Stand: 05.06.2019 16:00 Uhr

So gelingt der Untergang der SPD

Die SPD versucht, sich nach der Wahlschlappe bei der Europawahl inhaltlich und personell neu aufzustellen. Andrea Nahles hat alle Ämter niedergelegt. Ist das ein vielversprechender Anfang? Und was wird jetzt aus ihr?

Eine Glosse von Florian Schroeder

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Nach der Schlappe bei der Europawahl hat Andrea Nahles ihren Rücktritt als Parteichefin und Fraktionsvorsitzende erklärt.

Andrea Nahles ist zurückgetreten. Von allen Ämtern. Und plötzlich hört man nur noch Lobeshymnen auf die Frau, über die sich bis Samstagabend noch alle lustig gemacht haben. Jetzt wird sie auf einer Sänfte zurück in die Eifel getragen. Und wenn jetzt alle empfindsam werden, ist es meine Aufgabe, mal wieder ein wenig grob zu werden. Natürlich im positiven Sinne!

Das Problem von Andrea Nahles war zum einen - Andrea Nahles. Sie wollte die Welt machen - widdewiddewitt, wie sie ihr gefällt -, aber das beruhte nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit. Als die Pippi Langstrumpf der SPD ihren Rücktritt erklärt hat, am Sonntag, war zum ersten Mal "Sunday for future". Und sie tritt nicht nur als Parteichefin und Fraktionsvorsitzende zurück, sondern legt auch ihr Bundestagsmandat nieder. Wären wir in Österreich, wäre das das Zeichen dafür, dass sie ins EU-Parlament will, aber so weit sind wir in Deutschland noch nicht.

Wird sie nun Thermomix-Vertreterin?

Jetzt verlangen führende SPD-Genossen, Nahles solle bei den Grünen eintreten, um endlich deren Höhenflug zu stoppen, aber das wäre vielleicht zu viel verlangt. Aber welche Anschlussverwendung wird sie finden? Tritt sie die Nachfolge von Lothar Matthäus an? Wird sie Thermomix-Vertreterin und schreit ihre Kunden so lange an, bis sie ihr 15,8 Prozent der Geräte abkaufen?

Platz für neue Gesichter

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Diese Troika soll die SPD aus der Misere führen.

Endlich wäre Platz für frische Gesichter, aber der SPD gehen langsam die Mitglieder aus: Olaf Scholz möchte nicht, weil er schon genug damit zu tun hat, auszurechnen, was rauskommt, wenn man eine schwarze Null mit einer weiteren schwarzen Null addiert. Frau Schwesig dagegen schafft die Doppelbelastung aus Homöopathie-Kongress-Schirmherrschaften und Parteivorsitz sehr gut, daneben Malu Dreyer aus Rheinland Pfalz und TSG, Thorsten Schäfer-Gümbel, der Charismatiker aus Oberstdorf. Er wollte dreimal Ministerpräsident von Hessen werden, hat es aber nie geschafft. Oder wie Dieter Thomas Heck sagen würde "Dreimal dabei - bitte nicht wiederwählen!" 

Die DNA der Sozialdemokratie besteht aus Niedertracht

Ralf Stegner hat gesagt, der Umgangsstil in der SPD in den letzten Wochen sei nicht von der sozialdemokratischen Solidarität geprägt gewesen. Wieso in den letzten Wochen? Seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten ist das so! Die Linken, die immer für Solidarität stehen wollten, waren unter einander immer die Unsolidarischsten, die sich gegenseitig nicht mal das Rote unter den Fingernägeln gegönnt haben. Die DNA der Sozialdemokratie besteht aus Niedertracht, Intrigen und Illoyalität nach innen, und aus Deregulierung, Privatisierung und dem Ende sozialer Sicherheit für alle nach außen. Und das sind die positiven Seiten der SPD.

Die Frage ist nur, wen die SPD noch schlechter behandelt: Ihre eigenen Führungsleute oder die Leute, von denen sie immer noch glaubt, dass sie sie wählen sollten.

Thorsten Schäfer-Gümbel (r-l), Parteivorsitzender der SPD Hessen, Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern stehen beim offiziellen Wahlkampfauftakt der SPD Hessen in der Lounge Offenbach. © dpa-Bildfunk Foto: Silas Stein

Was wird nur aus der SPD?

NDR Info - Auf ein Wort -

Was wird jetzt aus der SPD? Florian Schroeder macht sich Sorgen um den Zustand der Partei und bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 05.06.2019 | 18:25 Uhr