Unsere Geschichte

Als der Norden tanzen lernte

Samstag, 15. Juni 2019, 12:00 bis 12:45 Uhr

Darf ich bitten?!“ - In den 1960er Jahren ist ein Jackett für die Herren noch Pflicht im Tanzkurs. © NDR/LonaMedia/Corinna Bartel

3,47 bei 36 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Schweißnasse Hände, ein starrer Blick auf die Füße und Schrittfolgen, die man nie zu begreifen scheint: Die Tanzstunde markiert seit Generationen den Eintritt ins Erwachsenenalter. Tanzen lernen ist heute wieder populär, die Anfängerkurse der Tanzschulen sind gut besucht.

In dem Film werden zwei 14-jährige Mädchen von den ersten Schritten in der Tanzschule bis zum Abschlussball begleitet und Geschichte und Geschichten traditionsreicher Tanzschulen in Hamburg, Lübeck und Rostock erzählt.

Tanzen: Ein Spiegel der Zeit

Bild vergrößern
Darf ich bitten? - In den 1960er-Jahren ist ein Jackett für die Herren noch Pflicht im Tanzkurs.

Tanz ist immer auch ein Spiegel der Zeit gewesen. Am Ende des 19. Jahrhunderts war der Tanzlehrer noch mit einer Geige unterwegs und verhalf dem erstarkten Bürgertum zu mehr Sicherheit auf dem gesellschaftlichen Parkett. Bis Anfang der 1940er-Jahre war Hamburg eine Hochburg der Swing-Begeisterten. Junge Leute, die mit dem ausgelassenen Tanzstil auch ein freies Lebensgefühl verbunden haben und so gegen die Nationalsozialisten opponierten.

Flucht aus dem Alltag

Nach dem Krieg bezahlten die Kunden ihre Tanzstunden mit Briketts. Tanzen war eine Flucht aus dem grauen Alltag, und wer kein eigenes Jackett hatte, bekam vom Tanzlehrer eines geliehen. Denn in der Tanzschule lernte man damals nicht nur Schrittfolgen, sondern auch gutes Benehmen.

Lipsi: Ein staatlich verordneter Tanz in der DDR

Tanzen ist immer auch Jugendkultur. Als in den 1950er-Jahren der Rock'n'Roll nach Deutschland kam und Jugendliche ganze Konzerthallen zerlegten, suchte die neu gegründete DDR eine Alternative. Ein Tanzlehrerpaar aus Leipzig bekam den Auftrag, einen Tanz zu kreieren. So entstand der sogenannte Lipsi, doch die Jugendlichen verschmähten den staatlich verordneten Tanz.

Disko und Breakdance: Filme lösen Trends aus

Häufig sind es aber auch Filme gewesen, die ganze Tanzwellen auslösen. Als 1978 der bis dahin in Deutschland weitgehend unbekannte Schauspieler John Travolta im weißen Anzug durch den Film "Saturday Night Fever" tanzte, verfielen junge Leute im ganzen Land in ein anhaltendes Diskofieber. Ein Jahrzehnt später war der von Harry Belafonte mitproduzierte Film "Beat Street" Vorbild für Jugendliche aus der DDR. In Rostock und Stralsund fielen im Stadtbild plötzlich Jugendliche auf, die sich roboterhaft zu hämmernden Beats bewegten. Der Breakdance schaffte den Sprung über die Mauer. Da aber die zu dem Tanzstil gehörenden Markenklamotten in der DDR nicht erhältlich waren, mussten die Mütter der jungen Breakdancer ran und nähten aus Putzlappen Fantasielogos auf Jogginghosen.

Der Film ist eine spannende Zeitreise, in der Musik und Tanz das Lebensgefühl des jeweiligen Jahrzehnts wieder aufleben lassen.

Gesundheit

So gut ist Tanzen für Körper und Geist

Tanzen sieht gut aus, macht fit und bringt Spaß. Aber es hat noch ganz andere Vorteile. Wissenschaftler sind überzeugt davon, dass Tanzen glücklich und intelligent macht. mehr

Autor/in
Heike Nikolaus
Regie
Heike Nikolaus
Redaktion
Christoph Mestmacher
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg