Stand: 06.06.2019 16:00 Uhr

Über Bademeister mit einem Image-Problem

In Deutschland fehlen Bademeister, zumindest im Süden des Landes. Manche Freibäder müssen sogar ihre Öffnungszeiten dem Personalmangel anpassen. Der Bademeister hat offenbar ein Image-Problem.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Ist ein Bademeister bloß ein spaßbefreiter Meckerfritze?

Wenn Meister auf Bevölkerung treffen, dann spaltet sich die Gesellschaft regelmäßig in zwei Lager: auf der einen Seite die sorglosen Hedonisten, die Fahrlässigen, die "kann doch nix passieren"-Macher unter Schirmherrschaft von Bruder Leichtfuß. Auf der anderen Seite die Verteidiger von Vorschrift und Hausordnung, denen kein Unglücksfall zu absurd erscheint. Die einen sind genervt von kleinkrümeliger Korinthenkackerei im Befehlston, die anderen fassungslos über das Ausmaß gemeingefährlichen Leichtsinns.

Zum gegenseitigen Austesten von Toleranzschwellen ist das Freibad ein geradezu ideales Gelände. Wann greift der Regelwächter auf dem Hochstuhl zum Megaphon? Reicht ein Tauchgang ohne Badekappe? Wird es der Flachköpper vom Beckenrand? Oder muss erst ein heimlich eingeschmuggelter Bernhardiner vom Dreier springen?

Tatsache ist: Es finden sich immer weniger Leute, die sich in diesem Räuber-und Gendarm-Spiel als Ordnungskräfte des Badebetriebs verdingen möchten. Der Job habe ein Image-Problem, klagte jüngst ein Vertreter der Zunft. Da sei keine Rede vom Multitasking als Rettungsschwimmer, Filter-Experte, Chlorwart und Pumpen-Beauftragter, der Wichtigeres zu tun habe als die optische Vermessung des weiblichen Publikums. Stattdessen verengt sich das Berufsbild auf den spaßbefreiten Meckerfritzen im Wachstand. Unter dessen Niveau schafft es wohl nur noch der Bademeister im Fernseh-Krimi, dessen moralischer Kompass im ständigen Angesicht nackter Haut irgendwann dauerhaft nach Süden zeigt.

Nun ist die Badeanstalt beileibe nicht der einzige Ort, an dem Meister und Laien höchst unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wo Gefahren-Abwehr endet und wo Hysterie beginnt. Ein weites und zugleich dankbares Feld für Legende und Karikatur.

Denken wir an den Brandmeister, unter dessen Agenda Osterfeuer, Grillabend und Silvesterböllern unter Wahrung von mindestens 46,3 Metern Sicherheitsabstand im Asbest-Anzug stattfinden würde. Nicht wenige vermuten bis heute, dass Helmut Schmidt bei seinen Interviews ständig von vier Löschzügen umstellt war.

Und natürlich wird dieses Stück nicht enden, ohne den Meister aller Meister zu erwähnen, nämlich jenen, der auf dem Schulhof leere Kakaotüten aufsammeln lässt, Papierkörbe von Apfelgriepschen freihält, Sitzplätze auf Fensterbänken räumt und Straßenschuhe aus der Turnhalle verbannt.

Dass der als Einziger zähe Elternabende beenden und den historischen Gasbrenner im altehrwürdigen Heizungskeller zum Weitermachen überreden kann, macht ihn so unverzichtbar wie jenen, der den regungslosen Taucher noch gerade rechtzeitig vom Beckengrund holt. Bisweilen mögen beide nerven, aber: Ohne Meister geht es nicht.

Ein Schwimmmeister überwacht den Badebetrieb © picture alliance / dpa Foto: Daniel Karmann

Ohne Bademeister geht es nicht

NDR Info - Auf ein Wort -

Der Bademeister hat offenbar ein Imageproblem. Völlig zu unrecht, meint Detlev Gröning und bittet auf ein Wort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 06.06.2019 | 18:25 Uhr