Stand: 25.08.2017 14:04 Uhr

Ab nach Rockaway! Stadtflucht aus New York

von Udo Schmidt, NDR Info Korrespondent in New York

Wer aus der sommerlichen Hitze New Yorks flüchtet, der fährt nach Rockaway - an den Traumstrand am Rande des Stadtteils Queens, der noch zu New York gehört. Seit Juni bringt eine Fähre die Stadtflüchtlinge an den Rockaway Beach. Ein tolles Angebot, das aber derzeit vollkommen überlastet ist.

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Ein traumhafter, an Werktagen auch leerer Sandstrand am Rande New Yorks.

New York schmilzt in der Hitze. Draußen um die 35 Grad, gefühlt gerne mehr, in den U-Bahnschächten auch mal über 40 Grad Celsius. Zeit zu fliehen; Zeit, die Rekordtemperaturen am Strand zu genießen. Irgendwo weit draußen, weg von den Häuserschluchten Manhattans, die auch nur wenig Kühlung versprechen. Strand? New York? Kein Problem! Aus der Stadt, die niemals schläft, und die im Sommer allein wegen der Hitze kein Auge zumacht, führt ein schneller Weg in eine andere Welt.

Plötzlich weit weg von Manhattan

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An den Strand geht es vor allem natürlich mit Kindern.

"Es ist so schön, so ruhig, gerade wenn die Sonne scheint." Marc steht an der Pier elf in Manhattan, in Sichtweite der Wallstreet, also eigentlich Lichtjahre vom Strand entfernt und schwärmt. Von seinem Rockaway Beach, dem kilometerlangen Strand am Rande des New Yorker Stadtteils Queens. Dem Fluchtpunkt für gestresste New Yorker, die vor allem Manhattan wenigstens für einen Tag hinter sich lassen wollen. Marc ist vor drei Jahren ganz rausgezogen nach Rockaway, also eigentlich raus aus der Stadt: "Vielen ist nicht klar, dass es der einzige Strand in New York ist, der zum Meer hin wirklich offen ist. Das Wasser ist perfekt. Ich bin so froh, rausgezogen zu sein."

Mit der überfüllten Fähre an den Strand

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Nicht nur die Jungen zieht es an den Rockaway Beach.

Stündlich legt eine Fähre vom Pier elf mit Ziel Rockaway Beach ab. Seit Juni kreuzt das Speedboat zwischen Manhattan und Rockaway. Bürgermeister Bill de Blasio war im Juni begeistert: "Die Stadt wächst ständig, U-Bahn und Straßen sind immer voller. Die Lösung liegt auf dem Wasser. Mit dieser Fährlinie geben wir allen die Möglichkeit, rauszukommen."

Und immer mehr New Yorker nutzen diese Möglichkeit. Die Chance, sich aus dem Betondschungel Manhattan in den weißen Sand abzusetzen, kann für ganze 2,75 US-Dollar genutzt werden. An Wochenenden kaufen 6.000 bis 8.000 Begeisterte ein Ticket. Zu viel für den Fährbetrieb. Rockaway Beach verspricht einfach zu viel. An Sonntagnachmittagen sitzen manchmal Hunderte New Yorker in Rockaway fest - kein Weg führt zurück ins Büro.

Draußen denkt niemand ans Büro

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In alten Badehäusern wird jetzt Gegrilltes verkauft.

Aber wer denkt schon ans Büro, mit den Füßen im heißen Sand. "Wenn Sie morgens das Boot verlassen, dann wandern Hunderte in Richtung Strand, und Hunderte warten noch am Anleger. Es ist die perfekte Schönheit der Natur." Valerie und Howard leben seit 65 Jahren in Rockaway - und sie lieben ihr New York. Der Jacob Riis Park und Strand bildet das Sahnehäubchen - breitester Strand, Möwen, eine leichte Brise, im Hintergrund ein altes Art-Deco-Badehaus von 1932. Daneben ein paar Stände, die Hot Dogs, Pulled-Pork-Sandwitches und weitere Köstlichkeiten der US-Küche anbieten.

Ein Strand auch für Experten

"Es ist ein wunderbarer Strand, wir sind hier ständig, man kann endlos laufen, Fahrräder leihen und es gibt auch Freikörperkultur, wenn man das mag." Maggie aus Chicago hat früher einmal Germanistik in Tübingen studiert und ein bisschen ist noch hängengeblieben. Rockaway, ein Strand auch für Experten, für Tropenkenner wie Feline aus Venezuela. Eigentlich spielt sie Klavier in Manhattan und verkauft Pianos. Eigentlich, denn ihr Paradies liegt am Rockaway Beach: "Ja, für mich ist es das. Ich liebe den Strand, ich bin aus einem tropischen Land."

Rockaway Beach, das ist die Strand gewordene Stadtflucht, meint Linda, die seit 40 Jahren nahe am Strand lebt: "Es ist der beste Platz, um vor der Hitze und auch vor allem anderen zu flüchten. Das funktioniert das ganze Jahr über. Es ist nahe an allem und gleichzeitig weit genug weg."

Auf dem Rückweg mit der Fähre, nach langem Anstehen, taucht ganz langsam die Silhouette von Manhattan aus dem Dunst auf. Manhattan, stimmt - da war doch noch was, meint Maggie. Das ist auch New York: "Das ist schon sehr anders. Manchmal glaubt man kaum, dass beides New York ist. Es ist so unterschiedlich."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Echo der Welt | 27.08.2017 | 13:30 Uhr