Stand: 07.03.2019 15:37 Uhr

Wenn Banker ihre Kleidung frei wählen dürfen

Goldman Sachs, eine Finanzinstitution an der Wall Street in den USA, probt die Revolution. Das Geldhaus überlässt den Mitarbeitern die Wahl ihrer Kleidung. Kein Anzug, keine Krawatte - kein Dresscode mehr. Wann schwappt der Trend nach Deutschland rüber?

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Nicht immer so steif in Anzug und Kostüm - das hätte doch mal was.

"Krasser Indexfond, ahn das mal, Alter", so könnte es bald am Schalter einer x-beliebigen Kreissparkasse Deutschlands zugehen. Könnte, wenn sich Goldman Sachs als Trendsetter erweisen sollte. Der voll krasse Index-Fond würde dann von einem total hippen Banker im schwarzen Hoodie, also im Kapuzenpullover, angeboten. Buchbar über den Bank-Account bei Instagram, oder so.

Mit Schlabberlook in der Bank arbeiten

Eine Frau, die einen Kapuzenpullover trägt, geht über eine Rasenfläche zu einer Sitzbank. © Imago

Ein bisschen lockerer darf's schon sein ...

NDR Info - Auf ein Wort -

Könnte sich die amerikanische Bank Goldman Sachs vielleicht als Trendsetter erweisen? Dort gibt es nämlich keinen Dresscode mehr. Udo Schmidt bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Völlig neue Zeiten, die da bald in Deutschlands Finanzinstituten anbrechen. Von Amerika lernen geht eben manchmal doch noch. Und der hippe Hoodie-Träger, der eine riskante Anlage mit hohem Rendite-Versprechen dadurch signalisieren könnte, dass er die schwarze Kapuze nicht am Rücken schlabbern lässt, sondern aufsetzt und dazu noch Sonnenbrille trägt - Botschaft "Voll cool, aber auch voll gefährlich" -, wäre schließlich nur eine Variante für Szene- und Univiertel beispielsweise. Mal ganz klischeehaft gedacht.

Kleinkredite vom Jogginghosen-Träger

Schon wenige Kilometer entfernt kann eine eher schlecht sitzende und ein wenig ausgewaschene Jogginghose der Dresscode der Wahl sein, wenn es darum geht, einen respektablen Kleinkredit für das neue Heimkino an den Käufer zu bringen.

Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren, hat Karl Lagerfeld, der gerade von uns Gegangene, einmal gesagt. Er hatte eben auch nicht immer Recht. In der Kreissparkasse, beim lecker Bier aus der PET-Flasche, ließe sich der Modezar jedenfalls widerlegen.

Krawatte war damals ein "Muss"

Ich habe ja so meine eigenen Erfahrungen. Damals, sehr damals, als ich mich, als Auszubildender einer äußerst mächtigen, inzwischen aber doch deutlich ins Trudeln geratenen Bank, täglich auf den Weg zur Hauptstelle des Geldhauses in der Innenstadt machte und den Weg jeweils nutzte, um mich den damals ziemlich strengen Kleidungsregeln zu unterwerfen. Jackett und Krawatte waren Pflicht. Kernkompetenz kam da noch von der Krawatte.

Bei mir ging es während der Lehre viel um Kontoblättchen. Also trug ich mein dunkelblaues Feincord-Sakko mit großer Hingabe über einen äußerst langen Zeitraum und versuchte den Krawattenknoten, dessen Konstruktion mir in jungen Jahren immer ein Geheimnis war, nicht zu öffnen, sondern ihn Tag für Tag auf und zuzuschieben - bis aus dem Knoten eine Art Knuddel geworden war - und kämmte ganz zum Schluss, am Schaufenster eines meiner Bank naheliegenden Einrichtungshauses meine aus Banksicht unbotmäßig langen Haare so seitenscheitelig, dass sie geradezu ekelhaft brav aussahen. Was tut man nicht alles, was tat man nicht alles.

Hoodies mit Nadelstreifen? Lieber nicht

Vorbei, vorbei - die Krawatte sowieso schon seit einiger Zeit auch hinterm Bankschalter. Und für Frauen galten schon damals sehr lässige Regeln. Aber jetzt werden offenbar alle Insignien über Bord geworfen - zumindest bei Goldman Sachs, in den Filialen im Silicon Valley. Und wir wissen: Was dort entsteht, breitet sich schnell über den ganzen Erdball aus.

Vielleicht allerdings werden wir den stellvertretenden Abteilungsleiter im dunkelblauen Anzug bald auch vermissen. Denn: Erst wenn die letzte Bügelfalte geglättet ist, wirst Du merken, dass Hoodies mit Nadelstreifen schlecht aussehen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 07.03.2019 | 18:25 Uhr