Stand: 22.08.2018 15:54 Uhr

Die Methode Rabe oder: Viel hilft viel!

In der Schule sollten mehr Hausaufgaben aufgegeben werden. Das fordert zumindest Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Mehr Hausaufgaben würden vor allem Kindern aus sogenannten bildungsfernen Familien helfen. Eine durchaus überraschende Einschätzung.

Eine Glosse von Katharina Schröder

Bild vergrößern
Das Thema Hausaufgaben ist seit Generationen umstritten ...

Die Maßnahmen, Kinder aus bildungsfernen Familien zu fördern, sind mühsam und teuer - da ist sich wohl ganz Deutschland einig. Ganz Deutschland? Nein! Ein unbeugsamer Politiker hört nicht auf, für seine Idee von der einfachen und kostenlosen Bildungsgerechtigkeit zu kämpfen. Es ist der Hamburger Schulsenator Ties Rabe. Er kennt das Zauberwort für Chancengleichheit in der Schule: Hausaufgaben. Oha!

Er sagt: "Ich bin der festen Überzeugung, dass es besser ist, wenn die Schule den Kindern aus bildungsfernen Familien Übungsaufgaben mitgibt, damit sie auch wie die anderen am Nachmittag etwas lernen können."  Die anderen, das sind  Akademiker-Kinder, die nach der Schule sowieso nur Akademiker-Kindersachen machen.

Ein Etui und ein Hausaufgabenheft liegen auf einem Schultisch © NDR Fotograf: Charlotte Horn

Härte hilft: Hausaufgaben gegen Bildungsferne

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Hamburger Lehrer sollten den Kindern nach Ansicht von Schulsenator Ties Rabe mehr Hausaufgaben aufgeben. Katharina Schröder bittet in ihrer Glosse auf ein Wort.

3,67 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Hausaufgaben erledigen statt abhängen

Je mehr Hausaufgaben es gibt, desto eher profitieren also bildungsferne Kinder. Ein starkes Stück! Denn wissenschaftlich erwiesen ist das genaue Gegenteil: Kinder, deren Eltern nicht helfen können, werden durch Hausaufgaben noch weiter abgehängt. Aber verwirren wir ihn nicht mit Fakten.

Rabe sagt: "Mehr Hausaufgaben können in diesen Familien dazu führen, dass sich der Ablauf nach Unterrichtsende verändert". Wieder oha! Man hört sie schon in den Brennpunkten der Stadt, die Jugendlichen, die zu ihren Kumpels an der Bushaltestelle sagen: "Alter, bislang konnte ich immer mit dir rumlungern, weil ich nix auf hatte, aber jetzt muss ich schnell nach Hause, mein Nachmittag hat sich einfach verändert durch die vielen Hausaufgaben." Philipp Reklam statt Farid Bang.

Fördern durch fordern

Nun gut, der Mann ist als ehemaliger Gymnasiallehrer vom Fach - und er hat was zu sagen. Also nehmen wir ihn ernst und folgen seiner Logik, dass die Probleme der Jugendlichen gelöst sind, wenn wir sie nur einfach richtig rannehmen. Also: Mehr Hausaufgaben machen die Dummen schlauer. Dann müssen die Dicken vor der Schule jeden Tag nur zehnmal um den Block laufen, um dünn zu werden. Und die aggressiven Inklusions-Kandidaten sich einfach mal alleine im Wald so richtig müde schreien, um wieder lieb zu sein. Und zack: Jeder kann BWL-Justus werden.

Und während Rabe atemlos seinen Königsweg entlangstolpert, verrät er noch, wie er überhaupt auf diese Schnapsidee mit den Hausaufgaben kommt: "Wir haben das doch früher auch gemacht." Wieder oha!

Weitere Informationen

Mehr Hausaufgaben: Rabe verteidigt Forderung

Die Forderung von Hamburgs Schulsenator Rabe, Schülern mehr Hausaufgaben aufzugeben, hat viel Kritik hervorgerufen. Im Interview mit NDR 90,3 verteidigte er seine Position. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 22.08.2018 | 18:25 Uhr