Stand: 16.07.2019 14:32 Uhr

Dem Mond ist das alles herzlich egal

Die erste Mondlandung jährt sich in diesen Tagen zum 50. Mal. Klar, dass darüber - und auch über eine partielle Mondfinsternis - viel berichtet wird. Der Mond aber macht das, was er immer macht: Er blickt von oben auf uns herab und gibt uns ein gutes Gefühl.

Eine Glosse von Verena Gonsch, NDR Info

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Der Mond ist und bleibt ein verlässlicher Begleiter unseres Lebens.

Der Mond, unser ältester, verlässlicher Freund, muss ja diese Woche für einiges herhalten. Vor allem für rührselige Erinnerungen an die eigene Kindheit, als sich die Großfamilie vor dem schnell noch angeschafften ersten Fernseher versammelte und stundenlang ehrfürchtig auf den kleinen Schritt für einen Menschen und den großen Sprung für die Menschheit wartete.

Damals war die Welt noch in Ordnung. Kein Klimawandel und vor allem keine Fake News. Das waren noch Zeiten: Milch machte müde Männer munter, Haribo Kinder froh - und für eine Camel Filter ging man meilenweit. Niemand zweifelte daran, dass diese - zugegeben etwas schneeigen - Schwarzweiß-Bilder echt waren. So verwöhnt und vor allem so wahnsinnig kritisch war man damals nicht.

Ein hell leuchtender Vollmond am Nachhimmel. © TeleNewsNetwork

Der Mond - dein Freund und Helfer

NDR Info - Auf ein Wort -

Wer damals vor dem Fernseher dabei war, erinnert sich ein Leben lang daran: Die Mondlandung 1969 brachte die Welt zusammen. Verena Gonsch schaut in ihrer Glosse hoch und zurück.

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Was wäre das für ein Gezwitscher gewesen

Denn was dem großen Neil Armstrong damals, wenn auch etwas verstolpert, in den Sinn kam, hätte heute sicherlich ganze Social-Media-Agenturen und Heerscharen von Influencern beschäftigt. Stellen Sie sich nur den Twitter-Hashtag #Mondlandung vor. Was für ein Gezwitscher.

Und welche Botschaft man heute in so einem Satz unterbringen müsste: Weitere Infos unter mondlandung.de, dort auch die Quellen zum Product Placement, die Selbstverpflichtung der Astronauten, ihre Nebenbeschäftigungen, die Finanzierung und die möglichen Sponsoren. Spätestens da hätte jeder Zweite abgeschaltet. Noch vor der Landung.

Mit dem Mond-Lied ins Land der Träume

Aber der Mond ist ja nicht nur der Inbegriff für Fortschritt, Wissenschaft und Forscherdrang, er muss auch als Tröster und Wiegenersatz herhalten. "Der Mond ist aufgegangen, die goldenen Sternlein prangen" oder "Guter Mond, Du gehst so stille" - kaum ein Kind ist nicht mit Arnica-Globuli und Mond-Wiegenliedern aufgewachsen. Ein Mondlied - und der Sandmann huschte herbei.

Kein Gebrüll, kein verzweifeltes Studieren von "Jedes Kind kann schlafen". Ein Mondlied reichte und das Land der Träume lag vor einem. Jedenfalls in der Erinnerung. Und ehrlich gesagt, nur solange bis der "Mann im Mond" ins Spiel kam. Der Rühmann-Klassiker "La-Le-Lu, nur der Mann im Mond schaut zu, wenn die kleinen Babys schlafen" würde heute auch keine FSK-Überprüfung überleben. Alles nicht mehr PC.

Geld ebnet den Weg zum Mond

Wobei, wenn mich die Erinnerung nicht trügt, begann damals schon der Imagewandel des Mondes. "Der lebt ja hinter dem Mond" oder "Ich könnte ihn auf den Mond schießen", das wurden zunehmend Synonyme für unangenehme, provinzielle oder nervige Zeitgenossen. Oder auch für verflossene Liebhaber.

Mittlerweile würden allerdings einige schon wieder eine Menge Geld dafür zahlen, um dahin zu kommen. Kein Geringerer als der spinnerte Elon Musk hat das Image des Mondes wieder rehabilitiert. Schon in vier Jahren will ein japanischer Milliardär dank Space X den Mond umrunden.

Die dunkle Seite des Mondes - und des Menschen

Eine Gewissheit bleibt bei dem ganzen Erdtrubel: Dem Mond ist das alles herzlich egal. Am Dienstagabend wird er wieder am Himmel stehen, partielle Mondfinsternis hin oder her. Aber wenn Sie ihm zum Jubiläum der Mondlandung zuprosten wollen: Die beste Zeit ist kurz vor 21 Uhr. Dann sieht man die Finsternis am besten. Als Trinkspruch zum Schluss ein Zitat von Mark Twain: "Jeder Mensch ist wie ein Mond, er hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 16.07.2019 | 18:25 Uhr