Stand: 05.12.2018 17:19 Uhr

Clubbing 60 plus "mit Oll inklusiv" in Hamburg

Das Wortspiel Oll inklusiv ist ganz bewusst gewählt. Bei der Hamburger Initiative geht es um Projekte für Menschen 60 plus. Das Motto: "Raus aus der Einsamkeit, rein in den Club." Mit dieser Devise rocken Senioren einmal im Monat am Sonntag ab 12 Uhr den Kiez, wie die "NDR Info Perspektiven" im Podcast berichten.

Am Sonntagmittag kurz vor zwölf Uhr ist auf St. Pauli nicht viel los. Nur wenige Passanten überqueren den Spielbudenplatz. Im Club Kukuun allerdings herrscht schon Hochbetrieb: "Oll inklusiv Halbpension" heißt die heutige Veranstaltung. Unter dem Motto "Gemeinsam statt einsam" trifft sich hier die Generation 60 plus. "Rentner gehören nämlich nicht aufs Sofa, sondern raus", so die Initiatorin. In den Hamburger Szene-Clubs - dort, wo sonst wilde Partys gefeiert werden - fühlen sich die "neuen Alten" nämlich auch zu Hause.

Oll inklusiv - Party für Senioren und Señoritas

Eine Party für "alte Schachteln"

Seit einem Jahr laden hier Mitra Kassai und Karla Wehrle einmal im Monat zu ihrer Veranstaltungsreihe. Mitra ist die Gründerin von Oll Inklusiv. Sie ist nicht nur Gastgeberin, sondern steht auch als DJ Rita hinter dem Mischpult. Karla tummelt sich währenddessen unter den vielen Gästen und ist auch auf der Tanzfläche zu finden. Es ist wuselig und lebhaft. "Es ist mal was anderes, auch solche Lokalitäten kennenzulernen. Sonst kommt man hier als alte Schachtel ja gar nicht rein", lacht eine der Besucherinnen.

Lockere Atmosphäre statt beige und grau

Birgit Langhammer (rechts im Bild) mit Mitra Kassai (Mitte) und Karla Wehrle im Studio.  Foto: Nils Kinkel

Oll Inklusiv: Party gegen Einsamkeit im Alter

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Die Generation 60+ trifft sich in Hamburger Szene Clubs zur "Halbpension". Was passiert Sonntag nachmittags auf dem Kiez? Welche Wege führen aus der Altersarmut und Einsamkeit?

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Die Gäste sind Senioren und Señoritas - so wird die Generation 60 plus hier genannt. "Wenn ich Rentner sage, gehen bei allen erstmal die Ohren zu. Wenn ich Senioren sage, denken viele an die Farbe beige, aber wenn ich Señoritas sage, dann klingt das ganz anders, nämlich bunt laut, innovativ und schrill", erklärt Mitra. Dort, wo es vor wenigen Stunden noch cool war, lässig an der Bar zu lehnen, rutschen die vielen Damen und wenigen Herren zusammen an kleinen Tischchen, die liebevoll eingedeckt sind mit bunten Tischdecken und Gebäcktellern. Sofort quatscht jeder mit jedem.

Selbst gebackener Kuchen und Eierlikör

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Für musikalische Unterhaltung sorgt die Band Franz Albers und Käpt’n Kruse.

Vier Stunden lang gibt es unter der Diskokugel die Möglichkeit zu reden, mitzusingen bei Oldies und Schlagern oder mitzuraten beim Musik-Bingo. Zum Schluss werden die Tische zur Seite geschoben und es wird getanzt. Freiwillige wie Moritz helfen beim Ablauf: "Ich begrüße die Gäste, teile Kekse aus. Beim Bingo werden Lieder angespielt und wer richtig rät, bekommt einen Eierlikör." Das Besondere ist, dass die Veranstaltung für alle kostenlos ist: Niemand fragt hier nach Status oder Rente. Wer will, kann spenden. Der Kuchen geht aufs Haus. Der Verein finanziert sich nur durch Spenden. Moritz ist absolut überzeugt: "Das ist keine Arbeit. Man trifft sich mit Leuten, die man eh nett findet. Mittlerweile habe ich hier viele Freundschaften und Bekanntschaften gemacht - und zum Schluss war's ein schöner Sonntag." Und irgendwann wird er ja auch einmal zu den Senioren gehören - in zehn Jahren wird schließlich jeder dritte Bundesbürger älter als 60 sein.

Vom Kastanienmännchen zum Smartphone

Die Gesellschaft verändert sich also. Experten sprechen vom demografischen Wandel. Das bedeutet, die Zahl der Jungen geht zurück, gleichzeitig gibt es immer mehr Alte. Dafür gibt es drei Gründe: Die Zahl der Geburten, die Sterblichkeit und die Migration. Zur Generation 60 plus zählen in Deutschland rund 23 Millionen Menschen, das entspricht laut statistischem Bundesamt einem Anteil an der Gesamtbevölkerung von 30 Prozent. Zum Vergleich: Vor 40 Jahren waren es 20 Prozent. "Heute haben ältere Menschen einfach andere Ansprüche als früher", erklärt Kassai. "Vom Schwarzweiß-Fernsehen bis zum Smartphone haben die alles erlebt. Allein die technologischen Neuerungen sind so zahlreich, dass ich Angebote wie Kastanienmännchen bauen absolut überholt finde."

Mitra Kassai hat Oll inklusiv gegründet, weil sie etwas verändern will. "Ich habe mich gefragt, warum sich die Clubs nicht für die Generation 60 plus öffnen? Deswegen habe ich mir zur Aufgabe gemacht, über Musik, Kunst und Kultur jung und alt zusammenzubringen." Um 16 Uhr ist die Party ist zu Ende. Fröhliche Menschen verlassen den Club, gut gelaunt und beschwingt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 06.12.2018 | 07:08 Uhr

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