Stand: 28.04.2015 10:00 Uhr  | Archiv

"In New York lebt die ganze Welt"

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Isabel Schayani ist seit September 2014 Korrespondentin der ARD im Studio New York.

Isabel Schayani berichtet als ARD Korrespondentin seit 2014 aus New York. In der Metropole, die niemals schläft, findet sie die geballte Fülle an Themen: von den Vereinten Nationen und der Wall Street, über Kunst und Kriminalität, bis hin zu Mode, Film, Sport, Trends und natürlich der Welt der Prominenz. Doch nicht nur die Stadt New York gehört zu ihrem Berichtsgebiet, sondern auch Kanada, das zweitgrößte Land der Welt.
Auf Twitter können Sie Isabel Schayani folgen unter: @isabelschayani.

Frau Schayani, was hat Sie bis jetzt in Ihrer Korrespondenten-Wahlheimat am meisten beeindruckt?

Isabel Schayani: Man kommt in New York an - wir mit zwei Koffern - und gehört dazu. Du lebst hier, also bist du New Yorker. Die ganze Welt lebt hier und ist New Yorker und eben nicht Ausländer. Das ist unglaublich. Es zählt, was du machst und nicht, woher du kommst. Die Leitwährung ist natürlich der Erfolg. Und so trifft man den ganzen Tag Menschen aus der ganzen Welt. Es klingt so platt, aber genau so ist es: Hier lebt die ganze Welt. In einer Stadt. Großartig.

Videoblog "New York, New York"
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"Das Museum ist ein Flirt mit der Stadt"

Isabel Schayani war bei der Eröffnung des Whitney Museums in Manhattan beeindruckt von gemalten Bartstoppeln und Wachsbeinen. extern

Was hat Sie am meisten schockiert?

Schayani: Dass das Verhältnis zwischen Afro-Amerikanern und Weißen so angespannt ist. Dass Rassismus in dieser Stadt der Möglichkeiten immer noch ein Thema ist. Nie hätte ich damit gerechnet. Und dass diese Haltung im Umgang der Polizei mit Schwarzen und Latinos deutlich wird. Der Fall von Eric Garner  - ein Afro-Amerikaner, der illegal Zigaretten verkaufte und seine Festnahme durch die Polizei nicht überlebte, wie ein Handyvideo zeigt - hat so ein schockiertes Echo hervorgerufen, weil es genau dieses Missverhältnis zeigt.

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Besonders im Zusammenhang mit den Vereinten Nationen stehen Politiker - wie hier Frank-Walter Steinmeier - im Zentrum der Berichterstattung.

Welche Geschichte wollen Sie unbedingt in Ihrer Zeit als Korrespondentin erzählen?

Schayani: Ich würde gerne erzählen, dass die UNO in ihrem 70. Jahr so gut ist, wie ihre Mitglieder und dass wir keine bessere haben. Es gibt dort engagierte Menschen, die beeindruckend sind und die global denken, was eine visionäre Begabung ist. Auch Deutsche. Es mag von außen langweilig aussehen, aber die UN-Idee ist immer noch die beste, die wir haben.

Was ist die größte Herausforderung für die Zusammenarbeit mit den Redaktionen in Deutschland?

Schayani: Es ist nicht einfach, die Bedeutung der UN und ihrer Entscheidungen zu vermitteln.

Was haben Sie bei jeder Drehreise dabei?

Schayani: Mein kleines Notizbuch, in das ich Beobachtungen reinschreibe, Infos und  - sehr wichtig - Satzideen. Ohne das bin ich verloren.

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In New York ist Isabel Schayani oft mit dem Fahrrad unterwegs, nimmt aber auch gerne mal ein Boot.

Was war bisher die größte Panne, die Ihnen widerfahren ist?

Schayani: Ich fuhr nach der Arbeit mit dem Fahrrad durch Manhattan, um meine Tochter abzuholen. Damit wir gemeinsam nach Hause fahren konnten, stoppte ich eines der unzähligen gelben Taxis. Ich hatte schon alles versucht, um mein "foldable bike", mein Fahrrad, einzuklappen. Aber bei minus 10 Grad klappte es sich nicht so geschmeidig. Als ich den Taxisfahrer bat, das Rad einzuklappen, zögerte er gar nicht, legte es über sein Knie und machte zwei Teile aus einem. Da war das Rad hin. Als wir ausstiegen fragte er, in einer perfekten Servicegesellschaft lebend: "Kann ich noch was für sie tun?“

Mussten Sie aus Höflichkeit bei einer Drehreise schon mal Merkwürdiges essen oder trinken?

Schayani: Das ist eine interessante Frage und mir fällt bei ihrer Beantwortung auf, dass uns selten etwas angeboten wird. Die Treffen sind oft schon im Vorhinein zeitlich begrenzt. "Das dauert nicht länger als eine Stunde", sagen wir. Denn es ist als deutsches Fernsehen nicht einfach, in der irre schnell pulsierenden Stadt New York Menschen für ein Interview zu gewinnen.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz in New York?

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ARD Studio New York

Wall Street, UN, Weltsicherheitsrat, Hurrikanes oder Promis: Unsere Korrespondenten erzählen Geschichten aus der Stadt, die niemals schläft und aus Kanada, dem zweitgrößten Land der Erde. Video (03:02 min)

Schayani: Oh, nur ein Platz? Da purzeln gleich mehrere Bilder von Orten aus meinem Gedächtnis: Empirestatebuilding bei Nacht, Statenislandfähre mit Blick auf Manhattan, Dumbo am Wasser, Onetrain quer durch Manhattan und seine Passagiere, die ich gerne zeichne. Im Moment würde ich sagen: Bushwick, Brooklyn - wo die Ideen jede Straßenlaterne zukleistern. Oder unser Wohnzimmersofa.

Wie sieht für Sie ein perfekter Sonntag aus?

Schayani: Wenn meine jüngste Tochter am Abend zu mir sagt: Mama, ehrlich, das war ein "epic sunday".

Was vermissen Sie am meisten aus Ihrer Heimat?

Schayani: Meine Familie.

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