Stand: 19.04.2018 13:26 Uhr

Der Jemen zwischen Iran und Saudi-Arabien

von Carsten Kühntopp, ARD-Korrespondent in Kairo

Saudi-Arabien fühlt sich vom Iran eingekreist. Am deutlichsten bekommt das der Jemen zu spüren. Dort hat sich ein interner Konflikt zwischen der Zentralregierung und Aufständischen im Norden zu einem Quasi-Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran ausgewachsen. Der Iran unterstützt die Huthi-Rebellen, Saudi-Arabien sieht in diesen Verbündete Teherans und bombardiert deshalb das Land seit mehr als drei Jahren mit verheerenden Folgen für 22 Millionen Menschen. Der Jemen als Brückenkopf des Iran auf der arabischen Halbinsel? Für den direkten Nachbarn Saudi-Arabien ist das völlig inakzeptabel. Für den Jemen bedeutet das eine Katastrophe.

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Die Hauptstadt Sanaa wird nun schon seit mehr als drei Jahren bombardiert.

Zehntausende Jemeniten versammelten sich Ende März in der Hauptstadt Sanaa zu einer Großkundgebung. Drei Jahre zuvor hatte eine von den Saudis geführte Allianz mit Luftangriffen auf den Jemen begonnen - mit dem Ziel, die international anerkannte Regierung des Landes wieder an die Macht zu bringen. Nun wollten die Menschen ihre Widerstandskraft demonstrieren: "Wir werden es bin Saud und diesen Juden und Agenten Amerikas nicht erlauben, unser Blut zu vergießen und uns zu belagern. Wir sagen der ganzen Welt, dass wir ein großartiges Volk sind und uns der gesamten Welt entgegenstellen werden, selbst wenn sie weiterhin schweigt."

Konflikt eskalierte vor vier Jahren

Die Teilnehmer dieser Kundgebung unterstützen "Ansar Allah", eine Gruppe, die nach ihrem Gründer auch als "die Huthis" bezeichnet wird. Nachdem sie 2014 die Hauptstadt und weitere Landesteile überrannten, eskalierte ein Konflikt, dessen Wurzeln mindestens ein Jahrzehnt zurückreichen - und bei dem es im Kern um eine behauptete Benachteiligung der Huthis geht, weil sie Zaiditen sind.

Die Zaiditen sind eine Glaubensrichtung im Islam und haben eine eigene Rechtsschule. Vereinfacht werden sie als Schiiten bezeichnet. Fachleute lehnen diese Klassifizierung jedoch als zu grob ab. Und nicht alle Zaiditen im Jemen hängen den Houthis an.

Stolz auf die besseren Raketen

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Die Luftangriffe der von den Saudis geführten Allianz sorgen seit Jahren für Zerstörungen im Jemen.

Ein Propaganda-Video zeigt, wie Huthis Ende März ballistische Raketen Richtung Saudi-Arabien abfeuerten. In einer Fernsehansprache brüstete sich der Anführer der Aufständischen, Abdelmalik al-Houthi: "Im vierten Jahr des Konflikts kommen wir mit fortgeschrittenen Raketensystemen, die alle amerikanischen und nicht-amerikanischen Verteidigungssysteme überwinden - mit dem Badr-System, dem Burkan-System und mit anderen Systemen."

Die Huthis behaupten, ihre Raketen seien eigene Entwicklungen. In Wirklichkeit - so die Vereinten Nationen (UN) - sind sie jedoch iranischer Bauart. Deshalb ist es nicht ausgeschlossen, dass die Saudis irgendwann genug haben und den Iran angreifen. Allerdings behaupten die UN nicht, dass die Raketen vom Iran in den Jemen geliefert wurden.

Wie viel Iran steckt im Konflikt?

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Sind die Huthi-Rebellen Befehlsempfänger des Iran?

Ohnehin gibt es über die Art und den Umfang der iranischen Unterstützung für die Huthis keine verlässlichen Angaben. Experten weisen daraufhin, dass die Huthis nicht einfach nur als Stellvertreter oder Befehlsempfänger des Iran agieren; vielmehr sei der Jemen-Krieg nach wie vor vor allem ein inner-jementischer Konflikt.

Die Zahl der Opfer ist hoch

Mehr als 10.000 Menschen hat der Krieg bisher das Leben gekostet, mehr als zwei Millionen sind auf der Flucht vor der Gewalt, und drei Viertel der Jemeniten brauchen Nothilfe. Geert Cappelaere von Unicef sagt, dass vor allem die Kinder leiden: "Wir bitten für 2018 um knapp 350 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe. Das sind Peanuts. Noch mal: Das sind Peanuts im Vergleich zu den Milliarden, die derzeit in den Krieg investiert werden."

Wie es scheint, haben sich die Saudis verrannt, weil sie auch im Jemen den Iran am Werk sehen. Doch diese Sichtweise hat mit der Wirklichkeit des Konflikts wenig zu tun - und sie macht seine Lösung noch schwieriger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo der Welt | 22.04.2018 | 13:30 Uhr