Stand: 14.08.2018 16:00 Uhr

Billys Rache!

Das schwedische Möbelhaus Ikea will in Zukunft gebrauchte Möbel zurücknehmen. Vom 1. September 2018 an nimmt das Möbelhaus zunächst testweise Möbel an, um sie dann wieder anzubieten - für weniger Geld. Man möchte damit dem nachhaltigen Konsum entgegenkommen, schreibt das Unternehmen.

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Schon bald können Kunden gebrauchte Ikea-Möbel wieder zurückbringen.

Hej. So fängt es bis jetzt doch immer an. Man lässt sich kurz hinter dem Parkplatz ungefragt in blau-gelb anduzen, wenn man auf die Einkaufswagen zusteuert. Die man aber hier noch gar nicht braucht. Aber darum geht es hier ja sowieso nicht.

Hej. Denn eigentlich kommt man hierher, um eine Kommode zu kaufen, die alte geht ja nicht mehr. Oder ein neues Bett, sind die Kinder nicht schnell groß geworden? Und dann noch ein paar von diesen Gläsern, da sind einige nicht mehr schön durch die Spülmaschine.

Zwei Kundinnen schieben einen Einkaufswagen durch das Lager in IKEA-Möbelhaus in Altona. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt

Billy kehrt zurück

NDR Info - Auf ein Wort -

Das schwedische Möbelhaus IKEA will in Zukunft gebrauchte Möbel zurücknehmen. Eine gute Idee, findet Ocke Bandixen und bittet auf ein Wort.

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Und dann wird man - Sie werden das kennen - in den Strudel aus Lebens- und Wohnvorschlägen zwischen Sisal und Badablage, zwischen Sitzgruppe und Bettvorleger geschleudert. Guck mal, das sieht aber, könnte man auch, ein zaghaft geäußertes: Wo willst du das denn hinstellen? Oder: Glaubst du, das passt überhaupt? verhallen in den eckigen Gängen zwischen Billy, Poäng und Tromsö, werden übertönt vom Gefühl: Hier kauft man nicht ein, sondern holt sich die Zutaten für ein besseres Leben ab. Plus Servietten. Ach, und Kerzen, klar.

Aber halt: Damit ist jetzt Schluss. Denn ab jetzt wird zurückgegeben. Besser noch: verkauft. Billy kehrt zurück. Die Rückkehr von Super-Ivar und Klippan, diesem sehr wuchtigen Sofa, das den Raum immer so kleinmacht. Ha. Nimm dies, Möbelhaus.

Horden von feixenden Käufern, die sich - hej rufend ab dem Parkplatz - in Verkäufer verwandeln, bringen dir das praktische Stolmen-Erweiterungssystem zurück, Kallax mit allen Zwischenböden und eine beinahe vollständige Pax-Ecklösung mit Krawattensortier-Schubkasteneinlage, die sowieso kein Mensch braucht.

Große Gruppen von mündigen Möbelkäufern und Jetzt-Verkäufern stemmen tapfer Knoxhult-Hängeschränke, Skähamn- oder Mossary-Klappgriffe baumeln aus ihren Hosentaschen. Alles kommt hierher zurück. Wenn schon, denn schon. Koppang, Malm und Nordli mit sechs bis acht Schubkästen samt Schubkästeneinlagen.

Und dann die skandinavisch überschäumende, geradezu Midsommar-artige Freude, wenn die freundlichen blau-gelben Mitarbeiter die ganzen Paxe und Stolmen dann entweder selbst wieder auseinanderbauen müssen oder das bereits demontierte Liatorp oder Bemnes auf volle Schrauben und andere Teilchenvollständigkeit zu prüfen haben. Billys Rache!

Nein, nein, wir wollen jetzt nicht von all den Teelichten und Servietten erzählen, die für die nächste Eiszeit als nationale Reserve dezentral in vielen Schränken und Schubladen der Republik lagern. Nicht von den vielen kleinen Bleistiften, die man natürlich auch, im Sinne der Nachhaltigkeit, am Ende seines Ikea-Besuches hätte zurückgeben können, die sich aber - guck mal, in den tiefen Taschenbeuteln jahreszeitlich bedingt in Kallexe fortgehängten Mänteln wiederfinden. Nein, nein. Und Witze über Hotdogs, Soßen, Ketchup und Gurkengläschen oder Plastiktöpfchen mit gerösteten Zwiebeln erübrigen sich auch.  

Aber dann, nach dem Zurückgeben, werden wir natürlich zusammen mit vielen, vielen anderen endlich sehr glücklich sein, weil wir dem Konsumrausch eine lange Nase gedreht haben: Verzicht, Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit. Diese wunderschönen Wörter hallen bald durch unsere zunehmend leere Wohnung.

Problem könnte natürlich sein, dass wir alle, die hochbefriedigten Zurückgeber und Verkäufer, auf dem Weg zurück zum Parkplatz schon nicht mehr recht wissen, wo hinein wir die ganzen Gurkengläschen, Mäntel voller Bleistifte und Ikea-Kataloge stellen, hängen oder legen sollen. Billys Erbe.

Aber was macht das schon. Uns bleiben ja noch die Teelichte, Servietten und die Bleistifte. Hej.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.08.2018 | 18:25 Uhr