Stand: 23.05.2016 15:38 Uhr  | Archiv

Facebook-Hetzseite mit Millionen Fans offline

Anonymous tritt für WikiLeaks ein und gegen Überwachung. Die Internet-Bewegung hat der Terror-Organisation "Islamischer Staat" genauso den Krieg erklärt wie Donald Trump. Zum Mitmachen braucht man kein Hacker sein - Anonymous ist ein amorphes Kollektiv. Und das wurde in Deutschland ausgerechnet für fremdenfeindliche Propaganda ausgenutzt. Doch damit könnte jetzt erst mal Schluss sein.

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Die weiße Maske des englischen Verschwörers Guy Fawkes ist nicht nur bei Anonymous beliebt.

Die weiße Guy-Fawkes-Maske mit dem Spitzbart ist das Symbol von Anonymous - doch sich dahinter verbergen und den Namen Anonymous benutzen kann jeder, der das möchte. Jahrelang nutzte das auf Facebook jemand aus, um Verschwörungstheorien zu verbreiten und gegen Flüchtlinge zu hetzen - mit der größten deutschsprachigen Fan-Seite im Namen von Anonymous.

"Sie hatte 1,95 Millionen Follower auf Facebook und dementsprechend natürlich eine unheimlich große Reichweite. Und hat gleichzeitig den Namen Anonymous verwendet, obwohl sie nicht wirklich in Zusammenhang mit dieser Bewegung steht", sagt Andre Wolf von der Website Mimikama, die Verbraucher über Falschmeldungen und Gerüchte im Netz informiert. Wolf beobachtet die falsche Anonymous-Seite seit Langem. Schon in der Ukraine-Krise positionierte sich die Seite prorussisch, später wurden die Sympathien für rechte Internetseiten wie das "Compact"-Magazin unübersehbar.

Auf einmal war die Seite weg

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Echte Anonymous-Aktivisten hatten sich daher schon vor geraumer Zeit von der Seite distanziert. Das verhinderte aber nicht, dass die Fanzahl der Seite immer weiter wuchs. Zuletzt hatte das angebliche "Anonymous Kollektiv" sogar zum Kauf von Waffen gegen Migranten aufgerufen. 

Im Frühjahr war die Seite einmal kurz inaktiv - der oder die Betreiber wichen auf eine parallele Präsenz im russischen Facebook-Pendant VKontakte aus. Trotz zahlreicher Beschwerden hatte Facebook die Seite aber bisher nicht gelöscht. Am Sonnabend war sie dann aber auf einmal offline.

"Einen genauen Auslöser weiß man nicht, es könnte sein, dass der öffentliche Druck zu groß war. Es könnte sein, dass zu viele Meldungen eingegangen sind. Da ist Facebook wie immer intransparent", sagt Wolf.

Inhalte werden auf anderem Wege verbreitet

Der mutmaßliche Betreiber macht für das Verschwinden das "Zensursystem von Heiko Maas" verantwortlich und versucht an anderen Stellen im Netz seine Propaganda zu verbreiten. "Seit Sonntag gibt es einen neuen Weblog, der diese Inhalte verbreitet", berichtet Wolf. Nach seinen Recherchen hat das Weblog falsche Angaben im Impressum und bei der Anmeldung der Internetadresse gemacht.

"Aber die reichweitenstarke Seite auf Facebook ist zumindest verschwunden", sagt Wolf. "Jetzt muss noch weiter geschaut werden, ob man den Betreiber genau identifizieren kann und dann juristisch vorgehen kann." Der "Focus" hatte zuletzt von Belegen berichtet, dass hinter der Seite "Anonymous Kollektiv" tatsächlich der häufig in diesem Zusammenhang genannte Mario R. stehe. Zudem sei R. ein "AfD-Mitglied der ersten Stunde" gewesen, so der "Focus".

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 23.05.2016 | 15:38 Uhr

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