Stand: 06.12.2017 14:41 Uhr

Dagobert: 70 Jahre alt - und doch ewig jung

Diese Ente ist eine Legende: Dagobert Duck. Legendär reich, legendär geizig. Und 70 Jahre alt. Und doch ewig jung.

Eine Glosse von Ocke Bandixen, NDR Info

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Keiner erklärt die Welt der Haifische und Heuschrecken besser als er.

Als die Welt noch Entenhausen war. Eine kleines Haus mit Bretterzaun das Zuhause, ein knubbeliges Auto vor der Tür, ein Baumhaus zum Verstecken vor grundlos cholerischen Erwachsenen. Und ein Geldspeicher auf dem Hügel in Sicht, der gleichzeitig fern und doch vertraut war. Und da wohnte, nein wohnt immer noch ein sagenhafter Typ. Erpel. Gehrock, Gamaschen, geizig ist noch geschmeichelt. Onkel Dagobert.

Nur er, sein Butler. Und sein Geld, in das er von Zeit zu Zeit mit Anlauf springt und darin badet. Zum Vergnügen. Freunde? Keine. Interessen? Eine: Noch mehr Geld. Das ist alles.

"Leichtfertig ist die Jugend mit dem Wort und bar jeden Sinnes für geschäftliche Dinge", sagt unser raffzahniger Rentner in dem Abenteuer "Das Goldschiff", und das meint er so. Aber, Moment: "raffzahnig" und "Rentner", diese Zuschreibungen für sich lehnt er natürlich ab. Und recht hat er. Denn im Ruhestand ist er - der niemals zu alt wird und nie jung gewesen zu sein scheint, nicht. Und ein Raffzahn?
Nein. Ein Lehrer. Erklärer. Onkel.

 

Die Biografie "Onkel Dagobert - sein Leben und seine Milliarden" von Don Rosa. © NDR Fotograf: Hedwig Ahrens

Onkel Dagobert wird 70

NDR Info -

Diese Ente ist eine Legende: Dagobert Duck. Legendär reich, legendär geizig. Und 70 Jahre alt. Und doch ewig jung. Ocke Bandixen bittet auf ein Wort.

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Denn keiner bereitet einen bis heute eindeutiger und klarer vor auf die Welt der Haifische und Heuschrecken da draußen. Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles. Genau das lebt er ungehemmt von Skrupeln und allzu viel moralischen Vorstellungen vor. Und das wirkt ja auf junge Leute immer am besten. Grübel, grübel und studier!

Es ist erstaunlich und eine eigene Forschung wert, wie sehr gleichzeitig der Onkel an und für sich aus unserer Gesellschaft verschwunden ist: wer lässt sich schon noch von seinen Neffen und Nichten aktiv "Onkel" nennen? Stattdessen hat der gesellschaftliche Anstoß der 68er mit ihren langhaarigen Polyesterhemden-Lehrern ein "Ich bin der Norbert" oder "Ihr könnt Sigi zu mir sagen, ne!" in die Gesellschaft eingeschwiemelt, dass auch im Familienalltag der schöne, rangklärende Begriff "Onkel" fast verschwunden ist.

Ein Onkel, das war doch ein goldzahnlächelnder Weltmann, der einem Angeln, Biertrinken und markige Sprücheklopfen beibrachte. Und nebenbei so manchen Rat fürs Leben mit der Pose ins Wasser schmiss.

Aber zurück nach Entenhausen. Gleichzeitig mit dem  Verschwinden dieses alltäglichen Familienbegriffs Onkel hat aber der - nennen wir ihn einmal -  ducksche Onkelismus  - also die reine Substanz des Wissen und Strebens von Dagobert Duck nach Reichtum - auch die letzten Seiten unseres bilderbunten Lebens erfasst. Der eine Onkel ist fort, der andere die reine Gegenwart.

Der Kapitalismus hat gewonnen. Ja, gesiegt. Triumphiert. Jubel. Jubel. Klatsch. Klatsch. Und an der Spitze steht allein er: Auf der Liste der reichsten fiktiven Charaktere ist Onkel Dagobert die klare Nummer 1. Vor Smaug, dem Drachen aus dem "Kleinen Hobbit", vor Charles Foster Kane aus "Citizen Kane", dem großen Gatsby und Bruce Wayne, das ist der, der sich immer als Batman verkleidet.

Dieser wird in einem dieser überflüssigen "alle-Superhelden-spielen-jetzt-mal-zusammen-in-einem-Film"-Film von einem anderen Superhelden mit irgendwelchen Superkräften gefragt, was denn seine besondere Fähigkeit sei. Seine Antwort könnte auch für Dagobert Duck gelten und die Worte schweben wie unsichtbare bunte Buchstaben über den beschaulichen Straßen der Kleinstadt Entenhausen, in der wir uns immer noch - auch dank Onkel Dagobert zuhause fühlen. Meine Superkraft? Ich bin reich. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 06.12.2017 | 18:25 Uhr