Stand: 01.02.2017 19:02 Uhr  | Archiv

Gezielte Propaganda? "Fake News" in den Medien

von Daniel Bouhs
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Fake oder Fakten -

"Fake News" müssen als Begriff inzwischen für so ziemlich alles herhalten - auch als Beschimpfung für klassische Fehler, die Journalisten schon immer unterlaufen sind. Als Medien wie "Spiegel" und "Zeit", aber auch einige Zeitungen und Redaktionen von ARD und ZDF die Verlesung der Anträge vor dem Bundesverfassungsgericht mit dem Urteil verwechselten und "NPD verboten" meldeten, schimpften viele "Fake News!", sogar die FAZ. Dabei haben die Journalisten sich prompt korrigiert und viele wie "Spiegel Online" und "Die Zeit" sogar noch am selben Tag reumütig transparent gemacht, was falsch lief. Das waren schlicht Falschmeldungen - peinliche Versehen, keine Absicht.

Ein Mann spielt mit Bauklötzen, die den Aufdruck "Fakten" in einzelnen Buchstaben haben. © fotolia.com Foto: Gajus Fakten

Gezielte Propaganda? "Fake News" in den Medien

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"Fake News" wird als Begriff von vielen bei klassischen Falschmeldungen als auch bei gezielter Propaganda benutzt. Das ist falsch, denn nur bei Letzterer ist der Ausdruck gerechtfertigt.

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Unterscheidung "Fake News" und Falschmeldung

Die Abgrenzung zu "Fake News" fällt viel einfacher, wenn als Synonym "Propaganda" taugt: Viele Geschichten mit einem Fünkchen Wahrheit, oft aber nur bei Nebensachen, werden instrumentalisiert und in eine eigene Geschichte verpackt, um politisch Stimmung zu machen. Ein solcher gezielter Mix aus Fakten und Fiktion war der Fall "Lisa": Das russlanddeutsche Mädchen war tatsächlich verschwunden, aber nie von Flüchtlingen vergewaltigt worden - anders als etwa russische Medien trotz gegenteiliger deutscher Polizei-Hinweise berichtet haben. Dennoch gingen deutschlandweit tausende Menschen auf die Straße, vor allem gegen die Flüchtlingspolitik der Regierung.

Strafanzeige gegen "Fake News"-Ersteller

Noch perfider werden "Fake News", wenn sie klassische Medienmarken missbrauchen. Das hat wiederum die Grünen-Politikerin Renate Künast erlebt. Eine "Fake News" legte ihr ein frei erfundenes Zitat in den Mund, versehen mit der vermeintlichen Quelle "Süddeutsche Zeitung". Auch hier war - wie bei vielen erfundenen oder aufgebauschten Berichten über Kriminalität von Flüchtlingen - das Ziel: Ängste schüren und Protest auslösen mit vorsätzlich erfundenen und geschickt in sozialen Netzwerken platzierten Geschichten.

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ZAPP | 01.02.2017 | 23:20 Uhr