Sendedatum: 24.06.2018 19:30 Uhr

Zeitreise: die Levensauer Hochbrücke

von Carolin Rabe

In unserer Zeitreise geht es um ein Bauwerk, das mehr ist, als nur eine Straßen- und Eisenbahnbrücke. Die Levensauer Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal stand für Fortschritt und Moderne. Die Grundsteinlegung ist jetzt exakt 125 Jahre her. Nun sind ihre Tage gezählt. Sie muss weichen, denn Eisen und Gemäuer sind müde. Der Abriss ist trotz ihrer damaligen Bedeutung und ihrer langen Geschichte beschlossene Sache.

Die Faszination einer besonderen Brücke

Viel hat sie erlebt seit der Grundsteinlegung 1893. Unzählige Pendler hat sie getragen, die mit Autos und Zügen den Kanal überquerten. Frachter, Tanker, Segler hat sie unter sich durch gelassen. Und viele finden sie noch immer schön, wie das Ehepaar Krasinsky aus Levensau. Elke und Paul Krasinsky wohnen seit 50 Jahren direkt am Kanal - ganz nah an der Levernsauer Brücke. Er hat beim Wasser- und Schifffahrtsamt gearbeitet und die Brücke entrostet, gestrichen, die Nieten abgeklopft und geprüft. Und auch Uwe Steinhoff, Kapitänleutnant a. D., sagt, die alte Brücke sei eine besondere Brücke. Wegen ihres Bogens und der Türme war sie damals sogar einmalig in Deutschland. Uwe Steinhoff sammelt seit 13 Jahren Bilder vom Kanal. Auf einem Flohmarkt fing alles an. Heute umfasst seine Sammlung knapp 4.500 Bilder.

Die älteste Brücke über dem Nord-Ostsee-Kanal

Ingenieurskunst aus dem vorletzten Jahrhundert

Auch von der Grundsteinlegung mit Kaiser Wilhelm II. höchstpersönlich hat Uwe Steinhoff Bilder in seinem Besitz. Der Kaiser war es, der damals die Brücke wollte und die Ingenieurskunst lobte. Die Levensauer Hochbrücke war die letzte aus Eisen - mit 500.000 Nieten. Ein schwieriger Bau war es, denn der Kanal war schon mit Wasser befüllt, und es mussten riesige Gerüste aus Holz her, um die Bogenbrücke zu errichten. 18 Monate dauerte der Bau.

Überquerung per Zug

42 Meter über dem Kanal rumpelten zunächst Pferdefuhrwerke über Holzbohlen. Und später dann auch die Eisenbahn auf der Strecke Flensburg-Kiel. Auf der Brücke selbst gab es sogar einen Bahnhof, an dem die Züge hielten. Und eine Gastwirtschaft, in der auch die Levensauer einkehrten. Selbst die Krasinskys waren dort zu Gast. Auch mal für "einen Lütten", erinnert sich Paul Krasinsky.

Alte Brücke bald Vergangenheit

Nach dem Zweiten Krieg wurde die Brücke immer mehr zum Nadelöhr. Der Verkehr nahm rasant zu: Teilweise verkeilten sich Lkw auf der Fahrbahn und die Brücke musste gesperrt werden, berichtet Uwe Steinhoff. 1954 wurde die Fahrbahn verbreitert, die Türme abgenommen und der Fußweg außerhalb des Bogens verlegt. Damals fuhren täglich 2.500 Fahrzeuge über die Brücke. 30 Jahre später waren es schon 18.000. Deswegen kam in den 1980er Jahren eine neue, breitere Brücke neben die alte Hochbrücke. Aber auch der Verkehr unter der Brücke nahm weiter zu. Und weil die Schiffe, die den Nord-Ostsee-Kanal passieren, auch immer größer werden, soll der Kanal nun verbreitert werde. Die Folge: Die alte Brücke muss weg. "Ein historischer Verlust", beurteilt Uwe Steinhoff. Einzig der südliche Turm bleibt erhalten, weil hier Fledermäuse überwintern. Die Krasinskys sind traurig, dass "ihre" alte Levensauer Hochbrücke schon bald verschwindet. 2022 soll es soweit sein. Dann steht der Neubau: eine moderne schlichte Bogenbrücke - ohne Nieten und noch ohne Geschichte.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 24.06.2018 | 19:30 Uhr