Stand: 19.03.2019 14:58 Uhr

"Unterhouse of Cards": Ohne Brexit fehlt mir was

Die britische Premierministerin Theresa May darf nicht zum dritten Mal über ihr Brexit-Abkommen abstimmen lassen. Das hat der strenge Sprecher des britischen Unterhauses verfügt. Wer die Unterhaus-Debatten bisher als eine Art Fortsetzungs-Soap verfolgt hat, ist natürlich enttäuscht: Die nächste Folge von "Unterhouse of Cards" fällt aus ...

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Wenn es um den Brexit geht, geht es hoch her im britischen Parlament rund um Premierministerin Theresa May.

Wir Serienfreunde sind jetzt doch ein bisschen enttäuscht, wo uns Theresa May in der letzten Folge von "The Brexit" doch einen super Cliffhanger hinterlassen hat. Am Mittwoch wollte sie wieder mal ihren gut abgehangenen EU-Vertrag vorlegen (von dem sie ganz besonders schwärmt, wenn er wieder aufgewärmt wird) und ab jetzt dreimal täglich vor den Mahlzeiten darüber abstimmen lassen - bis der Arzt kommt. Das klang schon mal verheißungsvoll.

Die britischen Abgeordneten sitzen zum Abschluss der Debatte vor der Abstimmung über die Brexit-Vereinbarung mit der EU im House Of Commons, dem britischen Unterhaus. © PA Wire/dpa

Unterhouse of Cards

NDR Info - Auf ein Wort -

Wer die Unterhaus-Debatten zum Brexit bisher als Fortsetzungs-Soap verfolgt hat, ist natürlich enttäuscht, wenn jetzt die nächste Folge fehlt. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Doch jetzt hat John Bercow in seiner Paraderolle als Mister Speaker der Witwe Bolte von Westminster einen fetten Strich durch die Rechnung gemacht: Neue Episoden der beliebten Brexit-Reihe "Unterhouse of Cards" seien ohne substanzielle Änderungen am Drehbuch nicht zulässig, beruft der sich auf ein Gesetz von 1604 - das war ungefähr zu der Zeit, als sich Robin Hood und der Sheriff von Nottingham im Disput über die Form einer sozialen Umverteilung ähnlich hoffnungslos ineinander verkeilt hatten wie May und Jeremy Corbyn über den Backstop.

Aber kann mich dieses Argument als Fernsehzuschauer überzeugen? Wäre das stichhaltig, dann wäre "Dinner for One" 1964 abgesetzt worden, "Mission Impossible 19" oder "Oceans 24" würden niemals gedreht - und es gäbe bis heute auch nur ein einziges Lied von Modern Talking.

Außerdem hatte ich für Mittwochabend schon alles eingekauft, um zur nächsten Abstimmung ein paar Snacks zu zaubern, die uns in original britisches Lebensgefühl eintauchen lassen: After Eight im Teigmantel, Gummibärchen in Schnittlauchcreme, ein schöner Geflügel-Smoothie - und dann wäre es losgegangen mit dem Reintragen des goldenen Zepters, verfolgt von den mittlerweile vertrauten Gesichtern auf den Sitzbänken eines alten D-Zug-Abteilwaggons und dem Radau einer meuternden Piratenschiffbesatzung, lautstark gezügelt von der Rock-Röhre des Zeremonienmeisters in seinem Ohrensessel.

Cineasten genießen den Brexit auf BBC, ITV oder Channel 5, wo sich keine polyglotte Spaßbremse genötigt fühlt, unter das "Oddääää" ein "Ruhe bitte" zu plappern und uns daran hindern will, in einem ungestörten Sprechchor mit einzustimmen: "Diwischääään" - "Clear the Lobby" - "The ays to the right". Das wird mir fehlen.

Stattdessen gibt es jetzt das Länderspiel gegen Serbien, bei dem nur spannend wird, ob Leroy Sane im gleichen Eisbärkostüm spielt, mit dem er am Montag am Teamhotel aufgeschlagen ist. Dafür will ich eine Entschädigung bei der EU-Ratssitzung am Donnerstag: der Brexit als Director's Cut in Spielfilmlänge.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 19.03.2019 | 18:25 Uhr