Die Reportage

Redende Steine und friesische Bräuche

Sonntag, 29. Juli 2018, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Ein Segelschiff auf dem ein Nieblumer Seefahrer fuhr: Viele historische Grabsteine auf dem Kirchhof erzählen spannende Lebensgeschichten. © NDR / Ernst Christ Foto: Ernst Christ

Bestattungskultur auf Föhr

NDR Info -

Die Föhrer sind stolz auf ihre Grabsteine, auf denen ganze Lebensgeschichten geschrieben stehen. Die NDR Info Reportage über die Bestattungskultur auf der Insel Föhr.

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Bestattungskultur auf der Insel Föhr
Von Elin Rosteck Hinrichsen

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Auf Föhr stehen auf den Grabsteinen manchmal ganze Lebensgeschichten geschrieben.

Die Föhrer haben etwas, worauf sie stolz sind: Grabsteine, auf denen ganze Lebensgeschichten geschrieben stehen, die Lebensgeschichten von Walfängern und Schiffkommandeuren. Steinerne Zeugen einer Zeit, in der der Tod noch einen festen Platz im Leben hatte. Die Nachbarn rückten damals eng zusammen, wenn jemand verstarb. Nickels Olufs ist der Kommandeur der Nieblumer Friedhofsführungen. Mindestens einmal die Woche ist er unterwegs mit "Badegästen", wie die Föhrer ihre Besucher nennen. Im Sommer hat er bis zu 60 Personen im Schlepptau, die alles wissen wollen über die 265 gut erhaltenen "Redenden Steine" aus der Barock- und Rokokozeit, also aus der Zeit, als die Föhrer zur See fuhren - auf Walfang vor Grönland, oder aber zur Handelsschifffahrt auf allen sieben Weltmeeren. "Dann haben wir unten eine Buchstabenabkürzung ‚dsggs‘: dessen Seele Gott gnädig sei. Man wollte ja möglichst viel Text drauf haben."

Die Toten würdig verabschieden

Auf Föhr war damals, bevor die Badegäste kamen, schlecht Kirschen essen, sagt Olufs immer wieder. Das Leben auf der Insel war hart und karg. Die Männer mussten weg zum Geld verdienen. Kleine Segelboote transportierten die Männer und Jungen damals Jahr für Jahr im Frühjahr nach Amsterdam. Von dort aus heuerten sie auf den Walfangschiffen an und kamen erst im Herbst auf die Insel zurück. Wenn sie zurück kamen, heißt das; denn viele blieben auf See. Walfang war blutig und gefährlich. Mit kleinen Schaluppen, also Ruderbooten, setzten die Männer damals den Meeresriesen nach. Wenn ein Kommandeur an Bord starb, sagt er, dann nahm man ihn mit nach Hause. Man baute einen Sarg, denn Zimmerleute waren ja an Bord. Wer aber nicht so viel Geld hatte, der wurde über Bord gekippt. Aber schön war das nicht, fügt Olufs hinzu; für keinen. Schön war es, die Toten würdig zu verabschieden, so wie es auf der Insel Brauch war und heute noch ist.

Wie sieht es heute aus auf Föhr? Diese Reportage trifft Menschen, die mit dem Tod zu tun haben. Zum Beispiel Steinmetz Markus Thiessen, Friedhofsführer Nickels Olufs und die Bestatter Karin und Hans Werner Feddersen.

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Redende Steine und friesische Bräuche

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Redende Steine und friesische Bräuche" können Sie hier als PDF-Datei herunterladen. Download (154 KB)