Stand: 23.11.2018 17:24 Uhr

Digitalpakt ist endlich unter Dach und Fach

Über die Digitalisierung der deutschen Schulen wird schon länger diskutiert, als es von der Einschulung bis zum Hochschulabschluss dauert. Aber jetzt dürfte ein Durchbruch erreicht sein: Der Digitalpakt für Schulen kommt. Der Bund kann also den Kommunen als Träger der Schulen Geld geben, viel Geld. Dafür muss das Grundgesetz geändert werden - und die verfassungsändernde Mehrheit in Bundestag und Bundesrat steht jetzt. FDP und Grüne waren schon länger dafür, aber einige Länder fürchteten, dass das ein Einfallstor ist, durch das der Bund sich Länderkompetenzen greift.

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Verena Gonsch hofft darauf, dass auch die Länder den Digitalpakt unterstützen.

Na, endlich! Der Stoßseufzer war am Freitag in den sozialen Netzwerken der Bildungsszene laut zu hören. Endlich hat das Warten ein Ende! Endlich können über fünf Milliarden Euro an die Schulen in Deutschland fließen, die dort schon seit mehr als einem Jahr bereitstehen. Fünf Milliarden Euro, das sind bis zu 25.000 Euro pro Schule für längst überfälliges WLAN, für Smartboards, Tablets und Lernprogramme.

Steinzeit statt Digitalisierung

Waren Sie in letzter Zeit schon mal ein einer durchschnittlichen Schule in Deutschland? Da gibt es nicht nur marode Gebäude und Lehrkräftemangel, da herrscht in Sachen Digitalisierung die Steinzeit. Viele Schulen haben noch nicht einmal einen vernünftigen WLAN-Anschluss, geschweige denn anständige Computerräume, Smartboards oder Tablets für Arbeiten im Netz.

Schülerinnen und Schüler müssen ihre Präsentationen und Referate zu Hause nach Schulschluss auf Papas oder Mamas Laptop schreiben, weil ihr Computerraum an der Schule kein ausreichendes Netz hat oder weil Internetzugänge aus Datenschutzgründen gesperrt sind.

Fortbildungsangebote für Lehrer? Fehlanzeige!

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Digitalpakt: MV hofft auf 100 Millionen Euro

Der Bund soll Milliarden ins digitale Lernen an Schulen investieren dürfen. Darauf einigten sich die große Koalition sowie FDP und Grüne. Mecklenburg-Vorpommern könnte 100 Millionen Euro bekommen. mehr

Die Schüler kennen sich meist mit den digitalen Geräten viel besser aus als die Lehrkräfte, weil es keine vernünftige Fortbildung gibt. Und junge Lehrer, das hat eine Studie gezeigt, verlieren spätestens nach zwei Jahren die Lust am Einsatz digitaler Medien im Unterricht, weil Kabelsalat und technischer Frust das Engagement im Kern erstickt.

Die Leuchttürme an den Schulen sind meist die Informatik- und Mathelehrer, die mit viel Einsatz und keinem Euro zusätzlich in vielen Überstunden den digitalen Laden am Laufen halten. Lehrer, Eltern und Schüler könnten viele weitere Geschichten erzählen. Und die Kinder und Jugendlichen würden dabei auch ihren Frust loswerden, dass die für sie spannenden Welten im Internet in der Schule oft nicht vorkommen.

Zockerei ging zu Lasten der wartenden Schulen

Verantwortlich für die Warterei war dabei nicht die Große Koalition, sondern FDP und Grüne. Beide Parteien, die sich die Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben haben, wollten noch mehr für ihre Klientel herausholen. Den vollständigen Abschied von diesem Bildungssystem, in dem die Länder noch das Sagen haben. In dem ein Abitur aus Bayern mehr zählt als eins aus Hamburg und Abiturnoten nicht vergleichbar sind. Die Zockerei ging dabei zu Lasten der wartenden Schulen, die eine finanzielle Spritze schon in diesem Jahr wirklich hätten gebrauchen können.

Die Länder müssen jetzt Farbe bekennen

Gut, dass die Parteien kurz vor Weihnachten doch noch die Kurve gekriegt haben. Jetzt können die Schulen planen. Und ihren Bedarf bei den Behörden anmelden. Unwägbarkeiten hat der Pakt trotzdem noch: Die Länder müssen zehn Prozent der Gelder dazu schießen, sonst fließt das Geld nicht. Hoffentlich ergeht es dem Digitalpakt da nicht wie anderen Konjunkturprogrammen, bei denen das Geld nicht abgerufen wurde.

Der Druck ist groß: Die Länder müssen jetzt Farbe bekennen. Ende nächsten Jahres kommt die neue Internet-Pisa-Studie raus. Beim letzten Mal vor fünf Jahren konnte jeder dritte Achtklässler keine Website im Internet eingeben. Damit war Deutschland weit abgehängt im unteren Mittelfeld. Wenn wir und vor allem unsere Kinder mit der Digitalisierung Schritt halten wollen, dann jetzt!

Tagesschau.de
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Weg frei für den Digitalpakt Schule

Große Koalition, Grüne und FDP haben sich geeinigt: Der Bund soll Milliarden Euro ins digitale Lernen an Schulen investieren dürfen. Mehr zu dem Thema bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 23.11.2018 | 18:30 Uhr

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