Stand: 04.05.2016 12:06 Uhr  | Archiv

Hasskommentare bekämpfen - nur wie?

von Melanie Stein, NDR Fernsehen

Hass im Netz - das Thema wird auf der Digitalmesse Re:publica in Berlin viel diskutiert. Besonders die sogenannten Community Manager haben damit zu tun. Sie müssen täglich gegen eine Flut von Meinungsbeiträgen ankämpfen, um Ordnung in den Kommentarspalten herzustellen.

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Carolin Emcke wehrt sich gegen die - wie sie es nennt - "ungehemmte Lust am Hassen".

Beleidigungen, Hass, Drohungen. Was im realen Leben oft unausgesprochen bleibt, wird im Netz schnell mal rausposaunt. Der schroffe Ton - beinahe hat man sich an ihn gewöhnt. Die Publizistin Carolin Emcke wehrt sich dagegen: "Ich will die ungehemmte Lust am Hassen nicht normalisiert sehen", sagt die 48-Jährige, die in diesem Jahr zum ersten Mal auf der Re:publica in Berlin spricht. Emcke beschreibt in ihrem 60-minütigen Talk das "Raster des Hasses“. Der Hass sei "nicht spontan“, sagt sie - und versucht die Muster hinter der Wut zu erläutern.

Persönliche Bedrohungen aus dem Netz

Muster, die Community Manager verstehen müssen. Denn sie sind es, die für Unternehmen täglich Hunderte bis Tausende Kommentare lesen, von denen nur ein kleiner Teil inhaltlich konstruktiv oder sachlich formuliert ist. Kein leichter Job, weiß Community Managerin Beatrix Gutmann: "Wenn ich das morgens schon aufgemacht und diese Leute gesehen habe, das hat mich richtig wütend gemacht."

Die regelmäßige Besucherin der Re:publica begann vor zehn Jahren für Medienhäuser und Unternehmen im Bereich Community Management zu arbeiten. Nicht allein die Masse negativer Kommentare machte ihr zu schaffen. Mehrmals wurde sie von Nutzern, die die Nettiquette nicht einhalten wollten, bedroht: "Ich weiß, wann Du Feierabend hast und ich weiß, wie Du aussiehst", hieß es in Nachrichten, die an sie gerichtet waren.

Mittlerweile arbeitet Gutmann in leitender Funktion und setzt sich im Bundesverband Community Management für die Professionalisierung des Berufs ein.

Mohr empfiehlt Schulungen für Community Manager

Von Professionalisierung spricht auch Carline Mohr auf mehreren Panels zum Thema Hate Speech. "Wenn sich diese Hasskultur, die wir seit letztem Sommer so massiv erleben, so weiter entwickelt wie gerade, dann wäre es auf jeden Fall eine Überlegung für Medien zu sagen: 'Hey, brauchen wir nicht tatsächlich auch pädagogisch geschultes Personal?'."

Mohr, die lange Zeit den Social-Media-Bereich von Bild Online geleitet hat und jetzt zu Spiegel Online wechselt, zieht Parallelen zu Streetworkern. Diese seien pädagogisch geschult, während Community Manager häufig Studenten oder Berufsanfänger aus Kommunikationsberufen sind.

Forderung nach transparenten Kommunikationsregeln

Weitere Lösungsvorschläge kommen von Nele Heise, die am Hans-Bredow-Institut Hamburg zum Thema Publikumsbeteiligung geforscht hat und über die Ethik in Internetforen spricht. Sie fordert eine stärkere Einbindung von Community Managern in die Redaktionen. So könnte die Wachsamkeit für deren Schwierigkeiten erhöht werden. Außerdem sollten ihrer Meinung nach die Kommunikationsregeln der Medienhäuser transparent sein, damit sie von Community Managern und den Community Mitgliedern angewendet werden können.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 04.05.2016 | 10:08 Uhr

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