Stand: 10.08.2019 08:37 Uhr

Wärmerückgewinnung: Heizen mit Restaurant-Abluft

von Wiebke Neelsen, NDR Info

Um die Klimaziele zu erreichen und CO2 einzusparen, ist es sinnvoll, gar nicht erst neue Energie zu produzieren, sondern sie stattdessen aufzubereiten und zu recyceln. Dass das geht, zeigt ein Start-up aus Malmö in Schweden. Es hat eine Anlage entwickelt, die schmutzige Abluft in Restaurants in Wärme umwandeln kann. Gastronomen, die diese Anlage installiert haben, können so pro Jahr fünfstellige Beträge einsparen. Die "NDR Info Perspektiven" haben sich das Konzept angesehen.

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Der schwedische Unternehmer Nils Lekeberg zeigt eine Luftrecycling- und Wärmerückgewinnungsanlage.

Zu hören ist der typische Sound eines Schnellrestaurants: Pommes und Burger werden bis zu 14 Stunden am Tag gebraten, es ist heiß und fettig beim Fast-Food-Riesen Burger King. Dabei entsteht eine Menge schmutziger, warmer Abluft, die über Ventilationskanäle aufs Dach und dann nach draußen geleitet wird - und dort ungenutzt verschwindet. Wie wäre es, wenn die Abluft recycelt und in Wärmenergie umgewandelt werden kann? Der schwedische Unternehmer Nils Lekeberg arbeitet bereits seit zehn Jahren im Bereich Ventilationssysteme und Luftreinigung. In dieser Zeit bekamen er und sein Geschäftspartner Jesper Wiren von ihren Kunden, hauptsächlich Großküchen, immer dieselbe Frage gestellt:
"Wir hörten immer wieder: Können wir eure Luftreinigungsausrüstung verwenden, um Fett aus der Luft im Restaurantventilator zu entfernen und die Wärme zu recyceln? Wir waren es leid, die Fragen unserer Kunden immer verneinen zu müssen. Alle unsere Kunden sagten, dass sie diese Technik haben wollen, niemand konnte es aber bisher. Wir hatten Erfahrung mit Fett, wir sollten das also lösen können."

Schmutzige Abluft wird zu Energie

Also haben sie für ihr Start-up namens Enjay mit Sitz im südschwedischen Malmö getüftelt und getestet. Seit dreieinhalb Jahren arbeiten sie dafür intensiv mit verschiedenen externen Beratern, Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammen. Herausgekommen ist Lepido - eine Anlage, die verschmutzte Abluft tatsächlich zu Energie umwandeln kann. Lekebergs Mission: "Wir wollen ein Teil davon sein, die Welt zu retten - und wir wollen das eine Kilowattstunde nach der anderen machen."

Der schwedische Unternehmer Nils Lekeberg steht auf dem Dach eines Restaurants, vor seiner Abluftreinigungsanlage Lepido. © NDR Foto: Wiebke Neelsen

Restaurants nutzen Abwärme zum Energiesparen

NDR Info - NDR Info Perspektiven -

Ein schwedisches Unternehmen nutzt die Abluft aus Gaststätten, um Energie zurück zu gewinnen. Und so Strom zu sparen. Die "NDR Info Perspektiven" berichten.

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Anlagen auf den Dächern von Restaurants

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Die Wärmerückgewinnungsanlage auf dem Dach eines Burger-King-Restaurants sieht recht unscheinbar aus.

Das Ganze funktioniert mithilfe einer großen Wärmewechselbatterie auf dem Dach des Restaurants und einer Wärmepumpe, verbunden sind die Elemente über ein Rohrsystem. Die schmutzige Abluft wird zunächst mittels Metall-Rohren nach oben aufs Dach geleitet. "Über Nacht setzt sich das Fett mithilfe von Eis vom Metall ab. Dann trocknet das Eis, das Fett ist kalt, nur maximal zwei Grad warm und klebrig. Und zusammen mit dem Wasser vom tauenden Eis rinnt es in den Abfluss, der an den Restaurantabfluss gekoppelt ist." Für diese Umwandlung nutzt die Anlage Temperaturschwankungen zwischen Luft und Wasser.

System kann den Verbrauch erheblich senken

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Nils Lekeberg will seine Anlage auch in Deutschland bekannt machen.

Das vom Fett gereinigte Wasser aus der Wärmewechselbatterie wird ebenfalls über Rohre zu einer Wärmepumpe weitergeleitet. Diese erwärmt das Wasser und wandelt die Energie um, sodass sie schließlich in Form von Warmwasser oder auch warmer Heizungsluft im Gebäude genutzt werden kann. All das erfolgt automatisch. Zwar verbraucht die Anlage auch Strom, aber das ist nur etwa ein Fünftel dessen, was das Restaurant mithilfe der neuen Technik an Heizenergie spart, rechnet Lekeberg am Beispiel eines Burger-King-Restaurants vor: "Insgesamt führen die Restaurantbetreiber 90.000 Kilowattstunden pro Jahr zu, aber sie müssen 15.000 bis 20.000 Kilowattstunden Strom kaufen. Sie sparen 75.000 Kilowattstunden im Jahr, die haben sie netto. Diese 75.000 werfen sie aktuell einfach weg und das ist in allen Restaurants auf der Welt so." Umgerechnet sind das etwa 7.100 Euro. So argumentiert Lekeberg auch bei der Akquise neuer Kunden. Denn Geld sparen - das wollten sie alle, sagt Lekeberg. Und im Nebeneffekt eben auch Energie: "Wir sprechen immer über die Kilowattstunden, die man sparen kann, weil die in ihrem Portemonnaie landen. Also haben wir die Diskussion in ihrem Portemonnaie, und dann folgt die Umwelt nach."

Haupt-Investor: H&M-Chef Karl-Johan Persson

Die Maschine ist mittlerweile in acht verschiedenen Restaurants verbaut. Bis Ende des Jahres sollen 40 weitere dazukommen - in Schweden und Norwegen. Lekeberg und sein Geschäftspartner planen weitere fünf Millionen zu investieren, rund drei Millionen Euro sind schon geflossen. Einer ihrer Haupt-Geldgeber ist der H&M-Chef Karl-Johan Persson. Lekeberg will mit seinem Start-up weiter wachsen und auch Märkte außerhalb Schwedens in Deutschland, Frankreich und Großbritannien erobern. Und: Auch andere verschmutzte Industriebereiche mit seiner sowohl geldsparenden als auch umweltfreundlichen Erfindung ausstatten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info Perspektiven | 10.08.2019 | 10:50 Uhr

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