Stand: 11.10.2018 15:57 Uhr

Ich will Frauen, die sich was trauen!

Am 11. Oktober wird der Internationale Mädchentag begangen. Irgendwie ist das zwar gut gemeint. Aber welchen Mädchen und Frauen hilft so ein Tag, an dem als Zeichen weltweit Gebäude in kräftigem Pink leuchten?

Eine Betrachtung

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Pink erleuchtete Gebäude wie hier in Hamburg: Führt das wirklich zur erwünschten Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern?

Um das gleich vorweg klarzustellen: Noch vor rund 100 Jahren war Rosa die Farbe der Jungs. Die Mädchenfarbe war Blau - schließlich trägt ja auch die Jungfrau Maria auf Gemälden häufig blaue Kleidung. Rosa hingegen, das "kleine Rot", stand für Blut, Kampf und Männlichkeit. Alles klar?

Warum sich das nun geändert hat? Ich habe keine Ahnung, es ist mir auch wurscht. Nicht wurscht ist mir, dass wir ständig vollgemüllt werden mit dämlichen Stereotypen und Klischees, mit gut gemeinten Tagen der Vereinten Nationen: Vom Null-Diskriminierungs-Tag am 1. März über den Internationalen Tag der Mutter Erde am 22. April bis zum Welttag der Asteroiden am 30. Juni.

Nicht jammern, sondern handeln!

Das Frachtsegelschiff Rickmer Rickmers wird anlässlich des Weltmädchentages an den Landungsbrücken in Hamburg pink angestrahlt. © Plan International

Mit Verantwortung machen wir die Welt besser

NDR Info - Auf ein Wort -

Der Internationale Mädchentag ist wohl gut gemeint. Aber welchen Mädchen und Frauen hilft er in dieser pinken Form wirklich? Regina König bittet in ihrer Betrachtung auf ein Wort.

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Am 11. Oktober nun also der Welt-Mädchentag. Das ist sicher alles wahnsinnig gut gemeint - und mir geht es wahnsinnig auf die Nerven. 60 bekannte Gebäude in Deutschland, das Lübecker Holstentor zum Beispiel oder das Rathaus Altona, leuchten in kräftigem Pink. Diese Illuminierung soll darauf aufmerksam machen, dass es noch viel zu tun gibt, bis Mädchen und Frauen auf dieser Welt gleichberechtigt sind. Ja, schönen Dank auch.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, ich wusste das vorher auch schon. Und ich will kein Rosa und auch kein Hellblau. Ich will Frauen, die sich was trauen! Vorbilder - und zwar überall: in Wirtschaft, Kultur, Industrie, Gesellschaft, Politik. Schließlich können wir nicht alle Bundeskanzlerin werden.

Ich will Frauen, die es aushalten, dass es manchmal rau zugeht im richtigen Leben, die nicht jammern und klagen, sondern anpacken und handeln. Für die es okay ist, dass ihre Söhne Kindergärtner und Pflegekräfte werden. Und deren Töchter das auch dürfen, wenn sie es wollen. Und wenn nicht, dann eben Gabelstapler-Fahrerin oder Spieß bei der Bundeswehr.

Es kommt darauf an, was man daraus macht!

Ich will Frauen, die einfordern, was ihnen zusteht, und die trotzdem nicht aus dem Blick verlieren, dass wir nicht die besseren Menschen sind. Leider. Wir alle sind umzingelt von Geboten, Verboten, Regeln und Normen, Das-tut-man-aber-nicht-Geschwätz, vermeintlicher politischer Korrektheit und Besserwissern, die jedem Geschlecht angehören können.

Setzen Sie ihre rosa oder hellblaue Brille ab, fangen Sie an, wieder zu denken, übernehmen Sie Verantwortung, machen Sie die Welt besser. Macht ist nämlich wie Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht!

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 11.10.2018 | 18:25 Uhr