Stand: 25.09.2012 13:15 Uhr  | Archiv

Mietwucher: Die Profiteure der Wohnungsnot

von Linda Luft, Brid Roesner
Wohnungssuchende stehen in einer Schlange auf der Straße vor einem Haus in Hamburg. © NDR Foto: Bettina Less
Schlange stehen für die nächste Wohnung: Wohnungsmangel ist ein gutes Geschäft für Makler.

Es ist Samstagnachmittag irgendwo in Hamburg. Kein "In-Stadtteil" und dennoch sieht man sofort: hier soll demnächst eine Wohnungsbesichtigung stattfinden. Bereits eine halbe Stunde vor der angesetzten Zeit drängeln sich rund 50 Leute auf dem Bürgersteig vor dem Rotklinkerbau. Wer die Zwei-Zimmer-Wohnung schließlich bekommt, hat vor allem eins: Glück gehabt. Für alle anderen heißt es weiter anstehen, Selbstauskunftsbögen ausfüllen und hoffen. Denn in Hamburg sind die Wohnungen knapp. Jahrelang hat die Stadt zu wenig gebaut. Günstiger Wohnraum verschwindet, auch weil viele Sozialwohnungen in den kommenden Jahren aus der Preisbindung fallen.

 

VIDEO: Mietwucher: Die Profiteure der Wohnungsnot (9 Min)

Schnell verdientes Geld

Doch es ist kein reines Großstadtproblem. Überall in Norddeutschland sind die Preise bei Neuvermietungen in den letzten zehn Jahren gestiegen: In Göttingen um 17 Prozent, in Oldenburg um 22 Prozent, in Rostock und Kiel immerhin noch um 9,5 Prozent. An der Spitze liegen die Nordseeinseln Föhr, Amrum und Sylt mit Steigerungen bis zu 28 Prozent.

Wohnimmobilien sind vielerorts zum reinen Renditeobjekt geworden - auf Kosten der Bewohner und all jener, die eine Wohnung suchen. Denn wo potentielle Mieter verzweifeln, freuen sich die Immobilienmakler. Bei so vielen Interessenten ist eine Wohnung im Handumdrehen vermietet. Und der glückliche Mieter zahlt die horrende Provision: Bis zu 2,38 Nettokaltmieten beträgt die Courtage, so steht es im Gesetz. Bei einer 50 Quadratmeterwohnung in der Stadtmitte heißt das in Zahlen rund 1.200 Euro.

 

Makler: Ahnungslos und gut bezahlt?

Schnell verdientes Geld, denn die Makler erwiesen sich vor der versteckten Kamera als unvorbereitet und wenig hilfreich: Sie kamen zu spät, wussten keine Antwort auf Fragen nach Zimmergröße oder dem Alter der Fenster. Sie hatten weder den Kellerschlüssel noch einen Grundriss der Wohnung dabei. Unser Versuch, selbst einen Makler mit der Suche nach einer Mietwohnung zu beauftragen, scheiterte: nur einer von 50 angerufenen Maklern war bereit, bei der mühseligen Wohnungssuche zu helfen.

Ein Haus aus Geld auf einer Hand. © picture alliance / dpa Foto: Franziska Koark
EIne Lizenz zum Gelddrucken? Für viele Immobilienbesitzer scheinen goldenen Zeiten angebrochen zu sein.

Doch nicht nur die Makler, auch die Immobilienbesitzer wollen von der Situation auf dem Wohnungsmarkt profitieren. Mit Neuvermietungen lassen sich die Mieteinnahmen erheblich steigern. Und so bekommen langjährige Mieter mit alten Mietverträgen oft Probleme. Werden durch Abmahnungen und gezielte Störungen der Vermieter mürbe gemacht und zum Auszug gedrängt. "Oft soll maximaler Profit gemacht werden", so Rolf Bosse vom Mieterverein Hamburg, "und Mieter, die sich dem entgegen stellen, werden bekämpft".

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 25.09.2012 | 21:15 Uhr

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