Stand: 16.10.2018 16:13 Uhr  | Archiv

Ist Hamburg Media School zu nah an Facebook?

von Daniel Bouhs, NDR Info

Seit inzwischen 15 Jahren bildet die Hamburg Media School (HMS) Medienmacher von morgen aus. Die Finanzierung der halbstaatlichen Bildungseinrichtung ist allerdings immer wieder aufs Neue eine Herausforderung. Ein Weiterbildungsangebot für Journalisten steht deshalb im Moment in der Kritik.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda © Bertold Fabricius Foto: Bertold Fabricius
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda hat Sympathie dafür, dass die Hamburg Media School offensiv auch die Nähe zu IT-Konzernen sucht.

Wo sollten angehende Journalisten ihr Rüstzeug lernen: ganz praktisch in einer Redaktion oder akademisch an einer Hochschule? Journalisten können über diese Frage leidenschaftlich streiten. Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) sagt hingegen: "Natürlich hat es Sinn, Menschen, die 'was mit Medien' machen wollen, an Hochschulen auszubilden und mit einem Rüstzeug auszustatten, das eben mehr ist als das Wissen, das in einer Redaktion schon vorhanden ist. Und das dann - sozusagen - dem Volontär beigebracht werden kann."

Hamburg Media School ist keine klassische Hochschule

Die Hamburg Media School, 2003 gegründet, ist so eine Hochschule. Sie bildet angehende Filmautoren ebenso aus wie Medien-Manager und natürlich auch Journalisten. Eine klassische Hochschule ist die HMS allerdings nicht: Weder die Stadt Hamburg noch Unternehmen bezahlen sie in Gänze.

Die Bildungseinrichtung gibt es nur, weil alle etwas in den Topf werfen: die Stadt und die Medien, für die die Hochschule ausbildet - darunter die "Zeit", der "Spiegel", das Verlagshaus Gruner + Jahr und auch der NDR.

Weichert: "Wir haben das Beste aus beiden Welten"

Medienwissenschaftler Stephan Weichert © Privat
Stephan Weichert sieht keinen Grund für Kritik an der Kooperation der HMS mit Facebook und anderen Unternehmen.

"Die HMS ist ein Public-Private-Partnership, in Deutschland eher unüblich, in Amerika eher bekannt oder in Großbritannien. Wir haben das Beste aus beiden Welten", sagt Stephan Weichert. Er bildet an der HMS als Dozent seit fünf Jahren Journalisten aus. Im November startet er an der Schule etwas Neues: das "Digital Journalism Fellowship". Die HMS will mit diesem Angebot etablierten Journalisten den Weg ins Digitale weisen.

Das Programm sorgte allerdings bereits im Vorfeld für Kritik, denn es wird von Facebook gesponsert - ausgerechnet also von einem Unternehmen, über das viele Journalisten berichten, etwa bei Datenschutz-Affären.

Programme sind als unabhängige Angebote gedacht

Ein Problem für die Unabhängigkeit? Dozent Weichert kontert: "In der HMS sind, glaube ich, inzwischen mehr als 60 Unternehmen investiert, als Förderer der Schule. Facebook ist einer davon - zugegeben ein großer. Und das, was wir aufsetzen an Programmen, an Weiterbildungsangeboten, ist natürlich in diesem Sinne immer als unabhängiges Angebot gedacht." Die Förderer hätten laut Weichert "eigentlich nie ein Mitspracherecht an irgendeinem inhaltlichen Aspekt". Der breit gestreute Förderkreis sorge also für Unabhängigkeit.

Werben um weitere Sponsoren

Wie viel Facebook zahlt, ist geheim. Konkret zum neuen Angebot sagt Weichert allerdings auch: "Am 'Digital Journalism Fellowship' sind zurzeit noch keine weiteren Förderer beteiligt. Aber wir arbeiten daran."

Und auch sonst wirbt die HMS beim Senatsempfang im Hamburger Rathaus um weitere Sponsoren. Wenn Geschäftsführerin Katharina Schäfer von der Zukunft ihres Angebots träumt, "dann kommen vor allen Dingen ganz viele neue Boote dazu, die aber gemeinsam auf dem digitalen Ozean segeln. Und das können neue Studiengänge sein, aber auch neue Stipendienprogramme zum Beispiel."

"Reiberei" als positiver Nebeneffekt der Kooperation?

Dass die Hamburg Media School dabei auch offensiv die Nähe zu IT-Konzernen sucht, findet Kultursenator Brosda gar nicht schlimm. Er wünscht sich explizit, dass sich Medienmacher eng austauschen mit den Spezialisten - beispielsweise eben von Facebook. Vielleicht habe es sogar einen Nebeneffekt, wenn Programmierer mit kritischen Köpfen reden, meint Brosda: "Ich glaube, da ist viel notwendig. Auch vieles, was vielleicht Facebook im Umfeld noch davon lernen kann - wie das eigene Produkt unter Umständen auch optimiert werden kann." Dann, so Brosda, werde es vielleicht im Verhältnis miteinander wieder ein bisschen rationaler.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 16.10.2018 | 10:50 Uhr

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