Unsere Geschichte

Wir machen unser Ding! Wie Udo Lindenberg den Osten aufmischte

Mittwoch, 12. Mai 2021, 21:00 bis 21:45 Uhr
Donnerstag, 13. Mai 2021, 06:35 bis 07:20 Uhr

Udo Lindenberg war auch ein Superstar in der DDR. Er hatte Millionen Fans. Allerdings nur inoffiziell unter den Jugendlichen, die ihre Jeansjacken gerne mit großflächigen "Udo L"-Kugelschreiber-Aufschriften auf der Rückenseite auffrischten. Seine Songs mokierten sich über die DDR-Staatsführung (nicht nur über die) und seine anarchischen Texte, von der Jugend gefeiert, bargen erheblichen politischen Sprengstoff.

Udos Lederjacke wird zum Kultobjekt

Und dann tauchte diese Lederjacke auf, ein Geschenk für den einstigen Staatsratsvorsitzenden der DDR, Erich Honecker. Das war 1987. Sie wurde zum Relikt, zum Symbol einer friedlichen Revolution.

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Udo Lindenberg schickt Erich Honecker am 10. Juni 1987 anlässlich der Vorkommnisse am Brandenburger Tor einen offenen Brief und eine Lederjacke. © picture-alliance / dpa Foto: Probst

Udos Lederjacke - Legendäres Symbol mit Reliquien-Status

In den 80ern beschenken sich Udo Lindenberg und Erich Honecker mit Lederjacke und Schalmei. Politisch aufgeladene Symbolik, die den Abgrund markiert. mehr

Und damit beginnt die Udo-Lindenberg-Geschichte 30 Jahre später. Die Lederjacke wird inzwischen im Kulturhistorischen Museum Rostock, das sich im historischen Kloster zum Heiligen Kreuz befindet, wie eine Reliquie verehrt und aufbewahrt.

Alte Fans vereint in ihrem Lebensmotto

Christiane Stürmer durfte 1987 als Modedesignerin der Shanty-Jugendmode in Rostock Udo Lindenbergs Lederjacke in Empfang nehmen und verwahren. Sie war ein Geschenk für Erich Honecker, der sie dann aber schnell wieder loswerden wollte, um sie "einem guten Zweck" zuzuführen. © NDR/AP Populärfilm
Christiane Stürmer durfte als Modedesignerin der Shanty-Jugendmode in Rostock 1987 Lindenbergs Lederjacke in Empfang nehmen und verwahren.

Hier versammelt sich eine Gruppe alter Fans aus dem Osten, um diesem Kleidungsstück wie ein "Kultobjekt" zu huldigen, das weder ihr Schöpfer noch seine Fans je wirklich ernst genommen haben. Wie Uwe Neumann, der ehemalige Türsteher des Rostocker Mensa-Filmclubs und heutige Direktor der Kunsthalle Rostock. Die Musikerin Anne-Wiebke Willsch hat Udo Lindenberg auf seiner ersten Tournee im Osten begleitet. Und Christiane Stürmer, die ehemalige Modegestalterin der VEB Jugendmode Shanty, durfte das Gewand des Rockstars einst in Empfang nehmen. Sie erzählen, wie sie damals schon mit Udo im Kopf ihr Ding machten. Aber auch der aus Rostock stammende Kapitän Bernd Migeod und der Heizungsmonteur Peter Elsholt, der mit 80 Jahren immer noch mit dem Fallschirm aus Propellerflugzeugen springt, erzählen ihre Udo-Geschichten. Ihr Lebensmotto lautet wie einer der Songtitel von Udo Lindenberg: "Gegen die Strömung, gegen den Wind".

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Udo Lindenberg während seines Auftritts am 25. Oktober 1983 im Palast der Republik in Ost-Berlin © picture-alliance / Dieter Klar Foto: Dieter Klar

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Autor/in
Matthias Vogler
Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke