Unsere Geschichte - Unsere Städte nach '45

Bomben und Bausünden

Sonntag, 07. November 2021, 02:00 bis 02:45 Uhr

Der Zweite Weltkrieg hat die deutschen Städte verwüstet. Experten meinen jedoch, dass der Wiederaufbau mehr Bausubstanz vernichtet hat als der verheerende Bombenkrieg. Wie konnte das passieren?

Deutsche Architekten um Rüstungsminister Albert Speer hatten schon vor 1945 Wiederaufbaupläne in der Schublade. Von allem Nazipomp entschlackt, kamen sie nach dem Krieg zum Einsatz. Ihre Vorbilder hatten sie dabei in den Prinzipien des modernen Städtebaus der 1920er-Jahre. Die fortschrittliche Stadt sollte von Licht und Luft durchflutet sein. Breite Straßen sollten sich durch die autogerechte Stadtlandschaft ziehen. Dieser Vision wurden oft die Reste der historischen Innenstädte geopfert.

Der erste Teil der zweiteiligen Dokumentation von Radio Bremen über Deutschlands Wiederaufbau zeigt, von welchen Visionen Städteplaner und Architekten von Hamburg über Bremen, Köln, Essen, Frankfurt und Erfurt bis nach Ulm oder Regensburg geleitet waren. Immens einflussreich war dabei der Stadtplaner Rudolf Hillebrecht aus Hannover, der seine Heimatstadt besonders radikal umgestaltet hat und damals zum Vorbild in ganz Westdeutschland wurde.

In der DDR haben die gleichen städtebaulichen Leitlinien von der autogerechten Stadtlandschaft gewirkt wie im Westen, nur hinkte man dem Westen rund zehn Jahre hinterher. Man ging hier ebenso rüde mit historischen Bauten um. Ein besonders extremes Beispiel ist Bernau in der Nähe von Berlin. Rund 2000 alte Häuser wurden zugunsten genormter Plattenbauten noch Anfang der 1980er-Jahre abgerissen.

Der Abriss letzter Reste der historischen Innenstädte nach dem Krieg wurde selten mit der Kamera dokumentiert. Oft ist nicht einmal ein Datum bekannt, wann Klöster, Rathäuser oder ganze Stadtteile abgerissen wurden. Umso wertvoller sind die Funde, die eine umfangreiche Archivrecherche für diese Dokumentation zutage gebracht hat. Bislang unveröffentlichte Farbfilme von 1948, aufgenommen von einem US-amerikanischen Besatzungsoffizier, zeigen außerdem Deutschland an der Schwelle zum Wiederaufbau: was zerstört, aber auch, was noch vorhanden war.

Autor/in
Susanne Brahms
Rainer Krause
Kamera
Jan Ole Sieg
Ton
Joscha Humann
Schnitt
Birgit Hemmerling
Tonmischung
Frank Buermann
Sprecher/in
Gaby Blum
Produktionsleiter/in
Hannah Lenitzki
Redaktion
Michaela Herold