Stand: 21.08.2019 18:25 Uhr

Trumps "Grönland-Kaufangebot" hat Folgen

Wenn es nicht August wäre, würde man es für einen Aprilscherz halten: Donald Trump will Grönland kaufen. Weil die Dänen aber mit ihm nicht über einen Verkauf reden wollen, hat der US-Präsident ein Treffen mit Regierungschefin Mette Frederiksen abgesagt.

Eine Glosse von Susanne Birkner, NDR Info

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Warum nur wollen die Dänen Grönland nicht verkaufen?, fragt sich Donald Trump.

Der größte amerikanische Präsident aller Zeiten will die größte Insel der Welt kaufen. Im Grunde sei das ein großes Immobiliengeschäft, sagt er. Also: das größte. Trump mag, liebt, vergöttert Superlative. Make Grönland great again. Golfplätze im Eis. Oder frei nach Putin: oben ohne auf Eisbärenjagd. Und natürlich: ein goldenes Trump-Iglu. Melania wird sich bedanken, die wollte ja schon nicht nach Washington.

Typische Landschaft mit bizarren Eisstrukturen auf Grönland. © picture alliance / blickwinkel Foto: United Archives/Impress

Make Grönland great again

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Pläne von US-Präsident Trump, Grönland zu kaufen, drohen zu scheitern. Jetzt reagiert der mächtigste Mann der Welt beleidigt. Zeit für eine Glosse, meint Susanne Birkner.

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Auf Grönlands innere Werte kommt es an

Grönland wirkt auf den ersten Blick ja tatsächlich eher unwirtlich. Wetter: schwierig für einen Florida-Fan wie Trump. Eine extrem hohe Selbstmordrate. Viel Alkoholismus. Die soziale Schere klafft weiter auseinander als in den USA. Gut, das dürfte ihm egal sein. Ist es ihm zu Hause ja auch.

Was Grönland hat, sind innere Werte. Bodenschätze in rauen Mengen: Zink, Erdöl, Erdgas. Jetzt, wo das Eis schmilzt, kommt man auch dran. Aber da wird es schon wieder komisch: Trump glaubt doch gar nicht an den Klimawandel. Oder etwa doch? Ist diese Grönland-Idee der erste zarte Hoffnungsschimmer, dass der Mann mit dem orangefarbenen Gesicht zumindest klimatechnisch in der Realität angekommen ist?

Da muss kein Panzer mehr rollen ...

Man kann es auch einfach positiv sehen: Eigentlich zeigt die ganze Chose doch nur, wie zivilisiert die Welt geworden ist. Früher hätte es ein kleiner Feldzug getan, um sich Grönland einzuverleiben. USA gegen Dänemark? Wetten werden noch angenommen, aber ja, vermutlich hätte die US Army das geschafft.  

Schön also, dass jetzt mit Billionen statt mit Granaten um sich geschmissen wird. So machen wir das mit Mallorca ja auch. Einfach alle Fincas aufkaufen, alle Hotels besetzen. Da muss kein Panzer mehr rollen.

Und plötzlich wird Long Island verkauft

Generell ist es auch für die Verkäufer-Seite keine schlechte Idee. Bei den Immobilien- und Grundstückspreisen heutzutage kann man so ganz einfach den Haushalt konsolidieren. Also, ich könnte zur Not auf Helgoland verzichten, wenn wir dadurch die Kinderarmut abschaffen würden. Und - buy one get one free: Sachsen gibt's noch oben drauf. Das Geld geht dann in die politische Bildung.

Donald Trump sollte sich allerdings gut überlegen, ob er wirklich in dieses Insel-Business einsteigen will. Wenn Geld alles ist, was zählt, und dann ein superreiches Land wie Katar mitmischen will - oder Luxemburg plötzlich Großmachtfantasien kriegt -, dann könnte Long Island ganz schnell weg sein.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 21.08.2019 | 18:25 Uhr