Stand: 12.02.2015 11:31 Uhr  | Archiv

Die YouTube-Erfolgsgeschichte begann im Zoo

von Nicole Markwald, Korrespondentin in Los Angeles

Süße Katzenvideos, ausführliche Schminkanleitungen, alberne Teenagerwitze und tiefbewegende Dokumentationen aus Kriegsgebieten - all das hat bei YouTube jede Menge Zuschauer. Das Portal, auf dem jeder Nutzer eigene Videos hochladen kann, wird am kommenden Sonnabend zehn Jahre alt.

Die allermeisten Internet-Nutzer dürften wissen, was sich hinter dem YouTube-Symbol verbirgt.

Diese Zahlen sind kaum zu fassen: Jeden Monat besuchen mehr als eine Milliarde Menschen YouTube, die sich sechs Milliarden Stunden lang Videos anschauen. Und in jeder einzelnen Minute werden 100 Stunden Videomaterial auf die Plattform hochgeladen. YouTube ist inzwischen - nach Google - die zweitgrößte Suchmaschine der Welt.

Der Erfolg bleibt dabei in der Familie, schließlich hat sich Google den Videodienst 2006 einverleibt. Da war YouTube noch nicht mal zwei Jahre alt. Damals dümpelte die Plattform allerdings eher vor sich hin, als richtig erfolgreich zu sein. YouTube-Gründer Jawed Karim gab später bei einer Rede an seiner ehemaligen Universität zu, dass er bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee gehörige Startschwierigkeiten hatte: "Zunächst kam kaum jemand auf die Seite. Das Produkt war primitiv. Man konnte nicht mal selbst wählen, welche Videos es zu sehen gab. YouTube entschied das stattdessen selbst, völlig wahllos."

Tsunami und "Nipplegate" als Impulse

Karim gründete YouTube gemeinsam mit seinen ehemaligen Paypal-Kollegen Chad Hurley und Steve Chen. Am 14. Februar 2005 - dem Valentinstag - sicherten sie sich die Domain YouTube.com. Zwei Ereignisse führten bei Karim zu dem Wunsch einer Videoplattform im Netz: der katastrophale Tsunami in Südostasien und der als "Nipplegate" berühmt gewordene Superbowl-Auftritt von Janet Jackson und Justin Timberlake.

Es sei unmöglich gewesen, Videos dazu im Netz zu finden, so Karim. Und wenn er eines aufgespürt hatte, musste er erst den speziellen Videoplayer installieren. Die Idee einer eigenen Plattform nur für Videos war geboren.

Holpriger Start mit großen Schwierigkeiten

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Unspektakulärer Start einer Erfolgsgeschichte: YouTube-Gründer Jawed Karim im Zoo in San Diego.

Am 23. April 2005 lud das kleine Team einen ersten unspektakulären, 18-sekündigen Kurzclip hoch: Karim steht vor dem Elefantengehege im Zoo von San Diego. Das erste YouTube-Büro war in Räumen über einer Pizzeria im nordkalifornischen San Mateo untergebracht, rund 30 Minuten von San Francisco entfernt. Gerade mal sechs Monate später knackte YouTube eine magische Grenze - ein Werbeclip eines Sportartikelherstellers wurde über eine Million Mal angeklickt.

Doch die Macher plagten in der Anfangszeit zwei große Sorgen: Je bekannter Youtube wurde, desto mehr Bandbreite brauchte das kleine Unternehmen - und das ging ins Geld. Außerdem war die Angst vor Klagen von anderen Medienunternehmen allgegenwärtig. Schließlich landete am laufenden Band urheberrechtlich geschütztes Material auf der Plattform: ganze Filme, oder Episoden von Serien wie "South Park" oder der "Daily Show".

Übernahme durch Google macht YouTube-Gründer reich

Google hatte früh das Potenzial der Videoplattform erkannt: Schon im Jahr 2006 ging die Übernahme über die Bühne. Mitbegründer Hurley sprach davon, dass "der König der Suchmaschinen und der König des Videos" sich zusammengetan hätten. Ein nervöses Lachen konnte er sich damals nicht verkneifen, denn die Übernahme hatte aus den drei YouTube-Gründern mehrfache Millionäre gemacht. Google gab die für damalige Verhältnisse unglaublich hohe Summe von 1,65 Milliarden Dollar aus. Karim, Hurley und Chen erhielten für ihren Verkauf Google-Aktien, die seitdem ihren Wert weiter gesteigert haben.

Jahresumsatz im zweistelligen Millionenbereich

Inzwischen verdient YouTube richtig viel Geld. Mit eingeblendeter und vorgeschalteter Werbung macht Google jährlich einen Umsatz von geschätzt sechs Millionen Dollar - das ist rund ein Zehntel seiner Gesamteinnahmen.

Unspektakuläre Kurzclips aus einem Zoo gibt es bei YouTube auch zehn Jahre nach dem unspektakulären Start, dazu Kochanleitungen, Filmkritiken, lachende Babys, Musikvideos oder Handyaufnahmen aus Krisenregionen und Wahlkampfdebatten gefüttert mit Fragen von Nutzern per Video. YouTube wird von Millionen Menschen auf der Welt auf millionenfache Art und Weise genutzt.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 12.02.2015 | 08:08 Uhr

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