Stand: 12.07.2019 16:30 Uhr

Bayern leidet: Das Aus für Tiroler Schleichwege

Die Regierung in Bayern ist außer sich. Österreich macht dicht und sperrt gerade jetzt zur Haupturlaubszeit viele Landesstraßen für den Transitverkehr am Wochenende. Gerade in Ferienzeiten staut es sich dann zurück bis ins schöne Bayern. Das geht gar nicht, meint die CSU.

Eine Glosse von Helmut Schleich

"Wenn Sie vom Hauptbahnhof in München - in zehn Minuten, sind Sie praktisch schon am Scharl de Goll." Ja, das waren Zeiten, als Mobilität in Bayern noch so einfach war. Mit "zehn Minuten" geht heute gar nichts mehr, schon gar nicht, wenn die jetzt zum Ferienbeginn durch Österreich fahren wollen. Tirol und Salzburg haben die Schleichwege für Transitverkehr dicht gemacht. Und wer reagiert da erwartbar tretminenartig?

Ein Stau auf einer deutschen Autobahn. © picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa Foto: Jens Kalaene

Das Aus für Tiroler Schleichwege

NDR Info - Auf ein Wort -

Die CSU ist außer sich. Österreich zieht die Notbremse und sperrt viele Landstraßen für den Transitverkehr. Helmut Schleich zeigt vollstes Verständnis und bittet auf ein Wort.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Die CSU löst nur Probleme, die sie vorher geschaffen hat

Die CSU und ihr voran der Bundesverkehrsminister. Der Scheuer Audi, äh Andi. "Foulspiel Tirol!" schreit er, um gleich hinterher zu schieben, er will jetzt "Hitze aus der Diskussion" nehmen. Die Hitze wohlgemerkt, die er und seine Parteikollegen vorher selber reingebracht haben. Da ist die CSU ganz bei sich. Wir lösen nur Probleme, die wir vorher geschaffen haben. Das jahrzehntelange Erfolgsrezept.

Im Zurückrudern ist die CSU unschlagbar

Dumm nur, dass das bei der Bevölkerung nicht mehr verfängt. Die Leute reagieren, was man hört, überaus verständnisvoll auf die verkehrsgeplagten Österreicher. Und in Südbayern gibt es sogar Bürgermeister, die sagen, solche Fahrverbote bräuchten wir in Bayern auch. Bei uns geht es am Wochenende auf der Dorfstraße zu wie in Tokio, wenn Büroschluss ist. Was machst du da als CSU, wenn dir das eigene Wahlvolk entgleitet? Zurückrudern. Wenn das olympische Disziplin wäre, wäre die CSU schier unschlagbar.

Arbeitsgruppen auf EU-Ebene

Drum soll es jetzt ab September drei Arbeitsgruppen auf EU- Ebene geben zum Thema Österreich-Transit. Erstens: verbesserte Mautmöglichkeiten. Da schlage ich den Dobrindt als Sprecher vor. Zweitens: alternative Antriebe. Da freue ich mich schon drauf, wenn der Scheuer Andi nächsten Sommer auf dem Weg in den Italienurlaub mit dem E-Roller durch Tirol fährt und ihm am Brenneranstieg der Akku verreckt. Drittens: verbesserter Bahnverkehr. Vorsitz: Don Quichote. Ich meine, wie lange hören wir das jetzt schon von der Politik? Güter auf die Schiene? 30 Jahre? 40? Im Inntal erzählen es die Urgroßeltern den kleinen Kindern als Gute-Nacht-Geschichte, wie einst Franz Josef Strauß gesagt haben soll: Wir brauchen den Brenner-Nordzulauf sofort.

Da kann man die Tiroler schon verstehen. Außerdem sind wir Bayern froh, dass sie nur ihre Landstraßen sperren. Vor 200 Jahren, als wir den Tirolern zusammen mit dem Napoleon Lesen und Schreiben beibringen wollten, da hat uns der Tiroler Freiheitskämpfer Andreas Hofer noch am Bergisel aufgelauert und uns mit Felsbrocken beworfen. Wenn das kein Fortschritt ist.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.07.2019 | 18:25 Uhr

03:00

Die verschwundenen Inkas

Früher bespielten peruanische Panflötenkolonnen und andere Kleinkünstler unsere Fußgängerzonen. Heute sind sie weitgehend verschwunden. Detlev Gröning bedauert das sehr. Audio (03:00 min)