Anne Shepley (Die Grünen): Realität statt Verbote

Stand: 14.09.2021 10:38 Uhr

Anne Shepley, die Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die Landtagswahl, hat Ideen, ist aber auch Realistin. Sie ist noch nicht lange in der Politik, sieht ihre politische Unerfahrenheit aber als Chance.

von David Pilgrim

Ein sonniger Spätsommermorgen in Nordwestmecklenburg, der selbstgewählten Heimat von Anne Shepley. Die 42 Jährige kommt passenderweise mit einem Hybridfahrzeug zum Wahlkampftermin bei "Nordwolle". Das junge Start-Up-Unternehmen macht aus der wirtschaftlich eigentlich wertlosen Wolle von Pommerschen Landschafen Outdoorbekleidung. Sie sind erfolgreich und wollen ihre Produktion erweitern, doch das Bauamt des Landkreises macht es ihnen schwer. Shepley hört sich die Sorgen des jungen Unternehmers an, zeigt Verständnis, doch verspricht auch nichts, was sie nicht halten kann.

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Termine auch immer eine Art Unterrichtsstunde

Seit der Kommunalwahl 2019 sitzt sie mit fünf anderen Grünen im Kreistag Nordwestmecklenburg. Doch gegen die "Übermacht" der CDU dort könne die kleine Fraktion kaum etwas ausrichten, sagt Shepley. Sie begreift Termine, wie diesen heute bei "Nordwolle" immer als eine Art Unterrichtsstunde. Sie wolle lernen, wie Politik unterstützen könne, damit gute unternehmerische Ideen nicht "auf der Couch sitzen bleiben", wie Shepley es ausdrückt. Gerade für das Flächenland Mecklenburg-Vorpommern sei es wichtig, dass es Unternehmertum auch in den Dörfern gibt.

Eine weitgereiste Vorpommerin in Mecklenburg

Shepley ist in Vorpommern geboren und aufgewachsen, hat in Greifswald Kommunikationswissenschaft und Polonistik studiert und dort auch den Bachelor-Abschluss gemacht. Dann zog es sie ans andere Ende der Welt: Zehn Jahre lebte und arbeitete sie in Neuseeland, im Land der Schafe. Heute arbeitet sie in einem Medienunternehmen in Schwerin und hilft dort Unternehmen bei der Mitarbeitersuche über die sozialen Netzwerke. Sie lebt in einem Dorf in der Nähe von Wismar, zusammen mit einem Ehemann aus Großbritannien und einer Tochter im Kindergartenalter.

Politische Unerfahrenheit eher Chance als Nachteil

Shepley ist keine Berufspolitikerin. Erst seit 2018 ist sie Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen. Ihre politische Unerfahrenheit sieht sie aber eher als Chance, denn als Nachteil. Sie wolle, dass endlich mehr an einem Tisch gesessen und über Themen verhandelt werde, als Stimmung gegeneinander zu machen. Und Harald Terpe, als zweiter Spitzenkandidat bringe die notwendige Erfahrung mit. Man würde sich gut ergänzen, meint Shepley. Nach Jahren außerparlamentarischer Opposition sei die Ausgangslage für die Grünen, wieder in den Landtag zu ziehen, zwar schwierig, aber man könne sich auf die 1200 Parteimitglieder im Land verlassen, die sich ehrenamtlich stark engagieren würden.

Inzwischen ist es Mittag geworden. Zusammen mit ihrem Wahlkampfmanager ist Shepley auf dem Weg nach Dassow an der Grenze zu Schleswig-Holstein. Sie sind spät dran und so reicht es nicht für eine echte Pause, sondern nur für ein belegtes Brot auf die Hand vom Supermarktbäcker in Grevesmühlen. Der zweite Termin heute ist bei einem Pharmaunternehmen, das in Mecklenburg Medikamente für die Chemotherapie von Krebspatienten herstellt. Während der Führung durch die Firma stellt Shepley viele Fragen. Eben noch Schafwolle, jetzt Hightech und Pharmazie. Sie fände es total spannend, so Shepley, und es sei Absicht, dass das thematische Spektrum so groß sei. Denn nur so könne sie herausfinden, was hier im Land los sei.

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Realität statt Verbote

Dass die Grünen oft als Verbotspartei wahrgenommen werden, sieht sie kritisch. Selbstverständlich gelte: auch wenn es künftig keine Autos mit Verbrennungsmotoren geben solle, könne jeder das eigene Auto bis zum Ende der Laufzeit fahren. Es gehe aber um konsequenten Klimaschutz und da seien verlässliche Ziele mit klaren Maßnahmen nötig. Es nütze nichts, mit extremen Forderungen aufzutreten. Die Menschen müssten es sich auch leisten können.

Alltagshelfer für die Kita

Inzwischen ist es später Nachmittag geworden. Straßenwahlkampf in Wismar, direkt am vielzitierten Lastenrad. Shepley ist Realistin genug, um zu wissen, dass ein Fahrrad keine Alternative für die zigtausend Pendler im Land ist. Und sie weiß auch, dass der ÖPNV, so wie er im Moment existiert, eben auch keine Alternative ist. Außer der Klimapolitik als Kernthema der Grünen sieht die Mutter einer gerade sechsjährigen Tochter aber auch die frühkindliche Bildung als bisher zu stiefmütterlich behandelt an. In den Kitas sei dringend eine bessere Betreuung der Kinder nötig. Weil es aber bisher schlicht zu wenig Fachpersonal gebe, sei ein besserer Betreuungsschlüssel nicht sofort umzusetzen. Deshalb wollen die Grünen "Alltagshelfer" in die Kitas bringen, die Erzieher und Erzieherinnen bei der Arbeit unterstützen. Und um diese Ziele zu erreichen, will die 42-jährige Anne Shepley mit den Grünen bei der Wahl am 26. September den Wiedereinzug in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern schaffen.

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