Der Katastrophenschutz - Überleben kann man lernen

Stand: 30.07.2021 16:00 Uhr

Die Bedeutung des Katastrophenschutzes ist nach den aktuellen Flut-Ereignissen enorm gestiegen. Aber wie hat sich der Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein in der Vergangenheit entwickelt?

von Karl Dahmen

Die Sturmflut 1962 an der Nordseeküste und Hamburg mit Hunderten von Toten; das Hochwasser in der Haseldorfer Marsch 1976, bei dem die Deiche brachen und das Land von Wasser überschwemmt wurde; der Schneewinter 1978/1979, als der Norden im Schnee versank und Bauernhöfe von der Außenwelt isoliert waren: Naturkatastrophen wie diese können jederzeit wieder auftreten. Das meint auch Gerhard Brüggemann, der ehemalige Leiter der schleswig-holsteinischen Katastrophenschutzschulen in Schönböken und später in Rendsburg. Die Schulen haben den verschiedenen Hilfsorganisationen wie zum Beispiel dem Roten Kreuz oder dem Technischen Hilfswerk als Unterrichtsorte gedient, in denen die Helfer die technischen und organisatorischen Maßnahmen im Falle einer Katastrophe lernen konnten.

Die Anfänge des Katastrophenschutzes in der Bundesrepublik

Ein Schild mit der Aufschrift "Öffentlicher Luftschutzraum" © NDR Foto: Screenshot
Mitten in Zeiten des Kalten Krieges wurde der Bundesluftschutzverband gegründet, der später in den Bundesverband für den Selbstschutz (BVS) unbenannt wurde.

1951 wurde der Bundesluftschutzverband gegründet - mitten in Zeiten des Kalten Krieges. Er sollte die Menschen vor allem in einem wieder denkbaren Krieg warnen und helfen. Gerhard Brüggemann sagt, es gab damals ein "Riesensystem" mit Warnämtern, die Sirenen auslösen konnten und großen Vorratslagern, die der Bevölkerung im Notfall helfen sollten. 1968 wurde der Luftschutzverband in den Bundesverband für den Selbstschutz (BVS) unbenannt, denn der vorherige Name der Organisation hatte einen Widerwillen in der Bevölkerung erregt: Luftschutz und Krieg - daran mochte man nicht denken. Zudem hatte die schwere Sturmflut von 1962 gezeigt, dass das Helfen im Katastrophenfall verbessert werden musste.

Eine Mark für den Zivilschutz 

Bundesverband für den Selbstschutz BVS © NDR Foto: Screenshot
Während der der Überschwemmung in der Haseldorfer Marsch 1976 haben sich die Stärken des Bundesverbandes für den Selbstschutz (BVS) gezeigt.

Gleichzeitig sollte die individuelle Verantwortung des Einzelnen gefördert werden. So gingen allein in Schleswig-Holstein über hundert Lehrer des BVS in Schulen und Betrieben, damit die Schüler und auch die Arbeiter das richtige Verhalten im Katastrophenfall lernen konnten. Finanziert wurde der BVS von der Bundesregierung. Gerhard Brüggemann erzählt, dass es auch mit der Gründung der Bundeswehr zu tun hat. Damals hatte man beschlossen, wenn man drei D-Mark für die Bundeswehr ausgibt, sollte man gleichzeitig eine D-Mark für den Zivilschutz zahlen. Außerdem plante der Bund, dass sich ein Prozent der Bevölkerung im Zivil-und Katastrophenschutz engagieren sollte. Das wären 600.000 Menschen gewesen. Naturkatastrophen haben immer wieder die Schwächen der Organisation aufgezeigt, aber auch die Stärken. Bei der Überschwemmung in der Haseldorfer Marsch 1976 war trotz großer Verwüstungen kein Mensch in Schleswig-Holstein ums Leben gekommen.

Nach der Wiedervereinigung 1990 wurde der Katastrophenschutz bundesweit neu organisiert. Der Bundesverband für den Selbstschutz und die Katastrophenschutzschulen wurden aufgelöst. Die Ausbildung für den Notfall übernahmen nun die Hilfsorganisationen selbst. Heute, sagt Gerhard Brüggemann, könne man von den Pionieren des Katastrophenschutzes vor allem von der damaligen umfangreichen Planung lernen. Die im Katastrophenfall bereitstehenden Helfer sind zwar motiviert und technisch versiert, aber er sieht ein Problem in der Führung. Da müsse man nachbessern, um überraschende Ereignisse - wie aktuell in Rheinland Pfalz und Nordrhein Westfalen - eben nicht zur Katastrophe werden zu lassen.

Archiv
Dampflokomotive aus dem 19. Jahrhundert. © dpa - report Foto: Votava

Alle Zeitreise-Beiträge sortiert nach Datum

Hier finden Sie alle Zeitreisen des Schleswig-Holstein Magazins. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 01.08.2021 | 19:30 Uhr