Stand: 19.08.2019 18:25 Uhr

Eine Frau für Olaf

So einfach ist es nicht für die SPD, eine neue Führung zu finden. Allerlei Parteimitglieder haben sich im Doppelpack zwar bereits als Kandidaten gemeldet, so richtig super sind die aber alle nicht, findet unser Autor Nils Heinrich. Der neuste Bewerber Olaf Scholz hat das Potenzial - ein entscheidendes Detail fehlt ihm aber noch: eine Frau.

Eine Glosse von Nils Heinrich, NDR Info

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Noch ist er allein. Eine Frau für Olaf Scholz soll es sein.

Olaf Scholz hat Emotionen. Diese Meldung war gestern auf Platz Eins in so ziemlich allen Onlineportalen, und das Thema trendete auch bei Twitter. Fast hätte es auch einen Brennpunkt im Ersten gegeben. Olaf Scholz, der kantige Klotz aus dem Hamburger Understatement Milieu hatte gestern gegen 14.31 Uhr ein ungutes Stechen in der Magengegend. Da musste er nämlich gerade an seine Partei denken. Nachdem er gegoogelt hat, wie sie heißt, wofür sie steht und wie die Umfragen aussehen.

Wer... ähhhm... will.. noch?

Außer ihm will ja keiner aus der ersten Reihe SPD-Chef werden. Nur irgendwelche Hinterwäldler aus der Provinz haben sich dann doch hinreissen lassen - halb zog man sie, halb sanken sie hin - Simone Lange und der Bautzener Bügermeister. Karl Fliege Lauterbach und... äh na... sehen sie, schon vergessen. Und Grand Dame der SPD Gesine Schwan ist beim Aufbruch und in Sachen Verjüngung auch dabei, zusammen mit.... äh... ach ja Ralf Stegner... Aber echt jetzt, man sucht doch hier nicht die Miss Sauerkraut 2019, man sucht verdammt nochmal eine Co-SPD-Chefin!

Allein kann Scholz vielleicht Hamburg leiten, den Bau der Elbphilharmonie retten und den Soli abschaffen. Aber Solo-Vorsitzender der SPD sein? Nicht mal Boris Johnson wäre spitz auf diesen Kamikazeeinsatz. Der ungeregelte Brexit ist dagegen ein warmes Bad in einer Wanne mit geschmolzener Butter! Olaf Scholz braucht starken, berühmten und berüchtigten Beistand. Der sollte auch alles haben, was Olaf Scholz nicht hat: Körpertemperatur, Doppel-X-Chromosomen, Jugend, Haare. Eine Frau wär also nicht schlecht.

Auch Quotenregelung hilft nicht

Noch besser: eine ostdeutsche Frau mit dem diplomatischen Geschick einer schwarzen Witwe, die ihre Kontaktpersonen in der Männerdomäne lähmt, einnimmt, gut durchkaut und runterschluckt. Es meldet sich aber keine. Selbst der Job als weibliche Fußballkommentatorin im Fernsehen scheint verlockender zu sein. Im Bereich SPD-Vorsitz gibt es in Deutschland noch weniger Frauen als in der Chefetage von Dax-Unternehmen und im Kabarett.

Man muss zu drastischen Maßnahmen greifen. Eine Quotenregelung würde nicht helfen. Der Job einer SPD-Co-Vorsitzenden müsste verpflichtenden Charakter haben. Wie eine Rettungsmission. Kann Greta Thunberg nicht? Nee, geht nicht, erstens keine Ostdeutsche und zweitens surft sie gerade auf dem steigenden Meeresspiegel ins Mutterland der Umweltschweine. Welche Frau wäre skrupellos genug, um Co-SPD-Vorsitzende zu werden?

Frauke Petry?

Ich hab's: Frauke Petry. Erstens braucht sie bald wieder einen Zweitjob, zweitens könnte sie sogar Thilo Sarrazin bewusstlos quasseln, drittens hat die sechsfache Mutter und vierfache Stiefmutter genug potentielle Wähler im Schlepptau, um der SPD zukünftige Wahlsiege zu garantieren und viertens wird sie gerade wieder links. Außerdem bräuchte sie nur einen Tag bis nach der Wahl mitmachen. Und dann gleich wieder austreten. Und spätestens dann wären bei Olaf Scholz auch die Magenschmerzen wieder weg.

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NDR Info | Auf ein Wort | 19.08.2019 | 18:25 Uhr