Unsere Geschichte

Meine Kindheit an der Elbe

Samstag, 27. Februar 2021, 12:00 bis 12:45 Uhr

Landei oder Großstadtbengel, Jungpionier oder Pfadfinder: Wer in den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren an der Elbe, Norddeutschlands bekanntestem Fluss, aufgewachsen ist, erlebte sehr unterschiedliche Kindertage.

Der Sohn eines Fischers im Landkreis Cuxhaven war sechs Jahre alt, als er das erste Mal mit seinem Vater auf die Elbe zum Fischen herausfahren durfte. Die Tochter eines Bauern auf der DDR-Seite der Elbtalaue kam die ersten elf Jahre ihres Lebens nicht mal in die Nähe des Flusses, denn er war abgeriegelt. Fluchtgefahr! Diese Dokumentation macht eine eindrucksvolle Zeitreise an der Elbe flussaufwärts: von Cuxhaven über Hamburg bis in die Elbtalaue bei Boizenburg.

Eine Kindheit geprägt von örtlicher Tradition

An der Unterelbe bekommen die Kinder so gut wie nichts von den großen Veränderungen in der deutschen Geschichte mit. Ihr Leben ist sprichwörtlich ein langer, ruhiger Fluss. Die Kindheit von Annegret Hamster in der Haseldorfer Marsch war von einer örtlichen Tradition geprägt. Ihre Familie lebte vom Binsenschneiden. Annegret sprach bis zu ihrem sechsten Lebensjahr nur Plattdeutsch. Jeden Sommer hatte sie zwei zusätzliche Wochen "Stöckebast-Ferien", um ihren Eltern bei der Arbeit zu helfen.

Ratgeber Reise
Blick von der Elbe auf die Hamburger Landungsbrücken © NDR Foto: Kathrin Weber

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Gerade mal knapp 30 Kilometer Luftlinie elbaufwärts verlief die Kindheit von Konrad Lorenz und Dieter Bruhn alias "Aale-Dieter" ganz anders. Sie wurden im Hamburg der Nachkriegszeit groß. Ihr Spielplatz waren die Ruinen und Bunker der Stadt. Konrad wurde auf St. Pauli geboren und wuchs zunächst ohne Vater auf. Der galt nach Kriegsende als vermisst. Das Elbufer zwischen Landungsbrücken und Fischmarkt war Konrads Revier. Später entdeckten er und seine Kumpels natürlich auch das Rotlichtviertel rund um die Reeperbahn und wunderten sich über die vielen Frauen, die dort an den Häuserecken standen und warteten.

Badeparadies unterhalb der Elbchaussee

Sehr viel behüteter ging es bei Heidi Mahler, der Tochter von Heidi Kabel, die etwas weiter elbabwärts lebte, zu. Die Stadtviertel dort waren sehr viel weniger zerstört als das Zentrum der Hansestadt Hamburg. Gemeinsam mit ihren Brüdern machte sie in den 1950er-Jahren den Strand unterhalb der Elbchaussee zu ihrem Badeparadies.

Angela Stünkel, geb. Schallehn, wächst auf einem Hof im Kreis Hagenow im DDR-Sperrgebiet auf. © NDR/Angela Stünkel privat
Angela Stünkel, geb. Schallehn, wächst auf einem Hof im Kreis Hagenow im DDR-Sperrgebiet auf.

Auch Angela Stünkel wuchs in den 1950er-Jahren an der Elbe auf, knapp 80 Kilometer Luftlinie weiter flussaufwärts auf dem Gebiet der DDR. Wieder eine ganz andere Kindheit: Erst mit elf Jahren betrat Angela das Ufer des Flusses zum ersten Mal - unfreiwillig. Bis dahin hatte sie eine unbeschwerte Kindheit rund um den Bauernhof ihrer Eltern verlebt, der innerhalb der Fünf-Kilometer-Sperrzone lag. Doch dann rief der Vater die Familie zusammen und erklärte, sie müssten ihren Hof verlassen - für immer. Am nächsten Morgen brachen sie auf.

Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktion
Carola Meyer
Autor/in
Günther Mombächer
Regie
Günther Mombächer
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Redaktion
Christoph Mestmacher