Stand: 15.07.2019 17:14 Uhr

In der Erinnerung sind die Ferien immer schön

Jedem Urlaub wohnt ein Zauber inne - die Vorfreude ist groß und auch im Nachhinein war es wunderbar. Mittendrin fühlt sich der Urlaub oft aber gar nicht so zauberhaft an.

Eine Glosse von Axel Naumer

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Eitel Sonnenschein im Urlaub? Nicht immer ...

Früher, als alles angeblich besser war, hatte ganz Deutschland auf einen Schlag Sommerferien. Alle Bundesländer - und es waren weniger als heute -, dazu alle großen Firmen und manche Behörde. Der Stau wälzte sich eindeutig von Norden nach Süden, die Gegenfahrbahn war leer für die Schulpflichtkinderlosen, die schon wieder zurückkamen. Und am Ferienende wechselte der Stau die Richtung.

Heute ist das entzerrter, das heißt, immer ist irgendwo Ferienanfang, in Bayern und Baden-Württemberg so spät, dass sie fast nahtlos in die Winterferien übergehen. Woanders ist schon wieder Ferienende, der Norden ist gerade mittendrin. Manche kommen schon wieder zurück und denken sofort an die nächsten Ferien.

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © Benicce / Fotolia

Jedem Urlaub wohnt ein Zauber inne

NDR Info - Auf ein Wort -

Mit etwas Abstand kann auch der schlimmste Urlaub noch schön gewesen sein. Axel Naumer erinnert sich an so manche Verklärung - und bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Endlos schien der Sommer ...

Denn dem Anfang wohnt der Zauber inne, wie wir seit Hermann Hesse wissen. Am Anfang der Ferien steht die Verheißung auf ungetrübte Tage, das Versprechen von Erholung und Abenteuer, die Hoffnung auf Belohnung für die Mühen des Alltags. Und das Ende ist noch weit. Sechs Wochen Sommerferien waren für mich als Kind eine unüberschaubare Ewigkeit. Endlos schien der Sommer, der damals bekanntlich immer sonnig, duftend und wohltemperiert war.

Erinnert man sich als Kind an verregnete Ferien? Gab es damals jemals kalt-nasse Tage? Natürlich nicht. Grün war die Wiese, blau das Wasser, summend die Biene.

Wo man auch hinschaut: Stau

Und so ist es bis heute am Ferienbeginn auch. Ihm wohnt ein Zauber inne, dem Anfang. Auch wer am Anfang des Staus steht, spürt noch diese Magie. 250 Kilometer weiter hinten, am Stauende, sieht es natürlich anders aus. Es soll schon Leute gegeben haben, die haben ihr Auto im Stau verkauft und haben sich eins gekauft, das 200 Meter weiter vorne im Stau stand. Nur so kam man vor Ablauf der Urlaubsfrist ans Ziel. 

Dieser Gag stammt von Dieter Hildebrandt. Er hat ihn in den 70ern gemacht. Der Stau ist noch da. Nur länger. Und dank Nord- und Ostsee-Touristik mittlerweile in beide Richtungen. Staus, an denen dann überfüllte Züge vorbeischleichen, weil es auch auf der Schiene staut, umkreist von Flugzeugen, die nicht landen können wegen des Staus bei der Abfertigung.

Alles auf Anfang

Verkehrspolitik scheint ja auch etwas Zauberisches zu sein, oder sagen wir besser: Hokuspokus, nur dass der Trick nicht klappt. Wir waren aber beim Zauber des Anfangs. Am Anfang Österreichs ist es noch wunderbar, aber später, hinter Innsbruck, am Brenner? Am Anfang ist das Hotel an der See noch luxuriös, aber nach ein paar Tagen hat man die Schwächen alle entdeckt. Am Anfang sind alle noch gut gelaunt, am Anfang ist der Strand noch sauber, am Anfang ist die Gegend spannend, am Anfang sind sogar die Kellner freundlich. Alles auf Anfang.

Die Erinnerung kann sich glücklicherweise trüben

Jedem Anfang wohnt allerdings auch das Ende inne, gefolgt von der Erinnerung. Und die kann etwas ganz Tolles: Sie kann sich trüben. Denn ich verspreche Ihnen: Selbst wenn Sie jetzt das gesamte Wochenende für die Anreise dran geben müssen, wenn das Urlaubsziel seltsamerweise nicht den Fotos im Internet entspricht, wenn die Rückreise noch schlimmer wird und Sie sich - endlich zu Hause - erst mal vom Urlaub erholen müssen: Ihr Nachbar wird nichts davon erfahren, denn Sie erzählen ihm eine schöne Geschichte.

Und zweitens: Zahlreiche Erzählungen später glauben Sie es selbst. Es wird der beste Urlaub aller Zeiten gewesen sein. In der Erinnerung. So wie für mich als Kind die Sommerferien nie aufhörten, es immer warm war und es im Winterurlaub immer Schnee gab. Die schönsten Ferien sind die Erinnerung daran. Kommen Sie gut nach Hause!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 15.07.2019 | 18:25 Uhr