Zwischen Hamburg und Haiti

Lüttich - Lebensart mit Industrieruinen

Sonntag, 26. April 2020, 07:30 bis 08:00 Uhr, NDR Info

Ein Hochofen-der Stahlindustrie im Hintergrund des Brüsseler Viertels Seraing-Ougrée © NDR Foto: Manfred E. Schuchmann

Lüttich - Lebensart und Industrieruinen

Sendung: Zwischen Hamburg und Haiti | 26.04.2020 | 07:30 Uhr | von Schuchmann, Manfred

Lüttich war bekannt als die 'Cité ardente', die brennende Stadt der Stahlkocher. Das war einmal. Heute ist Lüttich voller Kunst und Lebensart.

Eine Sendung von Manfred E. Schuchmann

Lüttich liegt an der Maas, spricht französisch und ist - je nach Zählart - die viert- oder fünftgrößte Stadt im Königreich Belgien: knapp 200.000 Einwohner. Also nicht eben riesig. Dabei stand Lüttich Anfang des vorigen Jahrhunderts in einer Reihe mit den Metropolen London, Paris, Chicago oder Brüssel: Die Weltausstellung 1905 fand in Lüttich statt. Lüttich war damals eine der führenden Industriemetropolen Europas - Kohle und Stahl, auch für eine florierende Waffenproduktion.

Lüttich - bekannt als die brennende Stadt

Entlang der Maas erloschen die Feuer der Hochöfen nie, Lüttich war bekannt als die Cité ardente, die brennende Stadt. Das war einmal. Die Kohlegruben schlossen zuerst, dann wurden auch die Stahlschmelzen dicht gemacht. Lüttich kam in die Krise und ist heute dabei, sich völlig neu erfinden. Sichtbares Zeichen des Willens zum Neubeginn ist der Bahnhof von Guillemins, den der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava als filigrane, weiße Muschel entworfen hat, die sich weit zur Stadt hin öffnet.

Die romanische Kirche von Saint-Barthélemy am Rande der Altstadt von Lüttich © NDR Foto: Manfred E. Schuchmann
Lüttich gestern: die schöne romanische Kirche von Saint-Barthélemy am Rande der Altstadt.

Lüttich ist eine Art nördlicher Vorposten romanischer Lebensart, Essen und Trinken spielen eine erfreuliche Rolle im Leben, und Zeit für einen Aperitif, ein Bier, einen kleinen Roten findet sich in den zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants immer - bei schönem Wetter gerne auch im Freien unter schattigen Bäumen. Berühmtester Sohn der Stadt ist übrigens der Kriminalschriftsteller Georges Simenon, auf dessen Spuren man Lüttich zu beiden Ufern der Maas erkunden kann.