Der Tankstutzen eines E-Autos © Colourbox Foto:  Animaflora Pics-Stock

Mobilität: Wahlprogramme der Parteien zur Landtagswahl 2021

Stand: 25.08.2021 12:39 Uhr

Auto, Fahrrad oder Bus und Bahn? Wie sollen, wie können die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern sich künftig fortbewegen - was passiert mit den Radwegen, was mit den Busfahrplänen auf den Dörfern? Hier gibt es ganz klar unterschiedliche Schwerpunkte bei den Parteien.

SPD

Für die Sozialdemokraten ist klar: es gibt unterschiedliche Herangehensweisen zur Mobilität in den Städten, den ländlichen Gebieten und den touristischen Zentren. Die Sozialdemokraten setzen im öffentlichen Personennahverkehr auf ein landesweites Rufbussystem. Mit dem soll tagsüber in jedem Dorf alle zwei Stunden ein Rufbus telefonisch bestellt werden können.  Die SPD will ein Seniorenticket einführen. Kosten: Ein Euro pro Tag. In den Städten hält die Partei Car-Sharing für ein sinnvolles Konzept. Der Verbrennungsmotor ist für sie ein Auslaufmodell, sie will auf bei Antrieben auf Batterie und Wasserstoff setzen. Dazu muss die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden. Die Bahn als Alternative will die SPD stärker fördern, Busse und Bahn dabei sinnvoll vernetzen. Die Partei will in Mecklenburg-Vorpommern ein einheitliches Tarifsystem schaffen, die landeseigene Verkehrsgesellschaft soll das koordinieren. Die Darßbahn soll nach dem Willen der SPD fertig gestellt werden, die Südanbindung der Insel Usedom wieder per Schiene möglich sein. Die Partei fordert mehr Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, die Häfen zu stärken und den Radverkehr attraktiver zu machen. Lücken im Landesradwegenetz müssten geschlossen werden. Die SPD setzt sich außerdem für ein adäquates Flugangebot in Mecklenburg Vorpommern ein.

AfD

Die AfD sagt: Wir setzen uns für den Individualverkehr ein. Das Autofahren muss für alle erschwinglich bleiben. Sie spricht sich deshalb für die Erhöhung der Pendlerpauschale aus. Die AfD fordert, den öffentlichen Personennahverkehr ansprechender zu gestalten und einen Verkehrsverbund für ganz Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen. Das Eisenbahnnetz soll nach dem Willen der AfD besser ausgebaut werden. Mehr Geld soll in den Straßenausbau fließen. Die AfD fordert ein lückenloses Radwegenetz in Mecklenburg-Vorpommern. Sie nennt das Fahrrad im urbanen Raum eine sinnvolle Erweiterung der persönlichen Mobilität.

CDU

Für die CDU ist klar: Selbst bei bester Vernetzung von Bus und Schiene ist ein Öffentlicher Personennahverkehr mit enger Taktung, der rund um die Uhr fährt, nicht finanzierbar und auch ökologisch nicht vorteilhaft. Die Union will sich für einen flexiblen Personennah- und Schienenverkehr einsetzen, der nach der Vorstellung der Partei dann mit guten Verbindungen und einheitlichen Tarifen über Stadt-, Kreis- und Landesgrenzen hinweg funktioniert. Dabei soll auch ein Anschluss an die Verkehrsverbände der Metropolen Berlin, Stettin und Hamburg geprüft werden. Beim Autoverkehr setzt die Union derzeit auf den Verbrennungsmotor. Die Zukunft bedeutet für sie bei den Antrieben Wasserstoff, Akkus und E-Mobilität. Ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen lehnt die CDU ab.

Linke

Die Linke will den Öffentlichen Personennahverkehr wieder attraktiver machen. Dafür sollen Strecken wieder in Betrieb genommen werden. Die Partei setzt sich dafür ein, dass der ÖPNV schrittweise kostenfrei wird. Für die Linke ist klar: Alle Dörfer und Städte sollen im Land gut erreichbar sein. Als Verkehrsmittel haben der ÖPNV, das Rad und Fußgänger für die Partei oberste Priorität. Die Bahn soll dabei als Rückgrat dienen, das verknüpft wird mit Bus, Rufbus und Fahrrad. Dieses Netz soll es möglichst im Stundentakt geben, mit einem einfachen Tarif-, Auskunft- und Fahrscheinsystem. In den Städten will die Partei die Straßenbahnnetze ausbauen. Die Linke setzt sich für die Südanbindung der Insel Usedom per Bahn ein, für ein landesweites Radnetz und Ladestationen für E-Bikes.

GRÜNE

Die Grünen setzen sich für einen gut ausgebauten Öffentlichen Personennahverkehr ein, für attraktive Bahnverbindungen und familienfreundliche Preise. Die Radwege im Land sollten durchgängig ausgebaut und instandgesetzt werden. Die Grünen wollen Mobilitätsstationen an den zentralen Umsteigepunkten von Bus und Bahn haben. Dort soll es sichere Radabstellmöglichkeiten und Verleihsysteme geben. Die Ober- und Mittelzentren sollen mindestens im Stundentakt mit einem kostengünstigen durchgängig gültigen Ticket verbunden sein. Grundzentren und Gemeinden mit mindestens 500 Einwohnern sollen in einem Zwei-Stunden-Takt eine Anbindung erhalten. Das Oberzentrum Neubrandenburg wollen die Grünen besser an den Fernverkehr anbinden. Die Grünen wollen die Eisenbahn-Südanbindung an Usedom wiederherstellen. Außerdem soll die Anbindung nach Skandinavien verbessert werden. Beim Autoverkehr setzen die Grünen auf die Umstellung auf erneuerbare Energien, vor allem die Elektromobilität. Dazu sollen möglichst barrierefrei Ladestationen betreitgestellt werden.

FDP

Für die Liberalen ist wichtig, dass die Verkehrspolitik ideologiefrei bleibt. Die FDP setzt auf die Wahlfreiheit des Verkehrsmittel, das müsse mit dem Umweltschutz vereint werden, schreibt die Partei. Dazu will sie die Fahrradinfrastruktur weiter ausbauen und ein übergreifendes Verkehrskonzept für den Ostseeraum erstellen. Bereits geplante Straßen-, Schienen und Wasserstraßenprojekte sollen zügig umgesetzt werden. Die Liberalen wollen das Autobahnnetz in Mecklenburg-Vorpommern für Pilotprojekte für Gigaliner und autonomes Fahren freigeben. Sie fordern ein landesweites Konzept für den Öffentlichen Personennahverkehr, es müsse intelligente Netze geben, die für bedarfsgerechte Verkehrsangebote sorgen. Die FDP will sich dafür einsetzen, dass es in den Städten in Mecklenburg-Vorpommern bessere DB-Angebote gibt. Rufbusse und Ridesharing sollen gezielt eingesetzt werden. Die Liberalen wollen, dass bereits 14-Jährige den Motorrollerführerschein machen können, begleitetes Autofahren soll ab 16 möglich werden. Die FDP fordert außerdem ein Luftfahrkonzept für Mecklenburg-Vorpommern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.08.2021 | 12:00 Uhr

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