gibt, die sich auch um die Interessen von jungen Menschen kümmern, desto besser."

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 23.09.2015 | 23:20 Uhr

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