Stand: 05.01.2018 15:01 Uhr

Feiertag für fette Katzen

Der 5. Januar ist der "Fat Cat Day", der Tag der fetten Katzen. Dabei geht es nicht um verfressene Haustiere, sondern um deutsche Manager, die in den ersten Tagen des Jahres bereits so viel verdient haben wie ihre Mitarbeiter in einem ganzen Jahr.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Die Namensgebung des "Fat Cat Days" mag zu Missverständnissen führen: Nein, dies ist nicht der Tag, um den klopsigen Stubentiger auf Diät zu setzen, anstatt ihm die gelierten Bröckchen mit Petersilie zu garnieren.

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Der "Fat Cat Day" ist kein Feiertag für Freunde beleibter Stubentiger. Es geht um sehr viel Geld.

Die fetten Katzen bezeichnen vielmehr jene Alpha-Tiere in Konzernvorständen, die in den ersten drei, vier Tagen eines neuen Jahres so viele Mäuse gefangen haben, wie ihnen wir Jäger unseres Durchschnittseinkommens so lange hinterherhetzen müssen, bis schon wieder die ersten Böller knallen.

Und das ist erst der Anfang. Statt sich nach einer derartig lukrativen Woche schnurrend vor den Kamin zu legen und sich zusammen mit dem Weihnachtsbaum für den Rest des Jahres aus der Saison zu verabschieden, gehen die dicken Katzen weiter auf Nahrungssuche. Lautlos, unsichtbar aber unersättlich. Vermutlich würden wir sie für reine Fabelwesen halten, gäbe es keine "Lux-Leaks", keine "Paradise Papers" und würden sie nicht von Zeit zu Zeit ihr Gefolge vor die Presse schicken, um dort vor dem überbordenden Sozialstaat oder unerfüllbaren Lohnforderungen warnen zu lassen.

Im calvinistischen Amerika, wo der "Fat Cat Day" Premiere hat und der Herrgott den Seinen schon zu Lebzeiten einen paradiesischen Scheck ausstellt, feiert eine neidlose Bevölkerung die Kontostände ihrer Milliardäre, als wären es die eigenen.

Eine dicke Katze liegt neben einer Tasse Kaffee

"Fat Cat Day" oder das Verhältnis zwischen Arm & Reich

NDR Info -

Am 5. Januar ist der "Fat Cat Day". An diesem Tag haben die Konzernbosse schon so viel verdient wie ein Angestellter im ganzen Jahr. Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Wenn es um den Reichtum der anderen geht, sind wir Deutschen dagegen nur eine Bissweite von der Tischkante entfernt. Unsere Fat Cats müssten ständig auf der Hut sein. Doch zu ihrer Freude gelingt das politische Kunststück, den Bitterarmen Angst zu machen, dass sich die Bettelarmen an ihren spärlichen Besitztümern zu schaffen machen und eben nicht fragen: "Wie viel hab ich wohl zur 30-Millionen-Jacht von Herrn X beigesteuert?", sondern "Was kostet mich als Steuerzahler die Notunterkunft von Familie Y? Die haben sogar ein Smartphone, das darf ja wohl nicht wahr sein!"

Derlei Missgunst verschont nur die Legenden der Popmusik und natürlich Fußballer. Dass ein Torjäger unser Jahresgehalt bereits einsackt, während er sich in der Kabine die Schuhe zubindet, lassen wir großherzig durchgehen. Erst wenn das Runde partout nicht mehr ins Eckige will, schallt das zornige "Scheiß Millionäre" von der Tribüne, und zwar zehntausendfach, was dafür spricht, dass es sich beim "Fat Cat Day" wohl nicht um einen allgemeinen Feiertag handelt.

Darum haben die Geschäfte auch wie immer bis 21 Uhr geöffnet. Genug Zeit, um schnell noch eine fette Katze zu füttern.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 05.01.2018 | 18:25 Uhr